{"id":1181,"date":"2021-11-04T08:00:00","date_gmt":"2021-11-04T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/?p=1181"},"modified":"2021-11-03T18:01:32","modified_gmt":"2021-11-03T17:01:32","slug":"landwirtschaft-ohne-subventionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/landwirtschaft-ohne-subventionen\/","title":{"rendered":"Landwirtschaft ohne Subventionen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Jede landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4che in der Europ\u00e4ischen Union ist subventioniert. Jede? Nein, nicht ganz. Es gibt B\u00e4uerinnen und Bauern, die bewusst auf das Geld aus Br\u00fcssel verzichten, damit sie als \u201efreie Bauern\u201c auf ihren \u00c4ckern und Wiesen machen k\u00f6nnen, was sie f\u00fcr sinnvoll halten. Auch wenn das durch das Subventionsraster f\u00e4llt. Manche lassen sich nur ein paar Fl\u00e4chen aus der Subvention herausrechnen, einige wenige aber auch den ganzen Hof. Was sie in Kauf nehmen, ist eine harsche Wettbewerbsverzerrung. Kompensierbar nur, wenn die Kundinnen und Kunden f\u00fcr die Produkte ab Hof deutlich mehr bezahlen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon vor Jahren hat mir Sepp Braun in Freising erkl\u00e4rt, dass er Baumhecken zwischen seine \u00c4cker gepflanzt hat, weil das besser f\u00fcr die Felder ist, Schutz vor Klimakapriolen bietet und die Biodiversit\u00e4t f\u00f6rdert. Wird aber von Br\u00fcssel bestraft: die Baumstreifen werden herausgerechnet aus der Subvention. \u201eMacht nix\u201c, hat der als Deutschlands Regenwurmbauer bekannte Sepp gesagt: \u201eIch kann nicht immer warten, bis die Politik was begriffen hat!\u201c Und jetzt habe ich im Wendland einen Hof besucht, der schon seit Jahren ganz auf die Subventionen verzichtet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-959\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>&#8222;Freie Bauern&#8220; ziehen freilebende Schweine auf: Auf dem Hutewaldhof leben die Angler-Sattelschweine das ganze Jahr im Freiland. St\u00e4lle gibt es nicht, nur kleine Schutzh\u00fctten. | Alle Fotos: Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hochwertige Nische<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der <a href=\"https:\/\/hutewaldhof.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hutewaldhof<\/a> liegt im Weiler Riskau bei Dannenberg an einem eher sandigen H\u00fcgelr\u00fccken unweit der T\u00e4ler von Elbe und Jeetzel. Der Hof ist sehr klein, gerade mal zehn Hektar Land werden bewirtschaftet von der Betriebsleiterin Kathrin Ollendorf, ihrem Partner Holger Linde und zwei Mitarbeitern. Fast jeder Landwirt w\u00fcrde wohl sagen, dass ein Betrieb mit dieser winzigen bewirtschafteten Fl\u00e4che nicht mal im Nebenerwerb \u00fcberlebensf\u00e4hig w\u00e4re. Es sei denn vielleicht in einer landwirtschaftlichen Nische mit ganz besonderen Produkten. Und so ist das auch: das Produkt ist hochwertiges Schweinefleisch, dass es bis in die Gourmetk\u00fcche geschafft hat. Wie der Name schon sagt, werden auf dem Hutewaldhof Tiere gehalten, die auch in den betriebseigenen Wald d\u00fcrfen: Angler-Sattelschweine, eine Rasse von der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Nutztiere. Ich habe den Hof, der zum Verbund der <a href=\"https:\/\/www.archezentrum-amt-neuhaus.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Arche-H\u00f6fe<\/a> geh\u00f6rt, hier schon einmal <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/artgerecht-in-den-tod\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">vorgestellt<\/a>, als es um die Afrikanische Schweinepest ging, denn auf dem Hutewaldhof leben die Tiere ganzj\u00e4hrig in Freilandhaltung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daf\u00fcr werden die Ackerfl\u00e4chen in Parzellen geteilt und diese mit unterschiedlichen Futterpflanzen einges\u00e4t, die dann sp\u00e4ter von den Schweinen selbst geerntet werden. Dabei graben die Schweine die Felder um und d\u00fcngen sie gleich, sodass danach im Prinzip nur noch geeggt und neu einges\u00e4t werden muss. Genau mit dieser Art der dynamischen Freilandhaltung begann f\u00fcr Kathrin Ollendorf und Holger Linde die Auseinandersetzung mit den Kontrolleuren, die \u00fcber die korrekte Verwendung der EU-Subventionen wachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Durchs Subventionsraster gefallen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 2010er Jahren, als die Beiden noch EU-Subventionen beantragt haben, wurde die Satteliten\u00fcberwachung der Landwirtschaftsfl\u00e4chen auf eine Genauigkeit von einem Quadratmeter umgestellt. Das f\u00fchrte einerseits dazu, dass damals viele europ\u00e4ische Landwirte noch schnell ein paar Wegr\u00e4nder weggepfl\u00fcgt, ein paar Hecken geschleift und ein paar Waldr\u00e4nder verlegt haben, um ihre Fl\u00e4chen gr\u00f6\u00dfer zu machen und mehr zu kassieren. Andererseits behinderte das Landwirte, deren Wirtschaftsweise nicht ins Schema passte. Wer seine \u00c4cker mit Hecken klimaresilienter machte, sich mit bepflanzten Wegr\u00e4ndern um die Artenvielfalt k\u00fcmmerte, konnte daf\u00fcr dann nur noch Sondermittel beantragen und musste sich daf\u00fcr an neue Richtlinien halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eF\u00fcr uns war die Folge, dass wir niemals mehr die vollen Subventionen bekamen\u201c, sagt Kathrin Ollendorf. Jedes Jahr gab es mindestens ein Viertel, manchmal auch ein Drittel weniger, als dem Betrieb f\u00fcr seine Fl\u00e4che zugestanden h\u00e4tte. \u201eUnd jedes Jahr hatten wir die Kontrolleure auf dem Hof.\u201c Das lag einerseits an ihrer Wirtschaftsweise. Die Betriebsleiterin h\u00e4tte zu einem Stichtag im Fr\u00fchjahr genau wissen m\u00fcssen, welche Feldfr\u00fcchte genau zu einem Stichtag im Juli auf welcher Fl\u00e4che stehen werden. \u201eDas geht aber bei uns nicht\u201c, sagt sie, \u201edenn das h\u00e4ngt von der Witterung und der Gr\u00f6\u00dfe der W\u00fcrfe unserer Sauen ab. Haben wir viele Schweine, sind die Parzellen schneller leergefressen. Dann wird neu einges\u00e4t, auch wenn es noch nicht Juli ist.\u201c Damit stimmt die Feldfrucht nicht mehr mit dem Subventionsantrag \u00fcberein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch mit der quadratmetergenauen Abrechnung gab es immer wieder Probleme, sagt Kathrin Ollendorf: \u201eHaben die Schweine am Zaun ein Loch gegraben, setze ich einen Pfahl vom Elektrozaun halt einen Meter weiter. Die Schweine k\u00f6nnen weiter w\u00fchlen und sie bleiben dennoch im Gehege.\u201c Aber die Fl\u00e4che hat sich ver\u00e4ndert. Das sieht der Satellit und das gibt Abz\u00fcge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Naturschutz wird mit Subventionsabzug bestraft. In einem Fr\u00fchjahr bemerkten die Hutewaldhofer auf einer Fl\u00e4che, die eigentlich von den Schweinen abgeerntet werden sollte, zwei Nester von Feldlerchen. Das ist eine der Offenlandvogelarten, die durch die \u00fcbliche intensive Bewirtschaftung von Wiesen im Bestand stark zur\u00fcckgegangen ist und die inzwischen auf der Roten Liste steht. \u201eAlso\u201c, sagt Agrar\u00f6kologin Kathrin Ollendorf, \u201ehabe ich einen zwanzig Meter breiten Streifen f\u00fcr die Lerchen ausgez\u00e4unt und die Schweine da nicht draufgelassen.\u201c Dann kamen die Kontrolleure und verlangten, dass sie den Streifen noch m\u00e4hen solle, weil der sonst nicht bewirtschaftet war in diesem Jahr und also nicht bezuschusst werden k\u00f6nne. \u201eEs war inzwischen November\u201c, erz\u00e4hlt Kathrin Ollendorf, \u201eund ich wusste, in dem hohen Bewuchs dort leben hunderte Spinnen und es \u00fcberwintern da tausende K\u00e4ferlarven und Schmetterlingsraupen. Und warum sollte ich das m\u00e4hen. Wir brauchten das Futter nicht.\u201c Sie hat den Kontrolleuren angeboten, \u00fcber den Streifen zu gehen und ihnen das zu zeigen. Das interessierte aber nicht; die Subvention wurde gestrichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chste unliebsame Erfahrung verursachte ein Beh\u00f6rdencomputer. Durch einen Fehler war pl\u00f6tzlich eine der Fl\u00e4chen als Dauergr\u00fcnland deklariert. Das bedeutete, die Beiden h\u00e4tten dort nie mehr ackern und etwas anderes als Gras s\u00e4hen d\u00fcrfen. Es dauerte fast ein Jahr und f\u00fcllte einen Ordner mit Briefverkehr, bis das Amt eingesehen hatte, dass der Fehler nicht beim Hutewaldhof lag.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"680\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HutewaldhofKathrin1-1024x680.