{"id":3379,"date":"2026-03-05T08:00:00","date_gmt":"2026-03-05T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/?p=3379"},"modified":"2026-03-04T13:54:19","modified_gmt":"2026-03-04T12:54:19","slug":"die-henne-uns-das-osterei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/die-henne-uns-das-osterei\/","title":{"rendered":"Die Henne und das Osterei"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-VorwerkLohmann-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3384\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-VorwerkLohmann-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-VorwerkLohmann-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-VorwerkLohmann-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-VorwerkLohmann-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-VorwerkLohmann.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">So soll das aussehen, wo unsere Ostereier herkommen. So sieht das aber nur in einer winzigen privaten H\u00fchnerhaltung aus, die wenig effektiv ist beim Eierlegen: Ein Vorwerkhahn und Hennen der alten Rasse. Die meisten Eier legen die beiden kleinen Hennen au\u00dfen: industrielle Lohmann Brown Hybriden. | Alle Fotos (fast): Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Alle Jahre wieder feiern wir ein Fest der Eier oder wenigstens eines mit Eiern. Schon Wochen vorher bieten die Superm\u00e4rkte bunt gef\u00e4rbte gekochte Eier an. Sch\u00f6n in Plastikblister verpackt, damit man die Farben auch sehen kann. Je n\u00e4her Ostern r\u00fcckt, desto mehr Eier werden angeboten, auch frische in hoch gestapelten Kartons, daneben die Eierfarben zum Selberf\u00e4rben.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte sich fragen, woher all diese Eier auf einmal kommen, in einer Jahreszeit, in der die H\u00fchner nat\u00fcrlicherweise gerade erst wieder mit dem Eierlegen anfangen. Auch H\u00fchnerv\u00f6gel legen im Winter eigentlich keine Eier, wie alle anderen V\u00f6gel auch. Man k\u00f6nnte sich also fragen, wie wohl all diese H\u00fchner gehalten werden, damit sie es eben doch tun und an Ostern gen\u00fcgend Eier da sind. Wie geht es den H\u00fchnern eigentlich damit &#8211; und wie den h\u00fchnerhaltenden Menschen, zumal denen, die sich ums vielbem\u00fchte Tierwohl k\u00fcmmern, obwohl das den meisten Eierk\u00e4uferinnen und Eierk\u00e4ufern herzlich egal zu sein scheint in diesen Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Die Farbe und das Ei<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00bbDie Henne und das Osterei\u00ab habe ich diese Kolumne und den zugeh\u00f6rigen <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/ffe050-die-henne-und-das-osterei\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Podcast<\/a> genannt. Wobei die ber\u00fchmte Frage, wer zuerst da war &#8211; die Henne oder das Ei &#8211; in diesem Fall gekl\u00e4rt ist: die Henne ist\u2018s, ohne sie kein Osterei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Versorgung mit Ostereiern war fr\u00fcher \u00fcbrigens eine durchaus unsichere Sache war. Wenn das durch den Kalender wandernde Osterfest fr\u00fch im Jahr oder der Winter lang war, dann konnten die Ostereier durchaus mal ausbleiben, weil die H\u00fchner noch nicht legten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSo versuche ich das auch immer den Kunden zu erkl\u00e4ren, wenn sie in der Zeit, wo sie die meisten Eier brauchen, mal einen Lieferengpass von uns erleben, also zu Weihnachten oder Ostern,\u00ab sagt der Demeter-Gefl\u00fcgelhalter Carsten Bauck vom <a href=\"https:\/\/www.bauckhof.de\/bauckhof-klein-suestedt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bauckhof in Klein-S\u00fcstedt<\/a> bei Uelzen. Die H\u00fchner seien ja nicht bl\u00f6d, sagt er, weshalb sie im Winter eben keine Eier legen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hochwertige und begehrte Lebensmittel Ei gab es deshalb fr\u00fcher erst, wenn die Sonne wieder h\u00f6her stand und die K\u00fcken h\u00e4tten drau\u00dfen laufen und Futter finden k\u00f6nnen. Also gab es die ersten Eier rund um Ostern. \u00bbUnd dann haben die Eltern die eingesammelt und bunt bemalt f\u00fcr die Kinder.