{"id":2342,"date":"2023-03-16T08:00:00","date_gmt":"2023-03-16T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/?p=2342"},"modified":"2023-03-13T14:22:53","modified_gmt":"2023-03-13T13:22:53","slug":"orangen-ab-hof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/orangen-ab-hof\/","title":{"rendered":"Orangen ab Hof"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"679\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenbaum-HansPixabay-1024x679.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2345\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenbaum-HansPixabay-1024x679.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenbaum-HansPixabay-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenbaum-HansPixabay-768x509.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenbaum-HansPixabay-1536x1019.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenbaum-HansPixabay.jpg 1906w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die beiden Fr\u00fcchte rechts im Bild d\u00fcrften schon mal keine Chance haben, einen deutschen Supermarkt zu erreichen, ganz egal, wie sie schmecken: Flecken und Verf\u00e4rbungen auf der Schale sind Ausschlusskriterien. | Foto: Hans \/ Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie kauft man eigentlich klimabewusst gesundes Obst ein, wenn es das bei uns gerade gar nicht gibt? Im zeitigen Fr\u00fchjahr, wenn vom hiesigen Obst kaum die Bl\u00fcten zu sehen sind. Wo bleibt dann das Mantra von den regionalen Lebensmitteln? Im Supermarkt und im Bioladen gibt es \u00c4pfel aus regionalem Anbau. Die aber sind nun schon monatelang in technisch produzierter K\u00fchlatmosph\u00e4re gelagert und tragen einen \u00e4hnlichen CO2-Rucksack wie die importierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu habe ich hier im <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/verbotene-frucht-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Blog<\/a> schon einiges gesagt. Aber um \u00c4pfel geht es wohl den wenigsten, die jetzt einkaufen. In der bei uns dunklen Jahreszeit sind die Fr\u00fcchte aus dem globalen S\u00fcden besonders gefragt. Was eigentlich passt, denn zumindest die Orangen und Avocados sind dann auch reif. Dennoch verkauft uns der Handel gerade jetzt unreife Fr\u00fcchte, die oft auch noch chemisch behandelt und unfair gehandelt sind. Das zumindest k\u00f6nnen wir \u00e4ndern \u2013 durch direkten Einkauf bei den Bauernfamilien.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Hofladen weltweit<\/h2>\n\n\n\n<p>Direkt vom Hof in Griechenland oder Spanien, oder auch Afrika, in die Kiste und per Post zu uns? Das geht. Wir k\u00f6nnen bei den B\u00e4uerinnen und Bauern im S\u00fcden kaufen und es kommt dann eine Kiste voller Orangen, Clementinen, Ananas oder Avocados, die tats\u00e4chlich f\u00fcr uns geerntet sind. Der gro\u00dfe Unterschied f\u00fcr uns: Die Fr\u00fcchte sind unbehandelte Bioqualit\u00e4t und sie sind reif, wenn sie geerntet werden. Das schmeckt man. Der gro\u00dfe Unterschied f\u00fcr die Bauern: Es gibt feste Abnehmer und feste Preise. Und sie m\u00fcssen keine Fr\u00fcchte mehr wegwerfen, weil sie nicht nach Supermarkt aussehen. Das sichert Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Begonnen hat das Ganze vor fast f\u00fcnfzig Jahren. 