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1183\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HutewaldhofKathrin1-1024x680.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HutewaldhofKathrin1-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HutewaldhofKathrin1-768x510.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HutewaldhofKathrin1-1536x1020.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HutewaldhofKathrin1-2048x1360.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Kleinen sind besonders anh\u00e4nglich und verspielt: Kathrin Ollendorf mit halbw\u00fcchsigen Schweinen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Freie Bauern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einigen Jahren Hickhack hatten die beiden Hutewaldhofer dann genug davon. Sie beschlossen, aus dem System der EU-Subventionen auszusteigen. Es waren gerade gute Jahre, ihr Schweinebestand wuchs, die Nachfrage auch. Sie hatten inzwischen ein Sternerestaurant als Kunden, das seine Schweineschinken bei ihnen und nicht mehr in Spanien kaufte. \u201eIch habe dann die sowieso immer gek\u00fcrzten Subventionen in Schweine umgerechnet und es stellte sich raus: das sind drei oder vier Schweine mehr, die wir gro\u00dfziehen m\u00fcssen\u201c, sagt Kathrin Ollendorf. \u201eWir k\u00f6nnen so rechnen, weil wir ein so kleiner Betrieb sind. Und weil wir so gute Kunden haben, dass wir auf die Subventionszahlung nicht angewiesen sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie starteten noch einen letzten Versuch, indem sie versuchten, einen sogenannten Kulturcode zu ergattern. Das ist ein Code, der dem Landwirtschaftsamt signalisiert, dass da auf einer Fl\u00e4che eine besondere Form von Landwirtschaft betrieben wird, die generell f\u00f6rderungsw\u00fcrdig ist. Die Freilandhaltung von bedrohten Nutztierrassen scheint nicht darunter zu fallen, denn der Hutewaldhof bekam den Kulturcode nicht. Und damit war Schluss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Hutewaldhof erh\u00f6hte die Preise und verlor dabei das Gourmetrestaurant als Kunden. Die anderen Kundinnen und Kunden aber blieben. \u201eWir haben das erkl\u00e4rt und alle haben das eingesehen\u201c, sagt Kathrin Ollendorf. Als dann die trockenen Jahre kamen und ihre Sauen sich dem Klima anpassten und viel weniger Ferkel warfen, mussten sie die Preise noch einmal erh\u00f6hen; und auch das machten ihre Abnehmer mit. Nur um das mal am ber\u00fchmten Schweinnackensteak vorzuf\u00fchren, mit dem sich die Discounter trotz aller Billigfleischdebatten immer weiter unterbieten: Bei Lidl kostet das Kilo in dieser Woche elf Prozent weniger als zuvor: 5,79 Euro. Beim Hutewaldhof steht das Kilo mit 28 Euro in der Preisliste. Wobei die beiden Angebote nur gleich hei\u00dfen, ansonsten aber nicht vergleichbar sind. \u201eWir konnten uns den Subventionsausstieg und die Preiserh\u00f6hung leisten, weil wir klein sind und weil wir in unserem Qualit\u00e4tssegment sehr wenig Konkurrenz haben\u201c, sagt Kathrin Ollendorf. Heute sind sie froh, dass sie sich das geleistet haben. \u201eEs war auch ein Gef\u00fchl der Befreiung! Nicht, dass wir es gefeiert h\u00e4tten, aber pl\u00f6tzlich f\u00fchlten wir uns wieder als Freie Bauern. Wir konnten wieder tun, was gut und richtig war, ohne schlechtes Gewissen wegen irgendwelcher Abweichungen vom Subventionsantrag.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Bodengare-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1191\" width=\"333\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Bodengare-1.jpg 481w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Bodengare-1-300x180.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/><figcaption>Bodengare: Wenn die Bauern f\u00fcr den Aufbau von Humus im Boden subventioniert w\u00fcrden, w\u00e4re das aktiver Klimaschutz, denn damit w\u00fcrde der Kohlenstoff aus der Luft in den B\u00f6den gespeichert.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Humusaufbau subventionieren!