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei es da viele Geschichten gibt rund ums Osterei und seinen Weg ins Osternest. Die urspr\u00fcnglichste ist vielleicht die vom Ei als Symbol des Lebens. Die ersten Eier des Jahres wurden dem Priester gebracht, der sie rot einf\u00e4rbte. Damit wurden die Eier doppelt aufgeladen: als Blut Christi und als Lebenssymbol der Auferstehung. So kamen sie an Ostern wieder zur\u00fcck in die Gemeinde.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gab es da noch das \u00bbZins-Ei\u00ab. W\u00e4hrend der gro\u00dfen Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern durften gl\u00e4ubige Christen keine Eier essen. Also sparten die Bauern die ersten Eier des Jahres auf, f\u00e4rbten sie ein, um sie von den sp\u00e4ter gelegten zu unterscheiden, und \u00fcbergaben sie am Ende der Fastenzeit dem Lehnsherrn als Tribut.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Ostereier-beim-Discounter-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3385\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Ostereier-beim-Discounter-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Ostereier-beim-Discounter-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Ostereier-beim-Discounter-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Ostereier-beim-Discounter-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Ostereier-beim-Discounter-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Mindesthaltbarkeitsdatum einen Monat vor Ostern: Das Fest beginnt fr\u00fch beim Discounter &#8211; mit gekochten Eiern aus Bodenhaltung. F\u00fcr diese Hennen gibt es kein Drau\u00dfen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie das farbige Ei letztlich ins Osternest der Kinder gefunden hat, ist keine wirklich endg\u00fcltig gekl\u00e4rte Kulturgeschichte. Jedenfalls war das Ei damals ein wertvolles Lebensmittel und ein hochwertiges Geschenk. \u00bbMan stelle sich vor, die Kinder bekamen kein iPad ins Osternest gelegt, sondern schlicht ein Ei\u00ab, sagt Carsten Bauck.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Entkoppelte Jahreszeiten<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Zeiten, in denen wir Menschen uns den Jahreszeiten oder gar dem Biorhythmus anderer Lebewesen unterwarfen, sind lange vorbei. Unsere Nutztiere haben wir l\u00e4ngst so angepasst, dass sie nach unseren Zeitvorgaben funktionieren. Das gilt ganz besonders f\u00fcr das am meisten industrialisierte Tier &#8211; das Huhn, und da vor allem f\u00fcr die Legehenne.<\/p>\n\n\n\n<p>In alten Kochb\u00fcchern kann man leicht feststellen, dass das Weihnachtsgeb\u00e4ck ganz ohne Ei auskam. Es gab eben damals keine Eier an Weihnachten. Heute ist die kalte Jahreszeit, in der V\u00f6gel eigentlich keine Eier legen, die Hauptabsatzzeit f\u00fcr Eier.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIm Sommer, wenn die H\u00fchner von sich aus gut legen, brauchen wir nur wenige Eier\u00ab, sagt Carsten Bauck, \u00bbdann ist die deutsche Kundschaft auf Mallorca oder sonst wo in der Welt unterwegs.