1973 taten sich in der Schweiz die \u201eBananenfrauen\u201c zusammen, um im globalen Handel f\u00fcr mehr Gerechtigkeit zu sorgen. Warum kostet eine Kiste Bananen aus \u00dcbersee weniger als eine Kiste Schweizer \u00c4pfel, hatten sie sich gefragt. In den 1980er Jahren gr\u00fcndeten sie die Arbeitsgemeinschaft Gerechter Bananenhandel \u2013 gebana. Etwa zur gleichen Zeit entstand in Deutschland aus der Solidarit\u00e4tsbewegung, die die Revolution in Nicaragua unterst\u00fctzte, die erste unabh\u00e4ngige Fairtrade-Organisation BanaFair. Auch da ging es um Bananen. W\u00e4hrend sich BanaFair als H\u00e4ndler positionierte, der die Superm\u00e4rkte mit fair gehandelten Bananen beliefert, hat sich gebana nach einigen Umwegen auf Direktvermarktung spezialisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Z\u00fcrcher gebana AG k\u00f6nnen wir derzeit im deutschen Online-Shop direkt bei b\u00e4uerlichen Betrieben in Griechenland Clementinen, Orangen oder Grapefruits bestellen. Oder in der T\u00fcrkei getrocknete Aprikosen, in Tunesien Datteln, in der Dominikanischen Republik Bananen, in Italien Tomaten-Passata. Alles bio, versteht sich. \u201eWeltweit ab Hof\u201c ist das Motto von gebana.<\/p>\n\n\n\n<p>Und der klimasch\u00e4dliche Transport? Es kommt darauf an, wie man ihn organisiert. Wenn nicht geflogen wird und die Schiffe langsam fahren, sinkt der CO2-Rucksack betr\u00e4chtlich. Das hat mir schon vor \u00fcber zehn Jahren der Nachhaltigkeitsbeauftragte einer gro\u00dfen Kaffeemarke erkl\u00e4rt. Die charterte damals schon ganze Schiffe, damit sie bestimmen konnte, dass die Schiffe keine Terminware an Bord haben und langsamer fahren. Was zwei Drittel des Treibstoffs einspart.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Kunde nicht K\u00f6nig<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn wir nun also im Winter und im zeitigen Fr\u00fchjahr S\u00fcdfr\u00fcchte kaufen wollen \u2013 was tun wir dann? Wir klicken im Online-Shop zum Beispiel auf Orangen, k\u00f6nnen dann w\u00e4hlen, wann sie geliefert werden sollen \u2013 und stellen fest: Oh, die haben wir gar nicht zum gew\u00fcnschten Termin \u2013 sagen wir an Weihnachten. Die kommen fr\u00fchestens im Januar.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"570\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/gebana-SandraDuetschler-1024x570.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1256\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/gebana-SandraDuetschler-1024x570.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/gebana-SandraDuetschler-300x167.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/gebana-SandraDuetschler-768x428.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/gebana-SandraDuetschler-1536x856.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/gebana-SandraDuetschler.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dass die Fr\u00fcchte am Baum anders aussehen, als die im Supermarkt \u201em\u00fcsste eigentlich jeder wissen, der schon mal einen Apfelbaum gesehen hat&#8220;, sagt Sandra D\u00fctschler. Und liefert die Fr\u00fcchte wie gewachsen. | Foto: privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eJa\u201c, sagt Sandra D\u00fctschler, die Kommunikationschefin von gebana in Z\u00fcrich, \u201edas liegt daran, dass die Fr\u00fcchte geerntet werden, wenn sie reif sind.\u201c Und dann erz\u00e4hlt sie eine Anekdote aus der Schweiz. Dort ist der Nikolaustag ein wichtiges Fest und die Verbraucherinnen und Verbraucher sind so konditioniert, dass es zu diesem Festtag unbedingt Clementinen geben muss. \u201eDann rufen sie an und fragen, wo ihre Clementinen bleiben. Die sind aber halt nicht jedes Jahr p\u00fcnktlich zum Nikolaustag reif. Und das m\u00fcssen die Konsumenten dann halt lernen. Wir sagen ja auch: Wir \u00e4ndern die Regeln des Handels! Und eine dieser Regeln ist, dass eben nicht alles zu jeder Zeit verf\u00fcgbar ist. \u00dcblicherweise hei\u00dft es ja immer: Der Kunde ist K\u00f6nig, und man macht alles, was der Kunde will. Wir sagen: Nein, die Natur ist K\u00f6nigin. Die