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch den Ausstieg aus den EU-Subventionen hat der Hutewaldhof, neben den h\u00f6heren Preisen, die verlangt werden m\u00fcssen, noch einen gravierenden Nachteil: Er kann nicht wachsen. Es g\u00e4be noch Fl\u00e4chen vom elterlichen Hof Holger Lindes, die zu \u00fcbernehmen w\u00e4ren. Zum Beispiel um dort Lupinen und anderes Futter anzubauen, mit dem die Schweine versorgt werden, wenn es auf den Fl\u00e4chen, die sie selbst abernten, zu knapp wird. Wenn diese Fl\u00e4chen aber in den Hof integriert werden, selbst wenn sie nur gepachtet werden, fallen sie aus der Subvention. Es ist deshalb g\u00fcnstiger, andere Landwirte die \u00c4cker bewirtschaften zu lassen und ihnen das Futter abzukaufen. Das widerspricht eigentlich der Philosophie des Hofes, der m\u00f6glichst alles N\u00f6tige selbst erwirtschaften will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch deshalb haben sich die Beiden Gedanken dar\u00fcber gemacht, wie die EU-Subventionen sinnvoll umzubauen w\u00e4ren. Was sie gerne gef\u00f6rdert w\u00fcssten, das w\u00e4ren erstens die Arbeitskr\u00e4fte gerade bei den Betrieben, die nicht alles maschinenbasiert machen k\u00f6nnen. \u00d6kologisch wirtschaftende oder in kleinr\u00e4umigen Kulturlandschaften arbeitende Betriebe brauchen oft mehr Arbeitskr\u00e4fte. Wenn das subventioniert w\u00fcrde, w\u00e4re den Betrieben und der Gesellschaft und der Umwelt geholfen. Auch die Anschubf\u00f6rderung von neuen Betriebszweigen k\u00f6nnten EU-Subventionen leisten, den Ausbau vom Hofladen, den Aufbau einer K\u00e4serei, oder das Ausprobieren neuer Feldfr\u00fcchte. Naturschutzma\u00dfnahmen mit bleibendem Charakter w\u00e4ren Punkt drei des Vorschlagskatalogs, also nicht Bl\u00fchstreifen, sondern Hecken und dauerhaft bepflanzte Wegr\u00e4nder. \u201eUnd das nicht nur da, wo der Landschaftsplaner eine sogenannte Gebietskulisse als besonders wertvoll erachtet\u201c, sagt Kathrin Ollendorf. \u201eNein,\u201c sagt sie, \u201ewir brauchen heute alles, um unsere Mitgesch\u00f6pfe zu retten und deshalb soll jeder, der das machen will, unterst\u00fctzt werden.\u201c Und dann hat sie da noch eine radikale Idee in Sachen Klimawandel: \u201eLasst uns die herk\u00f6mmlichen Subventionen streichen und das Geld in den Humusaufbau stecken. Jeder, der mehr Humus aufbaut in seinen B\u00f6den, sollte eine ordentliche Zahlung daf\u00fcr bekommen. Das w\u00fcrde die Wirtschaftsweise sehr in Richtung Nachhaltigkeit verschieben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Spatenprobe-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1194\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Spatenprobe-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Spatenprobe-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Spatenprobe-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Spatenprobe-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Spatenprobe-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Spatenprobe auf einem Bioacker: Wie sieht es unter unseren F\u00fc\u00dfen aus, wenn der Bauer sich um den Humusaufbau k\u00fcmmert? Das Ergebnis ist ein kr\u00fcmeliger, gut durchwurzelter Boden voller Leben.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und, um das nochmal zu sagen: Die Landwirtschaft k\u00f6nnte so vom Klimas\u00fcnder zum Klimaretter werden. Das war genau das, was die Franzosen bei der Klimakonferenz 2015 als <a href=\"https:\/\/www.4p1000.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vier-Promille-Initiative<\/a> vorstellten: W\u00fcrden wir auf allen landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen der Erde ein paar Jahre lang jedes Jahr vier Promille mehr Humus aufbauen, w\u00e4re der jeweilige Jahresaussto\u00df an menschgemachten Klimagasen im Kohlenstoff des Humus\u2018 im Boden versenkt. Deutschland hat die Initiative mit gezeichnet. Aber was taugen schon Beschl\u00fcsse von Klimagipfeln? Statt Humus aufzubauen, ist auch auf unseren \u00c4ckern weiter durch Erosion Humus verloren gegangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jede landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4che in der Europ\u00e4ischen Union ist subventioniert. Jede? Nein, nicht ganz. Es gibt B\u00e4uerinnen und Bauern, die bewusst auf das Geld aus Br\u00fcssel verzichten, damit sie als \u201efreie Bauern\u201c auf ihren \u00c4ckern und Wiesen machen k\u00f6nnen, was sie f\u00fcr sinnvoll halten. Auch wenn das durch das Subventionsraster f\u00e4llt. 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