{"id":1741,"date":"2022-05-19T08:00:00","date_gmt":"2022-05-19T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/?p=1741"},"modified":"2022-05-19T15:58:18","modified_gmt":"2022-05-19T13:58:18","slug":"das-weltweite-schweinesystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/das-weltweite-schweinesystem\/","title":{"rendered":"Das weltweite Schweinesystem"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"583\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweineschnauze-MartinaBerg-1-1024x583.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1749\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweineschnauze-MartinaBerg-1-1024x583.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweineschnauze-MartinaBerg-1-300x171.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweineschnauze-MartinaBerg-1-768x437.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweineschnauze-MartinaBerg-1-1536x874.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweineschnauze-MartinaBerg-1-2048x1165.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Ein Welt fressendes System: Seit das lokale Hausschwein zum globalen Industrieprodukt wurde, zerst\u00f6rt es Natur, M\u00e4rkte und Existenzen. | Foto: Martina Berg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Zwei aktuelle Sachb\u00fccher besch\u00e4ftigen sich mit dem, was wir aus dem Schwein gemacht haben, nachdem wir es vor rund zehntausend Jahren zu uns nahmen und aus Sus scrofa, dem Wildschwein, Sus scrofa domesticus wurde, das Hausschwein. Beide B\u00fccher zeigen sehr viel auch \u00fcber eine ganz andere Spezies, n\u00e4mlich Homo sapiens, den \u201edenkenden Menschen\u201c. Und dar\u00fcber, was wir mit unserem Denkapparat anstellen beim Umgang mit Tieren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das erste der beiden B\u00fccher habe ich im vorhergehenden Blog vorgestellt. Es ist ein pers\u00f6nlicher <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/das-unsichtbare-schwein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Blick des Autors auf das Mitgesch\u00f6pf Schwein,<\/a> das er eigentlich nie zu Gesicht bekommen sollte. Das globale Massenschwein ist n\u00e4mlich unsichtbar; es lebt weggesteckt, au\u00dferhalb unseres Blickfeldes.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\" style=\"font-style:normal;font-weight:600\">Pig Business<\/h2>\n\n\n\n<p>Das zweite der beiden aktuellen \u201eSchweineb\u00fccher\u201c ist schon im Ansatz das politischere. Der Untertitel macht das klar: \u201e<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/index.php?cl=details&amp;libriid=A42713626&amp;listtype=search&amp;searchparam=Pig%20Business\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vom Hausschwein zum globalen Massenprodukt<\/a>\u201c. Hier geht es einerseits um eine Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des Hausschweins, andererseits um die Industrie, die sich das Tier einverleibt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon im Vorwort listet Franz-Theo Gottwald, Professor f\u00fcr Bio- und Umweltethik, eine Reihe von Forderungen auf, die den \u201eeindeutig nicht nachhaltigen Weg vom Hausschwein zum internationalen Fleischimperium\u201c beenden k\u00f6nnten. Das Buch erlaube den Leserinnen und Lesern \u201edas Schwein als Mitgesch\u00f6pf wahrzunehmen und eine neue wertsch\u00e4tzende Haltung seinen Erzeugnissen gegen\u00fcber aufzubauen, die man selbst m\u00f6glicherweise weiterhin genie\u00dfen will.\u201c Es gehe um Bewusstseinsbildung und letztlich darum, \u201ein Kenntnis des historischen Gewordenseins einer Industrie, das eigene Einkaufs- und Essverhalten kritisch zu \u00fcberpr\u00fcfen, um immer wieder bewusst zu w\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hauptautor Rudolf Buntzel hat Jahrzehnte im Evangelischen Entwicklungsdienst gearbeitet und sich um Agrarhandel, Agrar\u00f6kologie und Armutsbek\u00e4mpfung im S\u00fcden unseres Planeten gek\u00fcmmert. Das sch\u00e4rft den Blick f\u00fcr Zusammenh\u00e4nge und Abh\u00e4ngigkeiten und hilft auch in Deutschland: \u201eDas Futter aus Brasilien, die Ferkel aus D\u00e4nemark, die Schlachter aus Rum\u00e4nien, die Zuchtlinien vom Weltmarkt und der Fleischexport nach China: Wer will da noch glauben, dass das Schweinefleisch auf unseren Tellern aus regionalen St\u00e4llen stamm?