Kundin kann gar nicht K\u00f6nigin sein, weil sie ja gar nicht wei\u00df, wann in Griechenland die Clementinen oder die Orangen reif sind und wann sie also bei ihr sein k\u00f6nnen. Wir betr\u00fcgen die Konsumenten aber auch nicht, indem wir ihnen unreife Fr\u00fcchte liefern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Supermarktkunden sind allerdings anders erzogen. Wir k\u00f6nnen ab Herbst jederzeit angeblich frische Orangen kaufen, mit makelloser Schale in leuchtendem Orangegelb. Was die wenigsten von uns wissen: Wie diese Orangen zugerichtet wurden. Sie werden geerntet, wenn sie noch gar nicht reif sind, weil sich unreife Fr\u00fcchte ohne Zeitdruck transportieren lassen und sie in Klimakammern f\u00fcr den Einzelhandel passgenau nachgereift werden k\u00f6nnen. Zuerst werden sie nach Gr\u00f6\u00dfe und Sch\u00f6nheit sortiert. Etwa ein Drittel der Ernte wird aussortiert, weil die Fr\u00fcchte nicht so aussehen, wie der Lebensmittelhandel das will. Nach der unsanften Behandlung in der Klimakammer werden noch einmal die aussortiert, die dadurch Schaden genommen haben. Und der Rest kommt dann in ein Seifenbad, wird mit Fungiziden gegen Pilzbefall behandelt und anschlie\u00dfend mit einer Wachsschicht versehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Wie gewachsen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer einmal Orangen am Baum gesehen hat, sollte wissen, dass die Orangen in der Realit\u00e4t anders aussehen als die im Supermarkt. Sie sind unterschiedlich gro\u00df, unterschiedlich gef\u00e4rbt und haben auch mal Schrunden und Narben in der Haut. Natur eben. \u201eDas m\u00fcsste eigentlich jeder wissen, der schon mal einen Apfelbaum gesehen hat, der Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. Die meisten von denen sehen auch ganz anders aus, als die \u00c4pfel im Supermarkt\u201c, sagt Sandra D\u00fctschler. Wenn die gebana-Kiste kommt, dann befinden sich darin gro\u00dfe und kleine Fr\u00fcchte in unterschiedlichen Formen und Farben. Das unterscheidet sie von den S\u00fcdfr\u00fcchten im Supermarkt, am st\u00e4rksten aber ist der Unterschied im Geschmack.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die B\u00e4uerinnen und Bauern in den Plantagen des S\u00fcdens bedeuten die makellos aussehenden Fr\u00fcchte in unseren Superm\u00e4rkten noch mehr: Sie m\u00fcssen bis zu einem Drittel ihrer Ernte entsorgen, weil sie den optischen Qualit\u00e4tskriterien der Supermarktketten nicht gen\u00fcgen. Wo es keinen Zugang zu Saftherstellern gibt, bedeutet das Lebensmittelvernichtung direkt ab Baum.<\/p>\n\n\n\n<p>Die direkt gehandelten Fr\u00fcchte sind dagegen reif geerntet und unbehandelt. \u00dcbrigens: \u201eKleine Orangen schmecken meiner Erfahrung nach s\u00fc\u00dfer und besser als gro\u00dfe,\u201c sagt die griechische B\u00e4uerin Olga Aggelena in einem Film im gebana-Blog. Ich kann das best\u00e4tigen. In meiner ersten, im vorvergangenen Jahr direkt in Sizilien gekauften Kiste Orangen, waren auch die kleineren die besten. Wer nur im Supermarkt kauft, erf\u00e4hrt davon gar nichts.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenstand-RosanaWikimedia-1024x681.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2351\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenstand-RosanaWikimedia-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenstand-RosanaWikimedia-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenstand-RosanaWikimedia-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenstand-RosanaWikimedia-1536x1021.