{"id":2907,"date":"2024-10-03T08:00:00","date_gmt":"2024-10-03T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/?p=2907"},"modified":"2024-10-02T16:16:05","modified_gmt":"2024-10-02T14:16:05","slug":"das-maja-syndrom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/das-maja-syndrom\/","title":{"rendered":"Das Maja-Syndrom"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"665\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Biewne-Maja-1024x665.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2914\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Biewne-Maja-1024x665.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Biewne-Maja-300x195.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Biewne-Maja-768x499.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Biewne-Maja.jpg 1192w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Botschafterin f\u00fcr bl\u00fchende Landschaften: Die Comicfigur Biene Maja, nach einem deutschen Kinderbuch von japanischen Zeichnern mit artfremden gelben Streifen versehen. | Grafik: Mellifera e.V.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Letztens bin ich an einem Acker vorbeigefahren, der gerade gepfl\u00fcgt wurde. Hinter dem Trecker staksten f\u00fcnf St\u00f6rche durch die Furchen &#8211; auf der Suche nach M\u00e4usen. Ein sch\u00f6nes Bild. Wenn es den St\u00f6rchen gut geht, geht es auch der Landschaft gut. Denken wir. Denn die St\u00f6rche sind uns eingebrannt als eine Art, die eben das anzeigt: intakte Landschaft mit Feuchtgebieten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr bl\u00fchende Landschaften steht eine andere Art: die Biene. \u00bbRettet die Bienen!\u00ab war der Aufruf \u00fcberschrieben, der 2019 zum bis dato gr\u00f6\u00dften Volksbegehren in Bayern f\u00fchrte. Gemeint war die Westliche Honigbiene, die dank der Imkerei nicht zu den gef\u00e4hrdeten Arten z\u00e4hlt, aber eben das Symboltier f\u00fcr bl\u00fchende Landschaften ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Symboltier Biene<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1912 erschien Waldemar Bonsels Kinderbuch \u00bbDie Biene Maja und ihre Abenteuer\u00ab. Mit der japanischen Comicserie aus den 70er Jahren feierte die Biene dann ihr Comeback als Herzenstier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem positiven Image k\u00f6nnte es nun allerdings vorbei sein, denn der Naturschutz hat die Honigbiene als Nahrungskonkurrent f\u00fcr die vielen gef\u00e4hrdeten Arten von Solit\u00e4rbienen ausgemacht Das sind die einzeln lebenden Bienen, von denen wir in Deutschland \u00fcber f\u00fcnfhundert Arten haben &#8211; und von denen viele bedroht sind. Auch weil ihnen die Honigbienen den Nektar und die Pollen weg-sammeln. Sagt der Naturschutzbund Nabu zum Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie jetzt &#8211; der Naturschutz gegen die Biene? Die Imkerinnen und Imker und die Honig essenden Verbraucherinnen und Verbraucher als Gefahr f\u00fcr die Insektenwelt? \u00bbDas Maja-Syndrom\u00ab habe ich diesen Podcast genannt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Studienlage fifty\/fifty<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fangen wir mit den Fakten an, oder mit dem, was dazu bekannt ist, was erforscht wurde. Im Nabu-Standpunkt \u00bb<a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/imperia\/md\/content\/nabude\/insekten\/240404_standpunkt_wildbienen-honigbienen.pdf\">Honigbienen in Naturschutzgebieten<\/a>\u00ab&nbsp; schreibt der Naturschutzbund, dass die meisten Studien \u00fcber die Wirkung von Honigbienen auf Solit\u00e4rbienen im gleichen Lebensraum negative Effekte erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig mit dem Standpunkt des Nabu, der letztlich nur noch wenige oder gar keine Bienenv\u00f6lker in Naturschutzgebieten mehr dulden will, erschien in diesem Jahr das j\u00fcngste