\u00ab Das Interesse des Huhns am Eierlegen und das der Kundschaft am Eierkauf sei jahreszeitlich diametral entgegengesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb werden die Legehennen betrogen. Ihre St\u00e4lle werden gut isoliert, sodass die K\u00f6rperw\u00e4rme der Tiere nicht verloren geht. Und in den St\u00e4llen bestimmen Lichtprogramme, die Sonne und Mondlicht simulieren, den Tagesablauf der Tiere. \u00bbWir geben ihnen so viel Licht und W\u00e4rme, dass sie verstehen: sie k\u00f6nnen weiter legen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfen Mobilst\u00e4lle des Bauckhofs haben Kuppeld\u00e4cher, unter denen sich die W\u00e4rme h\u00e4lt. Und die H\u00fchner k\u00f6nnen \u00fcber Stege und Stangen nach oben in die W\u00e4rme klettern. Unten gibt es an den L\u00e4ngsseiten sogenannte Winterg\u00e4rten, in denen sie auch dann noch scharren und sich sandbaden k\u00f6nnen, wenn es drau\u00dfen friert und schneit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Legehennen-im-Mobilstall-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3390\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Legehennen-im-Mobilstall-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Legehennen-im-Mobilstall-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Legehennen-im-Mobilstall-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Legehennen-im-Mobilstall-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Legehennen-im-Mobilstall-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Licht und W\u00e4rme und mehrere H\u00fchnerstockwerke &#8211; f\u00fcrs Eierlegen auch im Winter: Legehennen unter dem gew\u00f6lbten Dach eines Mobilstalls auf dem Bauckhof.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Schau mal! H\u00f6r mal!<\/h2>\n\n\n\n<p><em>\u00bbSeien wir ehrlich: H\u00fchner werden vor allem als Nahrungsquelle gesch\u00e4tzt. Die meisten Menschen betrachten sie eher als Rohstoff und nicht als Individuen mit einzigartigen Pers\u00f6nlichkeiten. Deswegen konzentrierte sich die Gefl\u00fcgelforschung bisher auf technische M\u00f6glichkeiten, mehr Eier zu produzieren und die Qualit\u00e4t und Gr\u00f6\u00dfe von Fleischh\u00fchnern zu verbessern. Doch in den letzten Jahren gab es eine interessante Entwicklung: Landwirtschaftsbetriebe haben erkannt, dass H\u00fchner, die in ruhiger Umgebung mit ausreichend Platz gehalten werden, mehr Eier legen und weniger aggressive Verhaltensweisen zeigen, als unter \u00fcberf\u00fcllten, stressreichen Haltungsbedingungen.\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So beschreibt die US-amerikanische Autorin und Bloggerin Melissa Caughey die Entwicklung der Gefl\u00fcgelzucht in ihrem Buch \u00bb<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/how-to-read-a-chicken-s-mind.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">How to Read a Chicken\u2019s Mind<\/a>\u00ab, dessen deutsche \u00dcbersetzung uns in diesem Blog ein wenig begleiten wird \u2013 erschienen unter dem englischen Originaltitel im Haupt-Verlag. Melissa Caughey geht es darum, uns das am meisten industrialisierte Nutztier als empathisches, neugieriges und kluges Wesen n\u00e4her zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer einmal mit Carsten Bauck in einen seiner Mobilst\u00e4lle gegangen ist, in denen bis zu 1800 Legehennen und \u00bbihre\u00ab H\u00e4hne leben, kann nachvollziehen, was Melissa Caughey \u00fcber die kommunikationsfreudigen Tiere schreibt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbH\u00fchner kommunizieren pausenlos. Sie \u00fcbermitteln Informationen \u00fcber ihre Umgebung, plaudern \u00fcber das Leben in der Schar und nutzen ihre Sprache, um Beziehungen untereinander herzustellen. Die H\u00fchnersprache st\u00fctzt sich wie die Menschensprache stark auf Tonfall und verschiedene Tonh\u00f6hen. Niemand m\u00f6chte monotones Gerede h\u00f6ren, nicht einmal ein Huhn! Wenn wir uns unterhalten, heben und senken wir die Stimme. Man h\u00f6rt allein schon am Tonfall, ob jemand gl\u00fccklich, aufgebracht, traurig oder aufgeregt ist. Dasselbe gilt f\u00fcr die Musik, wo aufsteigende Noten an anschwellende Emotionen denken lassen und absteigende Noten traurig oder beruhigend wirken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auch die Lautst\u00e4rke spielt eine Rolle. Wie wir fl\u00fcstern H\u00fchner manchmal und kreischen an anderen Stellen so laut, dass man sich kaum vorstellen kann, wie ein so kr\u00e4ftiger Laut aus einem so kleinen Tier kommen kann. Leise, gem\u00e4chliche Laute zeigen Zufriedenheit und Entspannung an. Lautes, schrilles Kreischen bedeutet Angst und Schmerz oder soll die Aufmerksamkeit der restlichen Schar wecken. Normale H\u00fchnersprache klingt wie ruhiges Geplauder in Gespr\u00e4chslautst\u00e4rke, so wie du und ich uns unterhalten w\u00fcrden.