{"id":2598,"date":"2024-01-04T08:00:00","date_gmt":"2024-01-04T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/?p=2598"},"modified":"2024-01-27T18:20:46","modified_gmt":"2024-01-27T17:20:46","slug":"die-klima-kuh-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/die-klima-kuh-teil-1\/","title":{"rendered":"Die Klima Kuh \/ Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"421\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Weideprojekt-Liethmoor-1024x421.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2605\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Weideprojekt-Liethmoor-1024x421.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Weideprojekt-Liethmoor-300x123.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Weideprojekt-Liethmoor-768x315.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Weideprojekt-Liethmoor-1536x631.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Weideprojekt-Liethmoor-2048x841.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wenn&#8217;s den Highlandern zu warm wird, gehen sie baden: <a href=\"https:\/\/www.robustrinder-lieth.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Beweidungsprojekt Liether Moor<\/a>, betrieben mit schottischen Hochlandrindern von einem Verein, der die Landschaft mit Rindern pflegt. | Foto: Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Die Warnung vorab: Vorsicht, hier handelt es sich um Eigenwerbung! Es geht um mein j\u00fcngstes Buch \u201eDie Klima Kuh\u201c. Es geht aber auch um ein Thema, das uns alle angeht: Die Ehrenrettung der Kuh, die n\u00e4mlich keineswegs \u201eKlimakillerin\u201c ist, sondern ganz im Gegenteil Klimaretterin sein kann. Sie kann also helfen, unsere Zukunft zu sichern. Wenn wir sie nur machen lassen w\u00fcrden, was sie am besten kann: Grasen. Leider ist unser Umgang mit ihr und ihren Produkten alles andere als zukunftsweisend.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor kurzem brauchte ich Griechischen Joghurt, um ein Rezept auszuprobieren. Bei der Herstellung dieser Spezialit\u00e4t l\u00e4sst man die Molke viel l\u00e4nger abtropfen als bei normalem Joghurt. Die Folge ist nur ein Drittel der Menge und ein viel h\u00f6herer Fettgehalt. Im Bioladen gab es aber keinen solchen Abtropfjoghurt mehr. Also stand ich irgendwann vor dem kilometerlangen K\u00fchlregal im Supermarkt und las auf einer Packung Joghurts griechischer Art, dass der in Deutschland hergestellt sei, die Milch daf\u00fcr aber aus der EU stamme. Was f\u00fcr ein verr\u00fccktes Produkt. Wir haben bei der Milch einen Selbstversorgungsgrad von \u00fcber hundert Prozent und importieren zus\u00e4tzliche Milch, um daraus etwas herzustellen, was wir dann griechisch nennen. Na gut: Nach griechischer Art stand auf der Verpackung, sonst h\u00e4tten wir gleich den ganzen Joghurt aus Griechenland importieren m\u00fcssen. Was auch nicht gerade klimafreundlich sein d\u00fcrfte, was aber geschieht. Am Ende legte ich ein Leinentuch in ein Sieb und f\u00fcllte Biojoghurt hinein, der dann sehr sch\u00f6n langsam abtropfen durfte. Home-made Greek style.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Thema Kuh<\/h2>\n\n\n\n<p>Schon wenn man sich nur ein einzelnes Milchprodukt anschaut, kann auffallen, dass unser Umgang mit dem Thema Kuh ein seltsamer ist. Schon deshalb lohnt es sich, da hinzuschauen. Immer wieder und immer noch einmal. Ich habe dieses Mal etwas genauer und l\u00e4nger hingeschaut, weil mich das Narrativ von der Klimakillerin Kuh schon sehr lange irritiert und nach einiger Recherche dann genervt hat. Geworden ist daraus das Buch \u201eDie Klima Kuh\u201c. Keine Angst &#8211; ich werde hier jetzt nicht lange Textpassagen daraus zitieren. Ich m\u00f6chte nur ein wenig zusammenfassen, worum es mir mit dem Buch geht. Der Untertitel umrei\u00dft es schon: \u201eVon der Umwelts\u00fcnderin zur Weltenretterin\u201c. Ich will nicht sagen, dass wir mit K\u00fchen die Welt retten k\u00f6nnten, daf\u00fcr aber k\u00f6nnen wir mit ihrer Hilfe viele kleine Welten retten oder auch neu erschaffen. Kleine Welten, die gleich zwei gro\u00dfe Krisen bek\u00e4mpfen: die Biodiversit\u00e4tskrise und die Klimakrise.