popul\u00e4rwissenschaftliche Buch des Verhaltens- und Bienenforschers J\u00fcrgen Tautz. Der W\u00fcrzburger Professor kommt zu einem ganz anderen Schluss, obwohl beide <a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article?id=10.1371\/journal.pone.0189268\">dieselbe Metastudie<\/a> zu Rate gezogen haben, eine die weit \u00fcber hundert Studien gesichtet hat, die zur m\u00f6glichen Konkurrenz von Honigbienen und Solit\u00e4rbienen verfasst wurden. \u00bbWenn wir einen Imker fragen, wie es um die Wechselwirkungen zwischen beimkerten Honigbienen und wilden Solit\u00e4rbienen steht, werden wir eine eindeutige Antwort h\u00f6ren. Und ein Natursch\u00fctzer w\u00fcrde uns auch eine eindeutige Antwort geben\u00ab, sagt J\u00fcrgen Tautz. Die Antworten werden sich widersprechen. \u00bbUnd jeder hat Recht unter bestimmten Bedingungen. Und jeder hat nicht Recht unter anderen Bedingungen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studien widersprechen sich n\u00e4mlich auch \u2013 so wie die Imker und die Natursch\u00fctzer. Die H\u00e4lfte erkennt einen negativen Einfluss von Honigbienen auf Solit\u00e4rbienen, die andere H\u00e4lfte nicht; manche Studien dokumentieren sogar einen positiven Einfluss von Honigbienen auf die Vielfalt der besuchten Pflanzen und die Nahrungsquellen der Solit\u00e4rbienen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"728\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JuergenTautz-728x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2915\" style=\"width:373px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JuergenTautz-728x1024.jpg 728w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JuergenTautz-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JuergenTautz-768x1080.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JuergenTautz-1092x1536.jpg 1092w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/JuergenTautz.jpg 1344w\" sizes=\"auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Verdr\u00e4ngen Honigbienen Solit\u00e4rbienen? Prof. J\u00fcrgen Tautz sagt, die Studienlage sei nur eines: Nicht eindeutig! | Foto: Ingo Arndt<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">J\u00fcrgen Tautz hat das kurz zusammengefasst in seinem j\u00fcngsten popul\u00e4rwissenschaftlichen Buch das den seltsamen Titel tr\u00e4gt \u00bb<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/index.php?stoken=C4F05DE0&amp;lang=0&amp;cl=search&amp;searchparam=auch+bienen+haben+schwei%C3%9Ff%C3%BC%C3%9Fe\">Auch Bienen haben Schwei\u00dff\u00fc\u00dfe<\/a>\u00ab. Das bezieht sich darauf, dass Bienen mit den Duftdr\u00fcsen an ihren Beinen Bl\u00fcten markieren, so dass nachkommende Sammlerinnen wissen, dass hier schon eine von ihnen war. Wenn neuer Nektar nachgewachsen ist, ist der Duft dann verflogen. Eine der vielen staunenswerten F\u00e4higkeiten der Honigbienen, die sie in diesem Fall mit Hummeln teilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was die Honigbienen nicht mit den Hummeln teilen, ist ihre Bl\u00fctentreue. Wenn im Fr\u00fchjahr die \u00c4pfel bl\u00fchen, dann fliegen die Honigbienen von Apfelbl\u00fcte zu Apfelbl\u00fcte \u2013 und machen nicht zwischendurch einen Abstecher zum L\u00f6wenzahn. Oder sie sammeln nur am Raps, oder dann im Sp\u00e4tsommer nur an den Lindenbl\u00fcten. Sonst g\u00e4be es ja keinen Rapshonig und keinen Lindenhonig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Massensammler Honigbiene<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Hannover habe ich Imkermeister Hartmut M\u00fcnch besucht, als er gerade einer Gruppe von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern seine Bienen erkl\u00e4rte. Im gro\u00dfen Gartengel\u00e4nde vor der Volkssternwarte auf dem Lindener Berg stand er und hielt ein Wabenr\u00e4hmchen hoch. Eben hatte er es aus einem seiner Bienenk\u00e4sten genommen. Auf den Waben tummelten sich dicht