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Orangenstand-RosanaWikimedia.jpg 1540w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Orangenstand anderswo: Vom H\u00e4ndler ausgesuchte Fr\u00fcchte in Marokko &#8211; und doch nicht alle ebenm\u00e4\u00dfig gleich gro\u00df und ohne Schrunden. | Foto: Rosana \/ Wikimedia<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Kisten mit den Fr\u00fcchten kommen allerdings nicht ganz so direkt zu uns, wie das eigentlich sein k\u00f6nnte. Die Orangen, um bei denen zu bleiben, werden von den B\u00e4uerinnen und Bauern in Griechenland reif geerntet und in Kisten gepackt, dann aber nicht direkt zur Post gebracht. \u201eDas geht nicht, weil die Post auch in Europa noch nicht in der Lage ist, reife Fr\u00fcchte in angemessener Zeit zu transportieren\u201c, sagt Sandra D\u00fctschler. Also holt gebana die Kisten ab und transportiert sie in die Schweiz und nach Deutschland. Dort bekommen sie einen Deckel und einen Adressaufkleber und dann erst gehen sie zur Post.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Weltweite Direktvermarktung<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch <a href=\"https:\/\/www.gebana.com\/de\/\">gebana<\/a> hatte sich, wie die deutsche entwicklungspolitische Organisation <a href=\"https:\/\/www.banafair.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">BanaFair<\/a>, zun\u00e4chst als H\u00e4ndler versucht. Tats\u00e4chlich hatten es auch die Schweizer mit eigenen Fairtrade-Produkten in die Superm\u00e4rkte geschafft. Sehr schnell aber mussten sie dann feststellen, dass die Anforderungen der Lebensmittelketten weder den Bauernfamilien im S\u00fcden noch deren Produkten gerecht werden. \u201eDer Handel sagt uns immer, wenn er eine krumme Gurke neben eine gerade Gurke legt, bleibt die krumme im Regal liegen. Der Handel hat die Leute aber \u00fcber Jahrzehnte so erzogen, dass alle glauben, nur gerade Gurken seien gute Gurken. Und Orangen sind immer orange und gleich gro\u00df und niemals klein und gr\u00fcn. Und weil die Kundinnen und Kunden so konditioniert wurden, sind tonnenweise Fr\u00fcchte unverk\u00e4uflich und werden weggeworfen\u201c, sagt Sandra D\u00fctschler: \u201eDavon m\u00fcssen wir wegkommen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Also hat die gebana AG im S\u00fcden Partner gesucht und, wo diese nicht zu finden waren, Tochterfirmen aufgebaut, die mit den Kleinbauern zusammenarbeiten: in Brasilien, in Burkina Faso, in Togo, in Benin. Die brasilianische Tochter ist 2010 fast pleite gegangen, weil die Bio-Soja der Kleinbauern mit Spuren des Insektizids Endosulfan belastet und deshalb unverk\u00e4uflich war. Das Pestizid, damals in Europa schon verboten, wurde von Bayer in Brasilien an die Gro\u00dfgrundbesitzer verkauft, die auf ihren Riesenfeldern gentechnisch ver\u00e4nderte Soja anbauen. Von dort gelangte das Gift \u00fcber die Luft und den Regen zur Bio-Soja. \u201eChega!\u201c \u2013 Es reicht! So hie\u00df die Protestaktion von gebana und den Kleinbauern, die dazu beitrug, dass der deutsche Chemiekonzern das Insektizid vom Markt nahm. Zwei Jahre sp\u00e4ter wurde es weltweit verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gebana-Tochter in Burkina Faso ger\u00e4t dann 2017 in Schieflage, weil die Mango-Ernte schlecht ausf\u00e4llt und gleichzeitig Cashew knapp ist. Mit einer Crowdfunding-Aktion wurde die Firma gerettet. \u201eUnsere Kunden haben uns Geld gegeben f\u00fcr Mango und Cashew, die wir erst f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter liefern. Das war ein sogenanntes kreatives Finanzierungsinstrument, gewisserma\u00dfen lauter kleine Darlehen, die die Leute vergeben haben\u201c, sagt Sandra D\u00fctschler. Und weil das so gut geklappt hat, wird jetzt via Crowdfunding in Burkina Faso gr\u00f6\u00dfer investiert. Weitere