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich h\u00f6re die Reaktion: \u201eWie jetzt \u2013 mit Rindern? Die sind es doch gerade, die das Klima kaputtr\u00fclpsen und -pupsen. Die sto\u00dfen doch Methan aus, das bekanntlich vielfach klimawirksamer ist als Kohlendioxid.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp; Ja, das tun die Wiederk\u00e4uer. \u00dcbrigens alle Wiederk\u00e4uer, auch die Giraffen im Kr\u00fcger-Nationalpark und die Gnus in der Serengeti und die Bisons im Yellowstone und die Hirsche hier bei uns. Die wilden Wiederk\u00e4uer haben allerdings nicht den Ruf, Klimakiller zu sein \u2212 unsere Rinder aber schon. Deshalb plant zum Beispiel die irische Regierung in den n\u00e4chsten Jahren rund 200.000 K\u00fche t\u00f6ten zu lassen. Mit dem dadurch eingesparten Methan k\u00f6nnte sie sich dann ihre Klimabilanz sch\u00f6nrechnen. Was aber nichts anderes als ein Buchhaltungstrick w\u00e4re, denn das Methan aus den Rinderm\u00e4gen ist kein klimasch\u00e4dliches Gas. Es ist Teil des nat\u00fcrlichen Methankreislaufes. So wie das von den Gnus, den Giraffen, den B\u00fcffeln ausgesto\u00dfene Methan. Unsere Nutztiere ersetzen nur die Millionen von Grasfressern, die fr\u00fcher die Steppen Europas bev\u00f6lkerten, bevor unsere Vorfahren sie dezimierten oder ausrotteten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0 Das Methan aus der Rinderverdauung w\u00e4re nur klimasch\u00e4dlich, wenn es in der Atmosph\u00e4re davon mehr g\u00e4be als fr\u00fcher. Es gibt aber weniger davon, weil weltweit weniger Rinder gehalten werden als noch vor wenigen Jahren und Jahrzehnten. Und das vor allem in Deutschland. Es machen n\u00e4mlich immer mehr Milchviehbetriebe zu.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"699\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/LindhofMethanmessung-CarstenMalisch-1024x699.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1236\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/LindhofMethanmessung-CarstenMalisch-1024x699.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/LindhofMethanmessung-CarstenMalisch-300x205.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/LindhofMethanmessung-CarstenMalisch-768x524.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/LindhofMethanmessung-CarstenMalisch-1536x1048.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/LindhofMethanmessung-CarstenMalisch-2048x1397.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wieviel Methan pro Liter Milch? Versuchskuh auf dem Lindhof der Uni Kiel. Ergebnis: Weidek\u00fche sind viel besser als die im Stall: Weniger Methan, weniger Ammoniak. Weidek\u00fche sind Klimahelfer! | Foto: Carsten Malisch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Problem Methan<\/h2>\n\n\n\n<p>Das zus\u00e4tzliche Methan in der Atmosph\u00e4re, das das Klima anheizt, stammt nicht von K\u00fchen, sondern aus der Gas- und \u00d6lindustrie, vor allem aus dem Fracking. Das habe ich hier alles schon ausgef\u00fchrt \u2013 im Podcast FFE14 \u201e<a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/ffe14-die-kuh-klima-luege\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Kuh-Klima-L\u00fcge<\/a>\u201c aus dem Oktober 2022 und im zugeh\u00f6rigen Blog. Und dazu gibt es auch ein dickes Kapitel im Buch \u00fcber die Klima-Kuh. Zur Erinnerung hier noch einmal, was die Tier\u00e4rztin und Mitautorin des Weltagrarberichts und Autorin des Buches \u201eDie Kuh ist kein Klimakiller\u201c, Anita Idel, damals sagte: Sie sprach von einer Nebelkerze, einem wunderbar platzierten Mythos, installiert von der \u00d6l- und Gasindustrie, die damit ablenken wollte von ihrem eigenen klimasch\u00e4dlichen Tun. Aral, BP und Co. h\u00e4tten es geschafft, dass beim Thema Methan alle sofort an die Kuh denken und niemand mehr an die eigentlichen Verursacher der Klimakrise. Ist ja auch viel einfacher, einen Bauern daf\u00fcr verantwortlich zu machen. Das erleichtert das Starten des eigenen SUV deutlich. Und wenn man dann noch statt Milch Hafermilch kauft, ist ja auch viel weniger Klimasch\u00e4dliches im Kaffee.