an dicht die Arbeiterinnen, viele von ihnen mit gelbem Pollen an den H\u00f6schen der Hinterbeine. Hartmut M\u00fcnch, der Vorsitzende der Initiative \u00bb<a href=\"https:\/\/hannover.deutschland-summt.de\/home-hannover.html\">Hannover summt<\/a>\u00ab, nahm die Gelegenheit wahr, die behauptete Konkurrenz von Honigbienen und Solit\u00e4rbienen aus seiner Sicht zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gelben Pollenh\u00f6schen seiner Bienen wiesen darauf hin, dass das Volk gerade in der Goldrute sammelte. Vor kurzem war das noch die Clematis, die Waldrebe, die \u00fcberall in den G\u00e4rten und Parks auf dem Lindener Berg bl\u00fchte. Auch jetzt bl\u00fchte noch vereinzelt Clematis, sogar direkt neben dem Bienenstand. Sie wurde aber nicht mehr besammelt von den Honigbienen, weil die nur auf wirklich ergiebige Trachten fliegen. Einzelne Bl\u00fcten sind ihnen egal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbSchon deshalb gibt es die behauptete Konkurrenz zwischen Honigbienen und Solit\u00e4rbienen nicht\u00ab, sagt Hartmut M\u00fcnch. Die Honigbienen interessieren sich nicht f\u00fcr die wenigen bl\u00fchenden Natternk\u00f6pfe oder Glockenblumen, auf die einzelne Solit\u00e4rbienen spezialisiert sind. Sie sammeln erst, wenn es sich f\u00fcr sie wirklich lohnt. Und dann sind so viele Bl\u00fcten da, dass auch die Solit\u00e4rbienen genug Pollen und Nektar finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hartmut M\u00fcnch sind an einem Bienenstand sogar einmal Bienenv\u00f6lker verhungert, weil es sich aus Sicht der Bienen nicht lohnte, die wenigen Bl\u00fcten drau\u00dfen zu besammeln. Da blieben sie lieber im Stock \u2013 bis es dort nichts mehr zu fressen gab. \u00bbUnd das im Wonnemonat Mai\u00ab, sagt der Imker. Und das neben einer extra f\u00fcr Insekten einges\u00e4ten Brache, auf der aber noch nicht gen\u00fcgend bl\u00fchte. Und in diesem Jahr war auch kein Rapsfeld f\u00fcr die Bienen erreichbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbIch war entsetzt, als ich da hinkam. Da f\u00fchlt man sich ja als ganz elender Imker.\u00ab Aber so sei das eben: die Honigbienen fliegen erst aus, wenn es wirklich was zu holen gibt. Dann aber k\u00f6nnen sie in wenigen Tagen kiloweise Honig produzieren, Vorrat f\u00fcr Wochen und sogar Monate.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbWir teilen alles, bis zum letzten Tropfen. Bei uns verhungern nicht die Schwachen zuerst. Wir verhungern alle gleichzeitig, unser ganzes Volk\u00ab, sagt eine Sommerbiene mit der Stimme von Nellie Thalbach im preisgekr\u00f6nten Dokumentarfilm \u00bb<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tagebuch_einer_Biene\">Tagebuch einer Biene<\/a>\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Hungerlandschaft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und verhungern w\u00fcrden in unseren ausger\u00e4umten Landschaften sicher auch viele Honigbienenv\u00f6lker, wenn die Imker sie am Ende nicht doch f\u00fcttern w\u00fcrden. Einer, der in einer gro\u00dffl\u00e4chig von industrialisierter Landwirtschaft gepr\u00e4gten Landschaft seine Bienen durchbringen muss, ist der Demeter-Imker und Biologe <a href=\"https:\/\/mirkolunau.de\/\">Mirko Lunau<\/a>, den ich schon f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/ffe32-nutztier-honigbiene\/\">Podcast<\/a> und die <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/nutztier-honigbiene\/\">Kolumne<\/a> zum \u00bbNutztier Honigbiene\u00ab besucht hatte. W\u00e4hrend Hartmut M\u00fcnch in vielf\u00e4ltiger st\u00e4dtischer und stadtnaher Umgebung seine Bienen h\u00e4lt, beobachtet Mirko Lunau die Entwicklung auf dem Land im Nordosten Deutschlands.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"637\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Lunau-Imkern-1024x637.