\u201c Will sagen: Selbst, wenn du den Stall ganz in der N\u00e4he hast, aus dem dein Kotelett stammt, ist das Hybridschwein ein internationales Industrieprodukt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"478\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweinefarm-Nordroden-1-1024x478.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1748\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweinefarm-Nordroden-1-1024x478.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweinefarm-Nordroden-1-300x140.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweinefarm-Nordroden-1-768x359.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweinefarm-Nordroden-1-1536x718.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Schweinefarm-Nordroden-1-2048x957.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Teil einer weltweiten Industrie: eine Schweinefabrik. Die Tiere verlassen die St\u00e4lle nur einmal in ihrem Leben, dann, wenn es zu Ende geht. | Foto: Nordroden \/ Dreamstime<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Hybride?<\/h2>\n\n\n\n<p>Sogenannte Hybride \u2013 Tiere oder Pflanzen \u2013 entstehen aus der Kreuzung zweier Inzuchtlinien. Zun\u00e4chst werden die Elterntiere oder -pflanzen so lange durch Inzucht vermehrt, bis die gew\u00fcnschten Eigenschaften verst\u00e4rkt sind. Dabei nimmt man inzuchtbedingte Ausf\u00e4lle in Kauf; also auch Missbildungen und Tote. Dann werden die Elternlinien gekreuzt und es entsteht eine Generation mit verst\u00e4rkten Eigenschaften der beiden Elternlinien, die F1-Generation. Das F steht f\u00fcr filia, lateinisch Tochter. Bei den Nachkommen der F1-Generation geht der gew\u00fcnschte Effekt wieder verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>In j\u00fcngerer Zeit ist das System auf drei Zuchtlinien erweitert worden. \u201eBei der Dreirassenkreuzung werden zwei verbesserte, reine Zuchtrassen gekreuzt; die weiblichen Nachkommen sind dann die Muttersauen der nachfolgenden Zucht. In der zweiten Generation wird dann mit einem Eber einer anderen, dritten Rasse gekreuzt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hier endet das System. Wer weiter zum Beispiel Schweine mit wenig Fettansatz und mehr Koteletts durch verl\u00e4ngerten K\u00f6rperbau und mehr Rippen haben will, muss Ferkel aus der industriellen Zucht nachkaufen. Diese Tiere eignen sich allerdings wenig f\u00fcr die ganzj\u00e4hrige Haltung im Freien, was zwar artgerecht w\u00e4re, aber deutlich robustere Schweine erfordert, als dies die \u00fcblichen Hybridschweine sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Lokale Schweine<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie konnte es so weit kommen? Wie konnte dieses intelligente Tier von seinen nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnissen getrennt, in St\u00e4lle und auf Spaltenb\u00f6den gezwungen und zum Massenprodukt gemacht werden? Das ist die Grundfrage, der das Buch nachgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die zu beantworten, schaut sich Rudolf Buntzel die Geschichte des Hausschweins an. Er berichtet uns, wie aus dem eurasischen Wildschwein das Hausschwein und aus diesem das industrielle Hybridschwein wurde. Und wie dabei aus einem vielfach genutzten und dadurch n\u00fctzlichen Haustier nurmehr Fleischproduktion wurde und somit ein direkter Nahrungskonkurrent des Menschen. Sp\u00e4testens seit dem Krieg in der Ukraine haben das alle gelernt; na gut, sagen wir: viele.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Autor unterscheidet zwischen lokalen Schweinen, globalen Schweinen und b\u00e4uerlichen Schweinen. Wobei die beiden letzteren sich in der Haltungsform weitgehend \u00e4hnlich sind, sich aber in der Menge der in einem Betrieb gehaltenen Masttiere unterscheiden. \u201eDas lokale Schwein dagegen \u2013 auch vielfach als \u201aHinterhofhaltung\u2018 charakterisiert \u2013 ist Teil einer Armuts\u00f6konomie. Die Tiere werden \u201aextensiv\u2018 gehalten, das hei\u00dft ohne gro\u00dfen Aufwand an Kapital, zugekauftem Input oder Vermarktung, aber mit Fl\u00e4chenbindung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der gravierende Unterschied ist hier nicht unbedingt, dass das Hausschwein artgerechter gehalten wird, was vielerorts keineswegs der Fall ist, sondern dass es mehr als nur die Funktion der Fleischproduktion hat. Es vertilgt die K\u00fcchenabf\u00e4lle und Essensreste des Haushalts oder des Dorfes. Es