\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Beim Eintreten in den Mobilstall sind wir kurz stehengeblieben, und dann hat Carsten Bauck nicht ohne Stolz gesagt: \u00bbSind das nicht sch\u00f6ne Tiere?\u00ab Ja, das sind sch\u00f6ne Tiere! Mit geschlossenem, gl\u00e4nzendem Federkleid, nicht \u00e4ngstlich, sondern neugierig kommen sie auf uns zu. Die H\u00e4hne kr\u00e4hen, wie man das von ihnen erwartet, und die Hennen \u00bbsingen\u00ab. So nennt das Carsten Bauck, wenn die H\u00fchner langgezogene eher leise Laute produzieren, unterbrochen ab und zu von einem aufgeregteren Gackern oder vom unvermeidlichen Kr\u00e4hen der H\u00e4hne. Auf je vierzig Hennen kommt hier ein Hahn. \u00bbH\u00e4hne sind wichtig!\u00ab sagt Carsten Bauck. Ohne sie gibt es st\u00e4ndig irgendwo Streit in der H\u00fchnerschar, sie ordnen den Hennen den Tag, melden, wenn sie drau\u00dfen Futter gefunden haben, einen Leckerbissen, vielleicht eine Schnecke, einen Regenwurm. Und sie warnen vor Gefahren am Boden und aus der Luft. Wo es freilaufende H\u00fchner gibt, da gibt es auch F\u00fcchse, Marder, Sperber und Habichte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Industriehuhn versus \u00d6kohuhn<\/h2>\n\n\n\n<p>Ja, das sind sch\u00f6ne, vitale Tiere in den Mobilst\u00e4llen und Freilaufanlagen des Bauckhofs. Auch wenn die Gro\u00dfeltern der meisten dieser Tiere Hybridh\u00fchner aus industrieller Zucht sind. Sie sind einheitlich braun und hei\u00dfen dann auch entsprechend: Lohmann Brown, wenn sie urspr\u00fcnglich von Lohmann aus Cuxhaven stammen, ISA Brown, wenn sie urspr\u00fcnglich aus Frankreich kommen. In beiden F\u00e4llen stammen sie vom Weltmarktf\u00fchrer der Gefl\u00fcgelzucht, vom deutschen Konzern EW Group, benannt nach dem Gr\u00fcnder Erich Wesjohann, der wiederum beim Tierzuchtbetrieb Lohmann gro\u00df geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/BauckLegehenne-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3389\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/BauckLegehenne-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/BauckLegehenne-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/BauckLegehenne-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/BauckLegehenne-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/BauckLegehenne-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00bbSind das nicht sch\u00f6ne Tiere?\u00ab hat Carsten Bauck gefragt. Ja, das sind sch\u00f6ne Tiere. Ganz anders als die auf den Fotos von den Legebatterien, die wir so kennen. Makellos gl\u00e4nzendes Federkleid, aufmerksam, nicht verschreckt &#8211; aber ein Hybridhuhn aus industrieller Zucht.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Erst die Elterngenerationen dieser H\u00fchner sind \u00f6kologisch gehalten und gef\u00fcttert worden. Womit wir dann beim Eingemachten w\u00e4ren, bei der industrialisierten Gefl\u00fcgelzucht, die uns in Jahrzehnten genetischer Selektion spezialisierte Legehennen und spezialisierte Masth\u00fchner geliefert hat. Da die Br\u00fcder der Legehennen nicht recht Fleisch ansetzen, sind sie viele Jahre lang direkt nach dem Schlupf get\u00f6tet worden. Bis Carsten Bauck und seine Mitstreiter kamen und mit der <a href=\"https:\/\/brudertier.bio\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bruderhahn-Initiative<\/a> erstritten haben, dass das K\u00fckenschreddern aufh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war aber noch nicht das, was eigentlich erreicht werden sollte. Die Biobauern wollten weg von der industrialisierten Zucht, sie wollten zur\u00fcck zum sogenannten Zweinutzungshuhn, das Eier und Fleisch liefert, wie das fr\u00fcher \u00fcblich war. Und sie waren damit auf einem guten Weg \u2013 mit der eigens daf\u00fcr gegr\u00fcndeten <a href=\"https:\/\/oekotierzucht.