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist allerdings Vorsicht geboten. Es k\u00f6nnte das Gegenteil der Fall sein. Die Kuh, die auf die Weide geht, l\u00e4uft n\u00e4mlich nicht mit Diesel. Der Traktor, der den Hafer s\u00e4ht, der mit der Feldspritze dr\u00fcberf\u00e4hrt, der M\u00e4hdrescher, der ihn erntet, aber schon. Und der Kunstd\u00fcnger erst recht. Den wissenschaftlichen Klimavergleich zwischen Hafermilch und Weidemilch gibt es noch nicht. Ich bin aber ziemlich sicher, dass die Weidekuh gewinnt. Und am Ende bleiben von der Hafermilch \u00fcber neunzig Prozent Abfall. So viel Stroh und Spelzen sind am Hafer, die wir Menschen nicht verwerten k\u00f6nnen. Was machen wir damit, wenn wir es nicht den K\u00fchen zu fressen geben? Biogasanlage \u2013 na klar. Nur die Kuh ist bei der Umwandlung von Zellulose zu Energie um mehr als achtzig Prozent effektiver als die Biogasanlage.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Weide versus Wiese<\/h2>\n\n\n\n<p>So viel dazu. Ich wei\u00df schon, dass es sehr schwer ist oder vielleicht auch unm\u00f6glich, die modernen Mythen, die Sagen der Gegenwart, die sogenannten Narrative, wieder aus der Welt zu schaffen. Man kann sie entlarven, ad absurdum f\u00fchren, widerlegen &#8211; sie kommen immer wieder, werden hundertfach kolportiert, abgeschrieben, nacherz\u00e4hlt. Aus den unterschiedlichsten Motiven, oder auch ganz ohne Motiv einfach nachgeplappert. Dennoch versuche auch ich, was Anita Idel schon versucht hat: die Ehrenrettung der Kuh. Und damit des Tieres, auf dessen R\u00fccken wir unsere Kultur aufgebaut haben. Denn ganz am Anfang der Neolithischen Revolution, als unsere Vorfahren vor 12.000 Jahren die Landwirtschaft erfunden haben und die erste Stadt gr\u00fcndeten \u2013 waren die Rinder schon dabei. Ohne sie w\u00e4re es auch nicht gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich versuche nun klarzumachen, dass es auch in Zukunft ohne sie nicht gehen wird. Allerdings: So, wie wir derzeit mit den meisten von ihnen umgehen, so hat die Rinderhaltung keine Zukunft. Aber wenn wir das grunds\u00e4tzlich anders machen, sichert sie uns sogar die Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nicht, wenn die Tiere im Stall stehen. Und genau dahin sind sie in den letzten Jahren und Jahrzehnten verschwunden. Als die Wiesen noch Weiden waren, gab es sie noch, die Biodiversit\u00e4t. Niemand musste \u00fcber das Insektensterben berichten, niemand musste all den V\u00f6geln des Offenlandes hinterhertrauern, die es heute in weiten Teilen des Landes nicht mehr gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist in Deutschland das meiste Gr\u00fcnland zur M\u00e4hwiese mutiert, zumal da, wo mit Maschinen gut gem\u00e4ht werden kann, also in den Ebenen, im flacheren Land des Nordens und Ostens.<\/p>\n\n\n\n<p>Je nach Witterung und Region wird vier-, f\u00fcnfmal im Jahr gem\u00e4ht, oder auch noch h\u00e4ufiger. Die Folge: Keine Lerche bringt ihre Brut noch hoch, kein Wiesenpieper, kein Kiebitz. Und es bl\u00fchen auch keine Kr\u00e4uter mehr. Der st\u00e4ndige Schnitt beg\u00fcnstigt nur wenige, schnell wachsende Gr\u00e4ser. Die Pflanzengemeinschaft der Wiesen verarmt, und mit ihr die ganze Landschaft. Wo nichts bl\u00fcht, finden auch die Insekten keine Nahrung mehr, und die wenigen, die dennoch \u00fcberleben, h\u00e4ckselt das Kreiselm\u00e4hwerk. Wo keine Insekten mehr sind, \u00fcberleben auch die V\u00f6gel nicht, die von ihnen leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rinder sind in die St\u00e4lle verschwunden. Sie d\u00fcrfen ihr Futter nicht mehr selber suchen, die meisten von ihnen kommen nicht einmal mehr stundenweise raus auf die Weide.