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2759\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Lunau-Imkern-1024x637.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Lunau-Imkern-300x187.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Lunau-Imkern-768x478.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Lunau-Imkern-1536x955.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Lunau-Imkern.jpg 1888w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Demeter-Imker Mirko Lunau stellt fest: Fr\u00fcher waren viel mehr Honigbienenv\u00f6lker unterwegs. In Mecklenburg, wo er imkert, w\u00fcrden die heute nicht mehr satt. | Foto: Imkewrei Lunau<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbGerade in Mecklenburg, wo ich imkere, waren vor der Wende die V\u00f6lkerzahlen viel h\u00f6her als heute\u00ab, sagt er. Die Imker wurden gebraucht in der DDR, die Best\u00e4ubungsleistung ihrer Bienen wurde gebraucht. In den 35 Jahren seitdem habe sich die Landschaft um ihn herum allerdings dramatisch ver\u00e4ndert. Es gibt zwar viel mehr Rapsfelder als fr\u00fcher, der Raps aber brauche keine Best\u00e4ubung durch Bienen mehr. \u00bbDie Rapsz\u00fcchter arbeiten daran, dass der Raps mit Windbest\u00e4ubung zurechtkommt, weil man so viele Bienenv\u00f6lker gar nicht hierherstellen k\u00f6nnte, wie die Rapsfelder br\u00e4uchten.\u00ab Und wenn der Raps dann verbl\u00fcht ist, sei die Landschaft schlicht gr\u00fcn. F\u00fcr die Bienen eine W\u00fcste. Nichts bl\u00fcht mehr. Diese Stresssituation gab es in der DDR f\u00fcr die Insekten nicht, weil die Wegraine nicht so sauber waren, weil es in den \u00c4ckern, auch im und unter dem Getreide gebl\u00fcht hat, und weil auch die W\u00e4lder weniger aufger\u00e4umt waren und zum Beispiel Brombeeren zur Verf\u00fcgung gestellt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbSo wie wir die Landschaft ver\u00e4ndert haben in den letzten Jahrzehnten, auch durch den Einsatz von Totalherbiziden wie Round-up, produzieren wir Stress und Hunger bei den Insekten \u2013 und damit die Konkurrenz um die Bl\u00fcten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sieht der Nabu allerdings auch so, ein bisschen wenigstens. \u00bbDie Imkerei hat in Deutschland eine lange Tradition und sollte weiterhin gewinnbringend sein\u00ab, schreibt er in seinem Standpunkt zur Konkurrenz von Honig- und Solit\u00e4rbienen. Wobei dieser Satz schon einen Haken hat, denn die Imkerei ist in Deutschland schon l\u00e4ngst nicht mehr gewinnbringend m\u00f6glich. Keiner der Imker und keine der Imkerinnen, mit denen ich gesprochen habe, kann vom Honig leben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Bienen-Ideologie<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Nabu hei\u00dft es dann weiter: \u00bbJedoch kann die L\u00f6sung nicht sein, Honigbienen aus den ausger\u00e4umten Landschaften in die Naturschutzgebiete zu verlagern, sondern eher gemeinsam darauf hinzuarbeiten, dass wir wieder mehr Strukturvielfalt, Nahrungs-angebot und Nistm\u00f6glichkeiten in der Landschaft haben. Demzufolge ist eine Zusammenarbeit, offene Dialoge mit der Imkerei und Aufkl\u00e4rungsarbeit der beste Weg, um hier eine Verbesserung f\u00fcr gef\u00e4hrdete Wildbienen-Arten zu erreichen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"619\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Bienengedanken-Brueckner-1024x619.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2380\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Bienengedanken-Brueckner-1024x619.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Bienengedanken-Brueckner-300x181.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Bienengedanken-Brueckner-768x464.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Bienengedanken-Brueckner-1536x929.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Bienengedanken-Brueckner.jpg 1765w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00bbBei der Diskussion Honigbiene versus Wildbiene k\u00f6nnen wir Grundlagenforscher nur staunend zuschauen.