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00d6kologischen Tierzucht<\/a> und ihren <a href=\"https:\/\/oekotierzucht.de\/de\/gefluegel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00d6TZ-H\u00fchnern<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie anders die Tiere sind, die von der \u00d6TZ gez\u00fcchtet wurden, oder auch wie sehr sie wieder urspr\u00fcnglichen H\u00fchnern gleichen, das hat mir Carsten Bauck beschrieben, als er sie gerade neu aufgestallt hatte. 2022 war das, im Podcast \u00bb<a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/ffe20-anmerkungen-zum-haushuhn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Anmerkungen zum Haushuhn<\/a>\u00ab und dem zugeh\u00f6rigen <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/anmerkungen-zum-haushuhn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Blog<\/a>. Es schien eine Zeit des Aufbruchs, der noch einmal greifbarer wurde, als dann die Pandemie \u00fcber uns hereinbrach und wir uns alle auf uns selbst zur\u00fcckgeworfen fanden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas wir erlebt haben in den Jahren vor und w\u00e4hrend Corona, war ein deutlicher Nachfrage\u00fcberhang\u00ab, sagt Carsten Bauck. \u00bbSehr viele Menschen haben sich immer intensiver mit \u00f6kologischer Landwirtschaft und mit guter Tierhaltung besch\u00e4ftigt.\u00ab Ihm erschien es damals so, dass viele Menschen sich wirklich mit unseren Nutztieren, deren Wesen und ihrer Haltung auseinandersetzten. \u00bbDann kam Corona und es wurde pl\u00f6tzlich sehr differenziert. Wir hatten sehr, sehr viele explizite Nachfragen: Wie arbeiten wir hier? Damals gingen er und seine Kolleginnen und Kollegen davon aus, dass dieses Interesse anhalten und das zugeh\u00f6rige Bewusstsein nicht wieder verschwinden w\u00fcrde.&nbsp; \u00bbWir haben uns darauf eingestellt, die Erwartungen unserer Kunden zu erf\u00fcllen und unsere Arbeit transparent darzustellen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erwartungen der Kundinnen und Kunden zu erf\u00fcllen, das hie\u00df damals auch, die industriellen Hybridh\u00fchner durch die Tiere aus der \u00d6kologischen Tierzucht zu ersetzen. Das hatte der Bauckhof schon vor Corona angefangen, und der Bio-Boom, den die Pandemie ausl\u00f6ste, puschte dann auch diese Entwicklung. Zun\u00e4chst waren zwei der sechs gro\u00dfen Legehennen-Mobilst\u00e4lle in Klein-S\u00fcstedt mit \u00d6TZ-H\u00fchnern belegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das war genau das, was die Demeter-Gefl\u00fcgelh\u00f6fe und damals auch deren Kundinnen und Kunden wollten: \u00bbWirklich der L\u00fcckenschluss\u00ab, sagt Carsten Bauck, \u00bbdie Kompromisse \u00fcberwunden, die es rund um die H\u00fchnerhaltung gibt. Wir hatten wirklich den Topstandard, den wir immer haben wollten, in zwei von sechs Stellen schon realisiert. Und wir waren dabei, den dritten der sechs St\u00e4lle mit \u00d6TZ-H\u00fchnern zu belegen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Rollback<\/h2>\n\n\n\n<p>Bis dann Wladimir Putin den russischen Krieg gegen die Ukraine mit dem Einmarsch eskalierte und die \u00bbZeitenwende\u00ab eine Rolle r\u00fcckw\u00e4rts brachte. Geschuldet wahrscheinlich eher der Inflation und den steigenden Energie- und Lebensmittelkosten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei die Lebensmittel im Biobereich damals kaum teurer wurden. Die konventionellen Lebensmittel waren die Treiber, denn die konventionelle Landwirtschaft wird mit \u00d6l und vor allem Erdgas betrieben. Das \u00d6l braucht die Industrie f\u00fcr die Pestizide, mit dem Gas wird Kunstd\u00fcnger hergestellt. Egal, die Kundinnen und Kunden, die eben noch auf Tierwohl und \u00d6kologie Wert legten, waren pl\u00f6tzlich woanders.