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum ist das eigentlich so? Weshalb sind die K\u00fche von den Weiden verschwunden? \u201eAus Kostengr\u00fcnden und weil Stallhaltung wetterunabh\u00e4ngig ist\u201c, sagten mir die B\u00e4uerinnen und Bauern. Es ist deutlich weniger aufwendig, Milch und Fleisch im Stall zu produzieren. Man hat genaue Kontrolle \u00fcber Futteraufnahme und Produktion. Es ist nur gleichzeitig auch tats\u00e4chlich klimasch\u00e4dlich. Nicht nur, weil drau\u00dfen Maschinen wirken, wo es auch mit einfacher Kuhkraft ohne Diesel ginge. Auch weil mit Kraftfutter statt nat\u00fcrlichem Rinderfutter gearbeitet wird, um die \u201eEffektivit\u00e4t\u201c zu steigern. Die die Tiere krank macht. Statt sie das tun zu lassen, was sie am besten k\u00f6nnen: Gras fressen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"519\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Oranienbaumer-Heide-1024x519.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2555\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Oranienbaumer-Heide-1024x519.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Oranienbaumer-Heide-300x152.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Oranienbaumer-Heide-768x389.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Oranienbaumer-Heide-1536x778.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Oranienbaumer-Heide-2048x1037.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Durch Beweidung gerettet: Die Oranienbaumer Heide bei Dessau. Hier funktioniert Landwirtschaft als Naturschutz und vor allem als Artenschutz. Wiedehopf und Ziegenmelker sind wieder da, und mit ihnen hunderte andere Arten von Pflanzen und Tieren. | Foto: Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Kuhkraft<\/h2>\n\n\n\n<p>Nebenbei \u2013 und das ist eine der Hauptsachen \u2013 geht die Kuhkraft drau\u00dfen verloren, die uns gegen die beiden gro\u00dfen Krisen hilft: gegen das Artensterben und die Klimakrise. Nur drau\u00dfen auf der Weide k\u00f6nnen die K\u00fche mit ihrem Dung die Insekten zur\u00fcckholen in die Landschaft. Die wiederum die V\u00f6gel f\u00fcttern und das Bodenleben aktivieren, die den Humus einbauen in den Boden und damit den Kohlenstoff aus der Atmosph\u00e4re unten einlagern. Jede Weide ist eine Kohlenstoffsenke, jede Weide ist ein Hort der Biodiversit\u00e4t. Und die Kuh auf der Weide ist der Motor, der das alles antreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Milchviehbetriebe, die argumentieren, Weidegang ginge mit zweihundert K\u00fchen nicht mehr, die m\u00f6gen sich den Backensholzer Hof bei Husum anschauen. Der Biolandbetrieb beweist, dass es mit f\u00fcnfhundert K\u00fchen geht, die t\u00e4glich Weidegang haben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns Verbraucherinnen und Verbraucher hei\u00dft das: Weidemilch kaufen! Wir unterst\u00fctzen damit eine Produktionsform, die den Tieren erlaubt, ihren nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnissen nachzukommen, und die Biodiversit\u00e4t zur\u00fcck bringt in die Landschaft und die Klimakrise bek\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Kleine Einschr\u00e4nkung f\u00fcr die Nordlichter unter den Leserinnen und Lesern des Blogs und H\u00f6rerinnen und H\u00f6rern des Podcasts: Wenn ihr jetzt Weidemilch vom Backensholzer Hof sucht \u2013 das ist vergeblich. Die Backensholzer verkaufen n\u00e4mlich gar keine Milch. Sie machen aus der ausschlie\u00dflich K\u00e4se. Der ist allerdings vom Feinsten. Und den gibt es in gut sortierten L\u00e4den auch in s\u00fcdlicheren Bundesl\u00e4ndern und im Onlineshop der Backensholzer.