tausend Arbeitspl\u00e4tze auf dem Land sollen aufgebaut und gesichert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Krise ist uns klar geworden, erz\u00e4hlt Sandra D\u00fctschler, \u201edass wir gerade an den Orten, wo es schwierig ist, Firmen aufbauen wollen, die irgendwann eigenst\u00e4ndig wirtschaften. Arbeitspl\u00e4tze m\u00fcssen auch auf dem Land entstehen und die Kleinbauern m\u00fcssen dadurch abgesichert werden, dass sie einen sicheren Zugang zum Markt bekommen. Unser Ziel ist nicht, dass die alle so klein belieben, wie sie jetzt sind. Viele Familien haben ja heute immer noch kaum mehr als einen Hektar Land. Davon k\u00f6nnen sie nicht leben. Es muss schon auch Entwicklung in die b\u00e4uerliche Landwirtschaft, aber sie soll kleinr\u00e4umig bleiben und verschiedene Kulturen anbauen, weil wir gleichzeitig auch auf die Biodiversit\u00e4t achten.\u201c In Tunesien hat das \u00fcbrigens schon geklappt mit der irgendwann eigenst\u00e4ndig wirtschaftenden Firma. Die ehemalige gebana-Tochter dort ist inzwischen ein eigenst\u00e4ndiger Handelspartner nicht nur von gebana.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"922\" height=\"710\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/CrowdFarmingScreenshot.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1257\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/CrowdFarmingScreenshot.jpg 922w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/CrowdFarmingScreenshot-300x231.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/CrowdFarmingScreenshot-768x591.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 922px) 100vw, 922px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Stolzer Post auf der Website der jungen Direktvermarktungsorganisation <a href=\"https:\/\/www.crowdfarming.com\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">CrowdFarming <\/a>aus Spanien, die inzwischen den ganzen S\u00fcden Europas abdeckt und auch Biobauern aus Mitteleuropa im Programm hat.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">Faires Crowdfarming<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch anderswo funktioniert die Idee der Direktvermarktung \u00fcber die Grenzen hinweg. 2017 haben sich in Spanien ein paar Junglandwirtinnen und Junglandwirte zusammengetan und CrowdFarming gegr\u00fcndet. Das ist die Organisation, \u00fcber die ich meine erste Orangenkiste direkt beim Produzenten gekauft habe. Die Organisation ist schnell gewachsen und hat ihr Netzwerk rasch \u00fcber Spanien hinaus gekn\u00fcpft und ein internationales Team aufgebaut. Heute werden Fr\u00fcchte aus dem ganzen S\u00fcden Europas vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2021 hat CrowdFarming seinen ersten \u201e<a href=\"https:\/\/cfcommondata.blob.core.windows.net\/transparency\/de\/DE%20-%20Wirkungs-%20und%20Transparenzbericht.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wirkungs- und Transparenzbericht\u201c<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Darin ist auch zu lesen, dass das Unternehmen noch rote Zahlen schreibt, und auch, auf welche gewaltige Anzahl von Anrufen und Mails das Team in einem Jahr reagieren muss: 204.289 Mails und 33.000 Anrufe waren es 2021. Die Direktvermarktung von einer halben Million Obstkisten von \u00fcber hundert Betrieben hat CrowdFarming innerhalb eines Jahres abgewickelt. Im Vergleich mit gebana ein kleines Unternehmen, aber die Idee der Direktvermarktung \u00fcber die Grenzen hinaus hat deutlich Zuwachs.