macht aus dem, was die Menschen nicht oder nicht mehr selbst essen k\u00f6nnen, neue Nahrung. \u201eF\u00fcr eine enge Bindung an den Haushalt eignet sich das Schwein hervorragend, deshalb auch seine lange geschichtliche Nutzung und starke Verbreitung unter traditionellen Gesellschaften Europas, Asiens, des Pazifiks und der Karibik. Das Tier ist leicht zu halten, frisst alles, ist \u00e4u\u00dferst fruchtbar, braucht wenig eigenes Land und lebt genie\u00dferisch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Letzteres allerdings nur, wenn man es l\u00e4sst, wenn es raus kann, w\u00fchlen und sich suhlen. Wenn es \u201eDreckschwein\u201c sein darf und selbst entscheiden, wo es hinschei\u00dft und wo es ruht. Das gibt es heute noch in mancher Hinterhofhaltung und heute wieder bei raren Bio- und Arche-Betrieben, die sich der Freilandhaltung verschrieben haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-959\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hutewaldschweine.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Das ist nicht vorgesehen im Pig Business und das gibt es auch in keiner der \u00fcblichen Hinterhofhaltungen: Angler-Sattelschweine in Freilandhaltung mit Waldweide auf dem <a href=\"https:\/\/hutewaldhof.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hutewaldhof<\/a> im Wendland. | Foto: Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Das globale Schwein<\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend in der lokalen Hinterhofhaltung das einzelne Schwein viel Aufmerksamkeit bindet und auch Arbeit macht, ist das globale Schwein einzeln gar nicht denkbar. \u201eObwohl sich dabei alles um das Schwein dreht, interessiert sich doch \u201akein Schwein\u2018 f\u00fcr das Schwein als solches, nur f\u00fcr sein Fleisch. Denn das Tier ist zu einer weltmarktf\u00e4higen Ware geworden. (\u2026) Die Technik der Fleischausbeute ist weltumspannend. Das zerrupfte Tier wird in viele Teile aufgespalten, die in der ganzen Welt herumgereicht werden. Die Gesch\u00f6pfe werden satt gemacht mit Futter von weit her. Die Anlagen, die ganze Stalltechnologie, die Rassen, die Fleischprodukte, alles ist gleich in der internationalen Welt der Nutzschweinhaltung. Ein Tier, ein System, eine Bedrohung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das globale Schweinesystem wird uns gezeigt: die Entwicklung der Konzerne, die Vereinheitlichung der Genetik, die zerst\u00f6rerische Futtermittelindustrie, die das globale Schwein zum \u201eWeltenfresser\u201c macht und seine Produktion zu einer weltumspannenden Industrie.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst in China, wo die h\u00e4usliche Schweinehaltung viel verbreiteter war als bei uns, hat die industrielle Schweinhaltung die der Kleinbauern zerst\u00f6rt. Man k\u00f6nnte auch sagen: gerade in China. \u201eDie Dimension der chinesischen Massenschweinehaltung \u00fcbertrifft in vielen F\u00e4llen noch die Dimensionen, die in Europa gebr\u00e4uchlich sind. Ein mehrst\u00f6ckiges Schweinehotel in Gunxi etwa wird f\u00fcr 30.000 Muttersauen und 840.000 Ferkel ausgebaut. Ein Vorreiter ist die Firma Tianzow Breeding, mit Stallhochbauten im Nordwesten Chinas: Sechs St\u00e4lle mit jeweils sechs Etagen f\u00fcr 20.000 Sauen. Die Tiere werden in mehreren Stockwerken gehalten, mit automatischer Luftzufuhr und W\u00e4rmebildkamera (um Tiere mit erh\u00f6hter Temperatur zu identifizieren). Roboter misten aus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Industrieschweine wird die Welt zerst\u00f6rt, der Handel mit Schweineprodukten zerst\u00f6rt lokale M\u00e4rkte. So viel haben wir gelernt. Das Einzige, was wirklich lokal ist am Schweinemarkt, ist die G\u00fclle. Denn die bleibt, w\u00e4hrend das Fleisch um die Welt reist. Und dass die G\u00fclle lokal ein Problem sein kann, das wissen wir schon.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Tier, ein System \u2013 aber was war mit dem dritten Teil dieser Beschreibung: eine Bedrohung?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/index.php?cl=details&amp;libriid=A42713626&amp;listtype=search&amp;searchparam=Rudolf%20Buntzel%20Pig%20Business\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BuntzelPigBusiness-1-649x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1750\" width=\"318\" height=\"502\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BuntzelPigBusiness-1-649x1024.jpg 649w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BuntzelPigBusiness-1-190x300.jpg 190w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BuntzelPigBusiness-1-768x1211.