\u00ab  Die Bremer Bienenforscherin bei einem Laborexperiment. | Foto: Harald Rechten<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob das helfen wird \u2013 Aufkl\u00e4rungsarbeit mit einer einseitigen Interpretation der Studienlage? Die Bienenforscherin Dorothea Br\u00fcckner von der Universit\u00e4t Bremen hat da ihre Zweifel. \u00bbWir Grundlagenforscher k\u00f6nnen da nur erstaunt zuschauen\u00ab, sagt sie. \u00bbDer Einfluss den man selber nehmen kann, damit es faktenbasiert diskutiert wird, ist minimal.\u00ab Die Wechselwirkungen und m\u00f6glichen Nahrungskonkurrenzen von Honigbienen und Solit\u00e4rbienen tauge nicht zum ideologisch aufgeladenen Thema, das aggressiv ausgetragen werden m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer derjenigen, die sehr forsch mit dem Thema Honigbiene umgehen, ist im <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/ffe33-wildtier-honigbiene\/\">Podcast<\/a> und im <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wildtier-honigbiene\/\">Blog<\/a> \u00bbWildtier Honigbiene\u00ab ausf\u00fchrlich zu Wort gekommen: Torben Schiffer, der mit dem Schiffertree einen Ersatz f\u00fcr die in unseren Wirtschaftsw\u00e4ldern fehlenden Baumh\u00f6hlen geschaffen hat. K\u00fcnstliche Nisth\u00f6hlen f\u00fcr wildlebende Honigbienen sind aber nicht wirklich eine \u00dcberlebenshilfe. \u00bbIm Schiffertree sterben die Honigbienenv\u00f6lker nach l\u00e4ngstens drei Jahren an hohem Befall durch Varroamilben\u00ab, sagt Mirko Lunau, der in seinem Garten und seinen Streuobstwiesen mehrere der Nisthilfen aufgeh\u00e4ngt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eben nicht so, dass die Honigbiene die aggressive Konkurrentin der Solit\u00e4rbienen ist. Sie ist selbst Opfer der verarmten Nutzlandschaften und \u2212 was die Varroamilbe angeht \u2013 der Globalisierung, denn die Milbe kommt aus Asien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbDas Thema ist aktuell\u00ab, sagt Dorothea Br\u00fcckner, \u00bbes wird beforscht.\u00ab Es sei allerdings sehr schwer, in der Natur zu quantitativen Daten zu kommen und sehr schwer, nachzuweisen, ob und dass es eine Sch\u00e4digung im Nest von Solit\u00e4rbienen gebe, wenn man sie zusammen mit Honigbienen auf einer Bl\u00fcte beobachte. \u00bbBei unserem Lehrbienenstand an der Universit\u00e4t Bremen haben die Solit\u00e4rbienen kein Problem damit, die f\u00fcr sie aufgestellten Nisthilfen direkt in der Flugbahn der Honigbienen anzunehmen. Es gibt keine Aversion oder Aggression zwischen den Individuen der beiden Gruppen. Und das ist in der Natur eigentlich ein gutes Zeichen daf\u00fcr, dass es keine lebensbedrohende Existenzfrage gibt, die durch Konkurrenz um Nahrungsressourcen verursacht w\u00e4re.\u00ab F\u00fcr die Bienenforscherin ergibt sich aus den einzelnen Beobachtungen \u00bbkeinerlei Gesamtbild, was rechtfertigen w\u00fcrde zu sagen, die Wildbienen sind durch die Honigbienen so bedr\u00e4ngt, dass ihr eigenes Wohlbefinden und Aussterben davon abh\u00e4ngt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Wildbiene versus Honigbiene<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was soll das eigentlich mit der Unterscheidung zwischen Nutztier Honigbiene und Wildtier Solit\u00e4rbiene, sagt an solcher Stelle Imkermeister Hartmut M\u00fcnch gemeinhin. F\u00fcr ihn ist erstens die Honigbiene weiterhin ein Wildtier, weil das mit der Bienenzucht eine Schim\u00e4re sei. Honigbienen haben sich allen Versuchen widersetzt, sie zu domestizieren. Schon deshalb ist f\u00fcr ihn das Wort Wildbiene nichts anderes als ein Kampfbegriff. Was besonders verbl\u00fcfft, wenn man wei\u00df, wer den Begriff kreiert hat und warum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war der renommierte Bienenforscher Paul