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"797\" height=\"831\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/CarstenBauck.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-838\" style=\"aspect-ratio:0.9590890166757267;width:464px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/CarstenBauck.jpg 797w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/CarstenBauck-288x300.jpg 288w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/CarstenBauck-768x801.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 797px) 100vw, 797px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00bbYou get what you give\u00ab, sagt Carsten Bauck. Wer beim Eierkauf spart, schadet den H\u00fchner ganz direkt. | Foto: Bauckhof<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\u00bbEs fragt kaum noch jemand, wie wirklich die Themen rund um die Landwirtschaft und in der Tierhaltung bearbeitet werden\u00ab, sagt Carsten Bauck, \u00bbThemen wie Bruderhahn, \u00f6kologische Tierzucht, Dinge, die wir auch hier auf dem Betrieb mit vorangetrieben haben, interessieren kaum noch.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Im vierten Jahr nach dem russischen Einmarsch, nach einer deutlich gesunkenen Inflation, geht es den Bioh\u00f6fen etwas besser. \u00bbAber\u00ab, sagt Carsten Bauck, \u00bbwenn wir nicht umgesteuert h\u00e4tten, w\u00fcrden wir von der Substanz leben und k\u00f6nnten den Hof nicht mehr weiterentwickeln.\u00ab Das h\u00e4tte keine Zukunft und er w\u00e4re dann wohl falsch in seinem Job, wenn er das zugelassen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis: Heute leben nur noch in einem der sechs Mobilst\u00e4lle \u00d6TZ-H\u00fchner. \u00bbUnd die subventionieren wir mit den produktiveren Hennen aus industrieller Zucht in den anderen f\u00fcnf St\u00e4llen.\u00ab Mit all den Kompromissen, die das mit sich bringt: Mit den mageren Bruderh\u00e4hnen, die aufgezogen werden, die aber eigentlich keiner haben will; mit den d\u00fcrren Legehennen, die am Ende nicht mal ein anst\u00e4ndiges Suppenhuhn abgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWir sind ja immer noch in einer Art Kriegsmodus\u00ab, sagt Carsten Bauck, \u00bbund da m\u00fcssen dann Lebensmittel g\u00fcnstig sein. Der Deutsche f\u00e4ngt dann sehr an zu sparen, dann kommt die German Angst und dann halten wir zusammen und dann soll es pl\u00f6tzlich g\u00fcnstig sein. Die gleichen Kundengruppen, denen vorher die Ideale nicht hoch genug sein konnten, sind jetzt pl\u00f6tzlich nicht mehr gewillt, diesen Prozess mitzugehen und haben alle mindestens eine Haltungsstufe niedriger eingekauft.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft, wer vorher Demeter-Eier gekauft hat, kauft jetzt Bioeier, wer vorher einfache Bioeier nach EU-Standard gekauft hat, kauft jetzt Freiland. So sieht das der Gefl\u00fcgelhalter, der seine ohnehin betriebsintern subventionierten \u00d6TZ-Eier unter dem Gestehungspreis abgeben muss. Was andere H\u00f6fe so ganz sicher nicht praktizieren. \u00bbDas ist Geld sparen auf dem R\u00fccken der Tiere und zwar sehr direkt. Kaufe ich eine Haltungsstufe g\u00fcnstiger, dann ver\u00e4ndert das unmittelbar den Tag des Lebewesens, von dem die Eier kommen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>So direkt funktioniert der Markt bisweilen, der Lebensmittelmarkt eigentlich immer. Es wird produziert, was wir mit dem Einkaufswagen ordern. \u00bbYou get what you give\u00ab, sagt Carsten Bauck.