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BuntzelPigBusiness-1-974x1536.jpg 974w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/BuntzelPigBusiness-1.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 318px) 100vw, 318px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Die Schweinegefahr<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Pandemie k\u00f6nnte uns gelehrt haben, dass die N\u00e4he zu Tieren auch gef\u00e4hrlich sein kann. Bei Covid-19 war es wom\u00f6glich ein Pangolin, dem wir die Seuche verdanken, ein Schuppentier auf jenem inzwischen geschlossenen Tiermarkt in Wuhan. Von ihm k\u00f6nnte das Virus zum Menschen \u00fcbergesprungen sein. Was haben Schuppentiere auf einem Markt verloren? Nichts, sie sind nur Beleg daf\u00fcr, dass China der gr\u00f6\u00dfte Wilderer der Welt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es k\u00f6nnte aber in Zukunft genauso gef\u00e4hrlich werden, wenn auf einem Markt Schweinfleisch gehandelt wird. Das Wort Zoonose d\u00fcrften die meisten von uns im Zusammenhang mit Corona schon mal geh\u00f6rt haben. Es bezeichnet eine Krankheit, die vom Tier auf den Menschen \u00fcberspringt. Deshalb warnt der Tierarzt Rupert Ebner, einer der Ko-Autoren des Buches in einem eigenen Kapitel \u00fcber das epidemische Schwein: \u201eDie Gefahr von Zoonosen ist vor allem dort gegeben, wo der Mensch in engen Kontakt mit Tieren kommt, wie bei der Nutztierhaltung. Je \u00e4hnlicher sich Mensch und Tier sind, desto gr\u00f6\u00dfer das Risiko der Ansteckung. Menschen und Schweine sind sich, was die Organe, das Gewicht und die Ern\u00e4hrung betrifft, sehr \u00e4hnlich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Viren f\u00fchlen sich in Stallungen mit dicht gedr\u00e4ngten Tieren besonders wohl. Hier k\u00f6nnen sie sich ungehindert verbreiten und haben beste Voraussetzungen, neue Mutation auszubilden und auszuprobieren. Und mit dem Fleisch, den Transportbeh\u00e4ltern, den Arbeitern, k\u00f6nnen sie selbst abgeriegelte St\u00e4lle verlassen, aus denen nie ein Schwein herauskommt. Au\u00dfer nat\u00fcrlich zum Schlachter. Und wie gut Schlachth\u00e4user geeignet sind, Viren zu verbreiten, das haben uns Corona und T\u00f6nnies gelehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schweinesystem k\u00f6nnte also am Ende nicht nur f\u00fcr die Schweine t\u00f6dlich sein. Zehn Jahre vor Corona hatten wir ja schon einmal die \u201eSchweinegrippe\u201c. Das Influenzavirus H5N1 breitete sich von Mexiko \u00fcber die USA in die Welt aus und forderte gesch\u00e4tzt 500.000 Menschenleben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Das Neuschwein<\/h2>\n\n\n\n<p>Hugo G\u00f6dde ist ein weiterer Ko-Autor des Buches, Gr\u00fcnder des Vereins Neuland, der die Tierhaltung auf moderne Weise artgerechter machen will und seine Schweine raus l\u00e4sst aus den St\u00e4llen. Er beschreibt die Ans\u00e4tze einer alternativen Schweinewirtschaft in Deutschland. Das Neuland-Schwein, das Bio-Schwein, eigene Metzgereien, eigene Vermarktungswege, Verbraucher, die auf der Suche nach Qualit\u00e4t sind und f\u00fcr Tierwohl mehr zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu dann die Borchert-Kommission, offiziell das \u201eKompetenznetzwerk Nutztierhaltung\u201c, und ihre Vorschl\u00e4ge f\u00fcr einen kompletten Umbau der Tierhaltung in Deutschland. Und schlie\u00dflich der Lebensmitteleinzelhandel mit seinem Tierwohllabel, der nicht mehr warten wollte, bis die Politik in die G\u00e4nge kommt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"549\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/SchweineIberica-Jarcosa-1024x549.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1753\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/SchweineIberica-Jarcosa-1024x549.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/SchweineIberica-Jarcosa-300x161.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/SchweineIberica-Jarcosa-768x412.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/SchweineIberica-Jarcosa-1536x824.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/SchweineIberica-Jarcosa-2048x1098.