Westrich, erz\u00e4hlt Hartmut M\u00fcnch, und betont, dass er dessen Arbeit sehr sch\u00e4tze. Aber die Geschichte geht so: Paul Westrich forschte als junger Wissenschaftler am Bieneninstitut Oberursel ausf\u00fchrlich zu Solit\u00e4rbienen. Nach langer Forschungsarbeit ging ihm dann aber das Geld aus. Er h\u00e4tte nicht weitermachen k\u00f6nnen, wenn ihm nicht zwei Angebote gemacht worden w\u00e4ren. Das erste: Forsche zu Wildtieren, daf\u00fcr ist noch Geld im Topf. Das zweite: Kreiere einen Zusammenhang zu Baden-W\u00fcrttemberg, auch daf\u00fcr gibt es noch Forschungsgeld. So kam es, dass Paul Westrichs Wissenschaftsbestseller von 1989 \u00bbDie Wildbienen Baden-W\u00fcrttembergs\u00ab hei\u00dft. Und damit war das Wort Wildbiene im Umlauf, inzwischen erg\u00e4nzt durch das ebenfalls in mehrfacher Auflage erschienene Buch \u00bbDie Wildbienen Deutschlands\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"509\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/HartmutMuench-1-1024x509.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2917\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/HartmutMuench-1-1024x509.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/HartmutMuench-1-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/HartmutMuench-1-768x382.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/HartmutMuench-1-1536x764.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/HartmutMuench-1-2048x1019.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Imkermeister Hartmut M\u00fcnch erkl\u00e4rt einer Sch\u00fclergruppe seine Bienen &#8211; und sagt dabei auch, dass es keine Verdr\u00e4ngung der Solit\u00e4rbienen durch Honigbienen gebe, weil die Honigbiene eben nicht alles wegsammelt. | Foto: Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbUnd wenn es eine Wildbiene gibt, dann muss es ja auch eine Hausbiene geben\u00ab, sagt Hartmut M\u00fcnch. Und tats\u00e4chlich findet sich in der Imkerliteratur das Wort und es gibt sogar eine Netzseite, die so hei\u00dft. \u00bbEs gibt auch Imker, die sich Bienenz\u00fcchter nennen und davon sprechen, dass sie Bienen gez\u00fcchtet haben.\u00ab Das sei ein Missverst\u00e4ndnis oder eine sprachliche \u00dcberheblichkeit, denn in Wahrheit haben sie die Bienen nur gezogen. Auch das Bieneninstitut Celle habe eine Weile behauptet, mit der sogenannten Celler Linie eine eigene Bienenzucht angelegt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angeboten wurden sogenannte Reinzucht-K\u00f6niginnen der vom Balkan stammenden Unterart der Carnica-Honigbiene. Die waren auf den deutschen Inseln mit Carnica-Drohnen besamt worden. Besonders friedfertig sollten die Bienen sein \u2013 ein gutes Argument f\u00fcr Hobbyimker, die ihre V\u00f6lker in Kleingartenanlagen halten wollten. Und besonders flei\u00dfig sollten sie sein \u2013 ein gutes Argument f\u00fcr Imker, die sich ausmalten, irgendwann vom Honigverkauf leben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende l\u00f6ste sich das Ganze in PR-Luft auf. Die Bienenforscher selbst stellten fest, dass sowohl von anderen Inseln als auch vom Festland Drohnen herbeigeflogen waren, die ihre angeblich so isoliert aufgestellten K\u00f6niginnen begatteten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Biologisch gesehen ist das genau das, was die Bienenk\u00f6nigin will \u2212 sich mit m\u00f6glichst vielen Bienenm\u00e4nnern einlassen. Das n\u00e4mlich sorgt f\u00fcr genetische Vielfalt in ihrem sp\u00e4teren Volk, und das wiederum f\u00fcr Resilienz gegen\u00fcber Krankheiten. Promiskuit\u00e4t ist \u00dcberlebensstrategie. Und diese unb\u00e4ndige Kraft der Sexualit\u00e4t der Honigbienen haben wir Menschen bislang noch nicht \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Manche Z\u00fcchter, die wirklich solche werden wollen, versuchen es mit k\u00fcnstlicher Befruchtung. Der Imker, der eine solche Kunstk\u00f6nigin