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem k\u00f6nnte sich CrowdFarming sogar das Etikett \u201eregional\u201c anheften, wenn denn der europ\u00e4ische Binnenmarkt so definiert w\u00fcrde. Es ist ja nicht ausgemacht, was wir, was die Hersteller, was die H\u00e4ndler unter Regionalit\u00e4t verstehen. Die CO2-Bilanz der aus Spanien oder S\u00fcditalien herangekarrten Orangen d\u00fcrfte besser sein, als die der \u00fcber Monate gek\u00fchlt unter Sonderatmosph\u00e4re gelagerten \u00c4pfel aus Deutschland. Immer den \u00fcblichen Energiemix zugrunde gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch eines haben die \u00fcber Grenzen hinweg direkt Vermarktenden auf ihrer Seite: den fairen Preis. In einem <a href=\"https:\/\/www.crowdfarming.com\/blog\/de\/finanzielle-transparenz\/\">Blog<\/a> zum Thema \u201eFinanzielle Transparenz\u201c schreibt Gonzalo \u00darcolo, selbst Landwirt und einer der Mitbegr\u00fcnder von CrowdFarming: \u201eDer Wegfall von Zwischenh\u00e4ndlern f\u00f6rdert den \u00f6kologischen Landbau.\u201c Obwohl: Ist CrowdFarming nicht auch ein Zwischenh\u00e4ndler? Einerseits schon, wenn das Vermitteln von Kontakten als Zwischenhandel gilt, andererseits auch wieder nicht im \u00fcblichen Sinn. \u201eDie Landwirte nutzen crowdfarming.com als Plattform f\u00fcr den Direktverkauf ihrer Lebensmittel. Unser Team unterst\u00fctzt sie in f\u00fcnf Bereichen: Aufbau eines \u00f6ffentlichen Profils, Werbung f\u00fcr ihre Produkte, Entwicklung von Verpackungen, Kundenbetreuung und Versandabwicklung\u201c, schreibt Gonzalo \u00darcolo.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr diese f\u00fcnf Dienstleistungen verlangt CrowdFarming durchschnittlich 22 Prozent des Verkaufserl\u00f6ses. Das klingt viel f\u00fcr die Ohren der meisten von uns Verbraucherinnen und Verbrauchern. Es ist aber ziemlich genau der Rest, der im \u00fcblichen Handelssystem f\u00fcr die Produzenten von Lebensmitteln bleibt. Im Durchschnitt bleiben 22,3 Prozent des Verbraucherpreises der Lebensmittel auf den H\u00f6fen. In den 1970er Jahren war das noch die H\u00e4lfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei CrowdFarming liegt der Verdienst der B\u00e4uerinnen und Bauern noch heute \u2013 oder heute wieder \u2013 bei f\u00fcnfzig Prozent des Endverkaufspreises. Ein Viertel kostet der Transport, drei Prozent kassieren die Finanzdienstleister f\u00fcr die Bezahlung. Wer also will, dass ein angemessener Teil des Preises bei den Produzenten der Lebensmittel bleibt und dass sie ihre Ware nicht wegen kleiner Sch\u00f6nheitsfehler wegwerfen m\u00fcssen, kauft direkt ab Hof. Und dies bei S\u00fcdfr\u00fcchten eben im S\u00fcden, am klimafreundlichsten im S\u00fcden Europas.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur: Was macht man eigentlich mit einer ganzen Kiste Orangen? Kann man die alle nacheinander aufessen? Wenn nicht, dann Saft und Marmelade produzieren Die Orangenmarmelade vorzugsweise mit den Schalen bittesch\u00f6n. Oder man teilt sie mit Freunden. K\u00fchl gelagert halten sich auch die reif geernteten Fr\u00fcchte \u00fcbrigens sehr gut zwei oder drei Wochen lang.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Direkt zur deutschen Seite von <a href=\"https:\/\/www.gebana.com\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">gebana<\/a>. \/ Direkt zur deutschen Seite von <a href=\"https:\/\/www.crowdfarming.com\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">CrowdFarming<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kauft man eigentlich klimabewusst gesundes Obst ein, wenn es das bei uns gerade gar nicht gibt? Im zeitigen Fr\u00fchjahr, wenn vom hiesigen Obst kaum die Bl\u00fcten zu sehen sind. Wo bleibt dann das Mantra von den regionalen Lebensmitteln? Im Supermarkt und im Bioladen gibt es \u00c4pfel aus regionalem Anbau. 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