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer wirklich gute Eier aus den besten Haltungsformen haben will, darf nicht aufs Geld schauen. Als ich letztens im Hofladen eines anderen Demeterhofes stand, der keine eigenen H\u00fchner h\u00e4lt, wurden dort Bauckhof-Eier angeboten \u2013 f\u00fcr siebzig Cent das St\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein stolzer Preis, sage ich zu Carsten Bauck. \u00bb Ja, ich bin auch nicht angetreten, das Ei zu einem besonders g\u00fcnstigen Lebensmittel zu machen\u00ab, sagt er. Und erinnert zur\u00fcck an die Nachkriegszeit, also die nach dem Zweiten Weltkrieg, als es die industrielle Zuchtdifferenzierung in Legehennen und Masth\u00fchner noch nicht gab: \u00bbDa war das Ei im Verh\u00e4ltnis zum Bruttolohn ein teures, sehr wertvolles Lebensmittel.\u00ab Erst mit der K\u00e4fighaltung und der genetischen Zurichtung der H\u00fchner sei das zu einem Ramschartikel geworden. \u00bbUnd die Kunden haben sich daran gew\u00f6hnt, dass ein Ei f\u00fcr zehn Cent zu kriegen ist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das sei bei einem Demeter-Ei, produziert mit den h\u00f6chsten Standards, angesichts des Einsatzes an Futtermitteln, Stallplatz, Auslauf und Arbeit, eben nicht machbar. Im Gegenteil: Das Ei f\u00fcr siebzig Cent sei eher g\u00fcnstig. \u00bbDa hat sich der Handel sehr diszipliniert\u00ab, sagt Carsten Bauck, \u00bbich kenne die Preise in der Kette dazwischen. Unsere \u00d6TZ-Eier k\u00f6nnen gar nicht unter einem Euro im Handel kosten, und dann hat der Handel das fast durchgereicht.\u00ab Ja, das sei sehr viel mehr, als das, was ein konventionelles Ei koste, und auch noch deutlich mehr, als ein Bio-Ei aus einer der riesigen Haltungen. \u00bbAber das ist unsere Lebensrealit\u00e4t!\u00ab<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"819\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Melissa-Caughey-TerryCalla-819x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3403\" style=\"aspect-ratio:0.7998030353956033;width:468px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Melissa-Caughey-TerryCalla-819x1024.jpg 819w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Melissa-Caughey-TerryCalla-240x300.jpg 240w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Melissa-Caughey-TerryCalla-768x960.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Melissa-Caughey-TerryCalla-1229x1536.jpg 1229w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Melissa-Caughey-TerryCalla-1638x2048.jpg 1638w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Melissa-Caughey-TerryCalla-scaled.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wenn  Menschen die Chance haben, H\u00fchner wirklich kennenzulernen, ver\u00e4ndert sich ihr Verh\u00e4ltnis zu den Tieren grunds\u00e4tzlich, sagt Melissa Caughey. | Foto: Terry Calla<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Spatzenhirn?<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Autorin Melissa Caughey, deren H\u00fchnerb\u00fccher in den USA Bestseller sind, vermutet, dass wir Eierk\u00e4uferinnen und Eierk\u00e4ufer nur deshalb so umgehen k\u00f6nnen mit den Tieren, die uns die begehrten Eier liefern, weil wir sie missachten und keinen realen Kontakt zu ihnen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbWie oft hast du schon den Begriff \u00bbSpatzenhirn\u00ab geh\u00f6rt? Auch wenn V\u00f6gel traditionell als dumm gelten, haben Jahrzehnte der Forschung gezeigt, dass viele V\u00f6gel \u00fcber das gleiche Ma\u00df an intellektuellen F\u00e4higkeiten, sozialen Verhaltensweisen und emotionaler Tiefe verf\u00fcgen wie S\u00e4ugetiere. Doch viele Menschen denken noch immer, dass H\u00fchner eher am unteren Ende des Intelligenzspektrums stehen. Ich vermute, das liegt daran, dass H\u00fchner zwar die h\u00e4ufigsten Nutztiere der Welt sind, viele Menschen aber noch nie ein echtes Huhn gesehen oder es gar kennengelernt haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Obwohl der Wert dieser V\u00f6gel \u00fcberwiegend \u00f6konomisch erfasst wird, bin ich der Meinung, dass diese Sichtweise sich oft \u00e4ndert, sobald Menschen mit H\u00fchnern leben. Weil H\u00fchner Gef\u00fchle haben, k\u00f6nnen wir uns auf einer gewissen Ebene mit ihnen identifizieren. Wir k\u00f6nnen eine Beziehung zu ihnen aufbauen, weil wir emotional mit ihnen verbunden sind. Deswegen sind sie auch so wunderbare Haustiere!