kauft, hat sie aber schon in der n\u00e4chsten Generation verloren, weil sich ihre Nachkommen mit allen dahergeflogenen Drohnen einlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich sch\u00f6n, dass es ein von uns genutztes Tier gibt, dass sich der Domestizierung erfolgreich widersetzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Landschaftspflege<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber was ist nun mit der behaupteten Konkurrenz zwischen dem Wildtier Honigbiene und dem Wildtier Solit\u00e4rbiene? Der Biologe und Demeter-Imker Mirko Lunau sagt, dass man Imker eher als Pfleger der Kulturlandschaft sehen sollte. Seine Bienen n\u00e4mlich ver\u00e4ndern die Landschaft, sie bereichern sie. Und das hilft am Ende auch den Solit\u00e4rbienen. Das liegt daran, dass die Best\u00e4uber die Pflanzenwelt beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbWenn ich einen Bienenstand aufmache, wo vorher keine Honigbienen waren, dann sehe ich, wie die Bienen \u00fcber die Jahre die Landschaft ver\u00e4ndern. Im Laufe der Zeit bl\u00fcht die Landschaft auf, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Blumen produzieren ja mehr Nektar, wenn sie von Bienen besucht werden.\u00ab Und entsprechend gibt es dann auch mehr Samen und mehr Nachwuchs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu dieser Beobachtung gibt es \u00fcbrigens eine wissenschaftliche Studie, die v\u00f6llig unwidersprochen ist und keine Parallelstudien hat, die das Gegenteil behaupten. Die Pflanzen versuchen sich attraktiv zu machen f\u00fcr die Best\u00e4uber und die Best\u00e4uber beeinflussen die Pflanzen. Das erste ist eine evolution\u00e4re Entwicklung und damit sehr langsam. Das Zweite ist eine kurzfristige Entwicklung, die wir in der Zeitspanne eines Menschenlebens gleich mehrfach beobachten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ETH Z\u00fcrich hat dazu eine Studie gemacht, die verbl\u00fcffende Ergebnisse brachte. Die Forscherinnen und Forscher haben eine Gruppe R\u00fcbsen unter Laborbedingungen nur von Schwebfliegen besamen lassen und eine andere Pflanzengruppe nur von Hummeln. Dann haben sie die so entstandenen Samen ausges\u00e4t und wieder nur von Schwebfliegen und nur von Hummeln befliegen lassen. Und schon nach acht Pflanzengenerationen sahen die zwei Gruppen R\u00fcbsen v\u00f6llig unterschiedlich aus. Die Insekten z\u00fcchten sich also die Pflanzen, die zu ihnen passen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"957\" height=\"459\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ETHZuerichRuebsen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2920\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ETHZuerichRuebsen.jpg 957w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ETHZuerichRuebsen-300x144.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/ETHZuerichRuebsen-768x368.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 957px) 100vw, 957px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Insekten z\u00fcchten Pflanzen! Das Ergebnis des Versuchs der ETH-Z\u00fcrich: Die R\u00fcbsen in der neunten Generation: links die von den Hummeln, rechts die von den Schwebfliegen best\u00e4ubten Pflanzen. | Foto: ETH Z\u00fcrich<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00fcbsen sind \u00fcbrigens keine R\u00fcben, sondern eine gelb bl\u00fchende Pflanzenart aus der Gattung Kohl. Und die <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/ncomms14691\">R\u00fcbsenstudie der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/a> erkl\u00e4rt eigentlich ganz allgemein, dass sich die Pflanzen an ihre haupts\u00e4chlichen Best\u00e4uber anpassen. Die Evolution ist niemals abgeschlossen. Sie findet statt &#8211; hier und jetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was die R\u00fcbsenstudie aber auch zeigt, ist genau das, was Mirko Lunau sagt: Wenn wir