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kuhfladen-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2610\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kuhfladen-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kuhfladen-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kuhfladen-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kuhfladen-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kuhfladen-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Frischer Fladen direkt nach dem Aufprall: Schon sind die ersten Dungfliegen da, die K\u00e4fer kommen gleich. Bis zu 4000 Insekten k\u00f6nnen einen Kuhfladen besiedeln und zur Kinderstube f\u00fcr die n\u00e4chste Generation machen. So schei\u00dfen die Rinder Leben in die Landschaft. | Foto: Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Sch\u00f6ne Schei\u00dfe<\/h2>\n\n\n\n<p>Weshalb ist nun aber die Kuh auf der Weide so wichtig, wenn wir die Biodiversit\u00e4ts- und die Klimakrise bek\u00e4mpfen wollen? Wie schafft sie diese kleinen Welten, die die gro\u00dfe Welt besser machen k\u00f6nnen? Um das klar und hart zu sagen: Die Kuh schei\u00dft die Welt gut: Wenn sie einen Fladen fallen l\u00e4sst, dann d\u00fcngt sie nicht nur \u2013 sie pflanzt eine Kinderstube.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr andere Tiere als uns Menschen ist der Kuhfladen n\u00e4mlich alles andere als Schei\u00dfe. Er ist ein Biotop, der Nukleus sehr viel neuen Lebens. Dieses neue Leben wird hier beginnen, sobald der Fladen gefallen ist. Wenn es warm ist und nicht gerade regnet, bei gutem Wetter f\u00fcr Insekten also, dauert es nicht etwa Stunden, sondern meist nur Minuten, bis die Dungfliegen da sind und etwas sp\u00e4ter die Dungk\u00e4fer. Sie sind in der N\u00e4he, k\u00f6nnen sehr gut riechen und ebenso gut fliegen. Sie besiedeln den Kuhfladen. Auch Schmetterlinge kommen zu den Hinterlassenschaften der Rinder und saugen daraus ihren ganz besonderen Nektar, Salze n\u00e4mlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Weiderind produziert mit seinem Dung Insekten, die zusammen in jedem Jahr ein F\u00fcnftel des Gewichts des Rindviehs auf die Waage bringen. Und Insekten sind sehr leicht &#8211; das sind also sehr viele Leben, die eine Kuh da in die Landschaft schei\u00dft. Und dazu ist es noch sehr vielf\u00e4ltiges Leben. Am Ende sieht die Bilanz dann so aus: Eine einzelne Weidekuh produziert jedes Jahr allein mit ihrem Dung Insekten mit einem Lebendgewicht von 120 Kilogramm. Diese wiederum ern\u00e4hren Wirbeltiere wie Frosch, Wiesenvogel oder Storch mit einem Lebendgewicht von zw\u00f6lf Kilo. Das sind dann zum Beispiel 200 Grasfr\u00f6sche, 25 Stare, Bachstelzen oder Rotschw\u00e4nzchen und dreizehn Reiher oder St\u00f6rche. Man kann die Aufz\u00e4hlung bei den V\u00f6geln auch etwas exotischer machen und statt der Allerweltsarten ein paar bedrohte Arten nehmen: Nicht Star, Bachstelze und Rotschwanz, sondern Blauracke, Rotkopfw\u00fcrger und Wiedehopf. Diese V\u00f6gel sind in extensiv beweideten Gebieten wiedergekommen, nachdem sie bereits viele Jahre verschwunden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis zu viertausend Dunginsekten sind schon an und in einem einzigen Kuhfladen gez\u00e4hlt worden. Sie verwerten die Hinterlassenschaft der Rinder auf ganz unterschiedliche Arten. Die Dungfliegen legen ihre Eier hinein, manche Dungk\u00e4fer graben direkt neben und unter den Fladen tiefe R\u00f6hren und bef\u00f6rdern darin Dung nach unten. In der Erde legen sie dann ihre Eier in den Dung. Die Pillen-dreher produzieren Dungkugeln und rollen die dann r\u00fcckw\u00e4rts fort, bis sie einen geeigneten Platz gefunden haben, um sie &#8211; wieder mit einem Ei versehen &#8211; zu verbuddeln. Auch Regenw\u00fcrmer holen sich Dung in ihre R\u00f6hren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00e4fer und die W\u00fcrmer bauen so einen Teil des Kuhfladens in den Boden ein. Dort wird er zersetzt und vom Bodenleben in Humus eingelagert. Humus besteht zu rund sechzig Prozent aus Kohlenstoff. So kommen die Pflanzenreste aus dem Verdauungstrakt der K\u00fche in den Boden. Voil\u00e0: Weg ist der Kohlenstoff aus der Atmosph\u00e4re. Die vielf\u00e4ltige Pflanzengemeinschaft der Weide hat auch ihren Anteil daran, das Bodenleben zu ern\u00e4hren und zu versorgen. So kommt es, dass unter einer Weide mehr Kohlenstoff gespeichert ist als im Waldboden und sehr viel mehr als im Ackerboden. Weiden sind Kohlenstoffsenken und helfen uns gegen die Klimakrise.