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Hausschweine stammen vom Wildschwein ab, kommen also aus dem Wald. Und genau dort kann man sie auch artgerecht und erfolgreich halten: Iberica im spanischen Korkeichenwald. Foto: Jarcosa \/ Dreamstime<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eEine gro\u00dfe Anzahl von kleinen, engagierten Initiativen versucht in dem vermachteten System der deutschen und internationalen Schweinwirtschaft zu \u00fcberleben. Sie suchen und haben tats\u00e4chlich vereinzelt ihre Marktnischen gefunden, indem sie irgendetwas anders machen, anstatt dem globalen Schwein hinterherzulaufen. Die Tierhaltung unter den Bedingungen der biologischen Landwirtschaft und Neuland sind aber mehr als singul\u00e4re Korrekturen an der einen oder anderen Stelle. Sie bieten eine Alternative zur ganzen Wertsch\u00f6pfungskette. (\u2026) Das Tier als Gesch\u00f6pf und nicht nur als m\u00f6glichst billiger Fleischlieferant kommt wieder in den Blick.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Die Marktlogik<\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich das lese und dar\u00fcber schreibe, erscheinen die aktuellen DLG-Mitteilungen, das Monatsmagazin der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. In der Rubrik \u201eMarkt\u201c geht es dort um Schweinefleisch. Der Titel des Beitrags: \u201eAlternativen zu China gesucht\u201c. Und darum geht es: \u201eIn China geht der Wiederaufbau der durch die ASP (ASP = Afrikanische Schweinepest) ausged\u00fcnnten Schweineherden rasant voran. In der Folge schrumpfen die Fleischzuk\u00e4ufe zusammen. Das setzt gro\u00dfe Anbieter wie die EU unter Zugzwang, neue Absatzm\u00e4rkte zu erschlie\u00dfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die marktlogische \u00dcberlegung hinter dem letzten Satz: Wenn der Weltmarkt weniger Schweinefleisch haben will, steigt der Kostendruck f\u00fcr die heimischen Schweinem\u00e4ster. Und das muss mit neuen Absatzm\u00e4rkten geheilt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wollten wir nicht mehr Tierwohl? Und also weniger Schweine pro Stallplatz. Wollten wir die Tierhaltung nicht umbauen? Und also die Schweine rauslassen aus den St\u00e4llen. Wollten wir nicht mehr bezahlen f\u00fcr gute Qualit\u00e4t? Und also aufh\u00f6ren mit diesem Schweinesystem.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch, das alles wollten wir! Das sagen wir Verbrauchrinnen und Verbraucher mehrheitlich in allen Umfragen. Das hat die Zukunftskommission Nutztierhaltung, die \u201eBorchert-Kommission\u201c in ihr Abschlusspapier geschrieben. Das hat der Bundeslandwirtschaftsminister sich als Planungsziel vorgegeben. Nur, das haben die sogenannten Marktteilnehmer offenbar noch nicht begriffen. \u201eDas Tier als Gesch\u00f6pf\u201c ist eben noch immer nicht im Blick. Umso notwendiger die beiden in dieser und <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/das-unsichtbare-schwein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">in der vorherigen Kolumne<\/a> besprochenen B\u00fccher \u2026<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Hier die Verlagsseite zu <a href=\"https:\/\/www.oekom.de\/buch\/pig-business-9783962383442\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rudolf Buntzel: Pig Business. Vom Hausschwein zum globalen Massenprodukt<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Hier die Verlagsseite zu <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/saugut-und-ein-wenig-wie-wir\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kristoffer Hatteland Endresen: Saugut \u2013 und ein wenig wie wir. Eine Geschichte \u00fcber das Schwein<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Und in der n\u00e4chsten Woche gehen wir an dieser Stelle einer weiteren Schweinefrage nach, die mit dem Weltmarkt und dem industriellen Schweinesystem zu tun hat: Warum wir die Afrikanische Schweinepest nicht in den Griff bekommen und was das f\u00fcr die Schweine bedeutet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei aktuelle Sachb\u00fccher besch\u00e4ftigen sich mit dem, was wir aus dem Schwein gemacht haben, nachdem wir es vor rund zehntausend Jahren zu uns nahmen und aus Sus scrofa, dem Wildschwein, Sus scrofa domesticus wurde, das Hausschwein. Beide B\u00fccher zeigen sehr viel auch \u00fcber eine ganz andere Spezies, n\u00e4mlich Homo sapiens, den \u201edenkenden Menschen\u201c. 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