eine, vielleicht die wichtigste Art der Best\u00e4uber, ausgerechnet aus den Naturschutzgebieten raushalten, weil wir da gerade in ideologischen Grabenk\u00e4mpfen verhaftet sind, dann tun wir uns und unseren Landschaften keinen Gefallen. Es gibt keine unber\u00fchrten nat\u00fcrlichen \u00d6kosysteme mehr bei uns. Es gibt keine Gegenden, wo etwas besser wird, wenn wir uns raushalten und die Natur einfach mal machen lassen, weil es die unber\u00fchrte Natur so gar nicht mehr gibt. Wir m\u00fcssen uns als Landschaftspfleger verstehen und agieren wie der sprichw\u00f6rtliche \u00bbgute G\u00e4rtner\u00ab. Und das auch in den gr\u00f6\u00dferen G\u00e4rten, die wir Naturschutzgebiet nennen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Weiter imkern?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So &#8211; und nun? Nun halten wir uns vielleicht an das, was Professor J\u00fcrgen Tautz vorschl\u00e4gt: Raus aus den Gr\u00e4ben und rein in die Diskussion, weg von der Ideologie, hin zu dem konkreten Blick auf das, was wir von Landschaft noch \u00fcbriggelassen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbEs gibt keine L\u00f6sung im Streit um die Honigbiene in dem Sinne, dass am Ende eine Auffassung die richtige w\u00e4re\u00ab, sagt J\u00fcrgen Tautz. \u00bbAber f\u00fcr jeden konkreten Fall, f\u00fcr jede konkrete Region gibt es konkrete L\u00f6sungen. Und die finde ich nicht, indem ich aufeinander schimpfe oder die Honigbienenv\u00f6lker verschwinden lasse, sondern indem ich Zeit und Geduld investiere.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es braucht Zeit und Geduld, zwei Dinge, die gerade kaum noch jemand investieren will. Und das dann auch noch gepaart mit Verantwortungsbewusstsein und Respekt f\u00fcreinander, letztlich mit Zusammenarbeit. Letzteres schl\u00e4gt ja auch der Nabu in seinem Standpunkt zur Honigbiene vor. Die Imkerei soll ja in Deutschland auch weiterhin m\u00f6glich sein, obwohl die Imkerinnen und Imker irgendwie in Verruf geraten sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbrigens nicht nur bei den Natursch\u00fctzern. Auch bei den Landwirten sind die Imker l\u00e4ngst nicht mehr beliebt. Sie sind es ja schlie\u00dflich, die seit Jahren gegen den Pestizideinsatz vorgehen, die gegen immer neue Nicotinoide k\u00e4mpfen und letztlich auch gegen Glyphosat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Jungimkerkursen wird dem Nachwuchs bis heute erz\u00e4hlt, dass die Bauern die Imker br\u00e4uchten. \u00bbStimmt nicht mehr\u00ab, sagt Hartmut M\u00fcnch, \u00bbdie Bauern k\u00f6nnen uns gar nicht brauchen.\u00ab Sein Beispiel ist der Raps. Die neuen Sorten sind von den Z\u00fcchtern \u2013 wie schon erw\u00e4hnt \u2212 einerseits so optimiert, dass sie zunehmend nur mit Windbest\u00e4ubung auskommen. Andererseits k\u00f6nnen Bienen am Rapsfeld durch ihre Best\u00e4ubungsleistung sicher immer noch einen h\u00f6heren Ertrag bewirken. Nur gibt es da eben das Problem, dass man am Ende im Honig nachweisen kann, was so alles auf einem Rapsfeld zum Einsatz kam. Er sei mit seinen Bienen von einem Landwirt schon mal vom Rand eines Rapsfeldes verjagt worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb manche Obstanbaubetriebe lieber gez\u00fcchtete Hummelv\u00f6lker f\u00fcr mehrere hundert Euro kaufen und sie in ihren Plantagen positionieren, anstatt einen Imker zu bitten, umsonst seine Bienenv\u00f6lker aufzustellen. Hummeln hinterlassen keinen Honig, der auf R\u00fcckst\u00e4nde \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letztens bin ich an einem Acker vorbeigefahren, der gerade gepfl\u00fcgt wurde. Hinter dem Trecker staksten f\u00fcnf St\u00f6rche durch die Furchen &#8211; auf der Suche nach M\u00e4usen. Ein sch\u00f6nes Bild. Wenn es den St\u00f6rchen gut geht, geht es auch der Landschaft gut. Denken wir. 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