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Rinder raus<\/h2>\n\n\n\n<p>So \u2013 was es nun noch braucht, sind die B\u00e4uerinnen und Bauern, die Weidewirtschaft betreiben, die die K\u00fche wieder rauslassen aus den St\u00e4llen. Die aber gibt es immer weniger. Der Kostendruck treibt die Betriebe dazu, die Tiere aufzustallen. Und wenn sie im Stall stehen und zugef\u00fcttertes, zugekauftes oder gar importiertes Kraftfutter fressen, f\u00fcr das anderswo Regenwald abgeholzt wird, dann werden sie ihrem Ruf gerecht, klimasch\u00e4dlich zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gesellschaft diskutiert in aller Breite das Thema Tierwohl, zu dem unbedingt der Weidegang geh\u00f6rt \u2212 aber die Tiere verschwinden im Stall. Wer einmal miterlebt hat, wie sich die K\u00fche freuen, wenn sie im Fr\u00fchjahr zum ersten Mal wieder raus d\u00fcrfen, kann sich vorstellen, wie wenig angenehm Rinder das Leben im Stall finden. Nur auf der Weide k\u00f6nnen sie so leben, wie sich das f\u00fcr ein Rindvieh geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenn die Rinder wieder rausgelassen werden und wenn gleichzeitig nur so viele bei uns gehalten werden, wie die Betriebe mit ihren eigenen Weiden ern\u00e4hren k\u00f6nnen, dann k\u00f6nnen die K\u00fche die Retter werden, die wir in den Krisen brauchen. Sie k\u00f6nnen kleine Welten besser machen und die gro\u00dfe Welt entlasten. Dazu m\u00fcsste aber die Weidehaltung honoriert werden. Nicht nur von uns Verbraucherinnen und Verbrauchern, aber auch. Das hei\u00dft: Weidemilch kaufen, und \u2013 wenn schon Fleisch \u2013 dann das von Weidetieren. Weidek\u00fche brauchen keinen subventionierten Diesel, um rauszugehen, aber die B\u00e4uerinnen und Bauern, die ihnen das erm\u00f6glichen, brauchen faire Lebensmittelpreise.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>So viel f\u00fcr heute zu den Themen des Buches \u201eDie Klima Kuh\u201c. Was folgt, k\u00fcmmert sich darum, wie die Kuh als Landschaftsarchitektin und Retterin einer urspr\u00fcnglichen mitteleurop\u00e4ischen Naturlandschaft wirken kann. Da geht es um Kultur und Natur gleicherma\u00dfen. Das demn\u00e4chst hier im Blog und im Podcast.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/die-klima-kuh\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"643\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Cover-DieKlimaKuh-643x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2571\" style=\"width:211px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Cover-DieKlimaKuh-643x1024.jpg 643w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Cover-DieKlimaKuh-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Cover-DieKlimaKuh-768x1224.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Cover-DieKlimaKuh-964x1536.jpg 964w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Cover-DieKlimaKuh-1285x2048.jpg 1285w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Cover-DieKlimaKuh-scaled.jpg 1607w\" sizes=\"auto, (max-width: 643px) 100vw, 643px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Mehr \u00dcberblick gibt es hier: <a href=\"https:\/\/www.dieklimakuh.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.dieklimakuh.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Warnung vorab: Vorsicht, hier handelt es sich um Eigenwerbung! 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