\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was Melissa Caughey in \u00bbHow to read a Chicken\u2018s Mind\u00ab schreibt, k\u00f6nnen die meisten von uns wohl nicht nachvollziehen, weil sie gar nicht die M\u00f6glichkeit haben, H\u00fchner zu halten und sich mit ihnen zu verbinden. Umso wichtiger ihr Buch, das uns die H\u00fchner n\u00e4herbringen will. Vielleicht gibt\u2019s ja einen Weg vom Lesen zum Begreifen, zum Greifen. Vielleicht zuckt ja die Hand dann demn\u00e4chst zur\u00fcck, wenn sie \u00fcber den Einkaufswagen zum Billigei oder auch nur zum preiswerteren, eine Haltungsstufe drunter, greifen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei, eine Haltungsstufe unter den bisherigen Gewohnheiten der Biokunden, die einstmals auf Tierwohl und Produktqualit\u00e4t achteten, ist ja noch nicht das Billigei aus der K\u00e4fighaltung aus dem Ausland.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sei hier nur am Rande erw\u00e4hnt: Seit diesem Jahr gibt es keine deutschen K\u00e4figeier mehr. Jetzt, im letzten Schritt eines jahrelangen Prozesses mit ebenso langen \u00dcbergangsregelungen, ist auch die sogenannte Kleingruppenhaltung von Legehennen in Deutschland verboten. In der Europ\u00e4ischen Union gibt es allerdings noch immer kein Verbot, und K\u00e4figeier aus den Nachbarl\u00e4ndern d\u00fcrfen auch weiter in Deutschland verkauft werden. Und auch bei uns konnten die K\u00e4fighalter auf die sogenannte Volieren-Haltung umsteigen. Das ist eine Form der mehrst\u00f6ckigen Haltung ohne K\u00e4fig, bei der der Platz pro Huhn ungef\u00e4hr ein DIN A4-Blatt gro\u00df ist. Ob das nun ein Fortschritt ist, angesichts all der Dinge, die wir inzwischen \u00fcber H\u00fchner wissen?<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein Paket Wissen obendrauf, wieder von Melissa Caughey:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbSpielverhalten gilt als Merkmal h\u00f6herer Intelligenz. Von vielen Tieren wissen wir, dass sie spielen, etwa von Schimpansen, Ottern und Raben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Einige Forscherinnen sind der Ansicht, dass Verhaltensweisen wie Luftspr\u00fcnge und Herumgetolle bei H\u00fchnern als Spielen verstanden werden k\u00f6nnen. Ich habe H\u00fchner schon mit Gegenst\u00e4nden spielen sehen, die eine Belohnung liefern, zum Beispiel mit B\u00e4llen, die Leckerbissen freigeben, wenn sie bewegt werden. Ich wei\u00df, dass sie Freude daran haben, auf eine H\u00fchnerschaukel zu springen und zu schaukeln, auf dem Xylofon oder einem Spielzeugklavier ihre H\u00fchnerkompositionen zum Besten zu geben und neugierig nach einem Spiegel zu picken.\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Auslauf-Pappeln-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3388\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Auslauf-Pappeln-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Auslauf-Pappeln-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Auslauf-Pappeln-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Auslauf-Pappeln-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Bauck-Auslauf-Pappeln-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die K\u00e4fighaltung von Legehennen ist in Deutschland seit Anfang 2026 verboten. Dies hier ist aber nicht etwa der neue Standard f\u00fcr die Legehennen. Die ist tats\u00e4chlich Tierwohl: Auslauf unter Pappeln, die Schutz vor Greifv\u00f6geln bieten.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">R\u00fcckbau<\/h2>\n\n\n\n<p>Als ich damals 2022 mit Carsten Bauck \u00fcber den Aufschwung der \u00d6kologischen Tierzucht sprach, als er recht begeistert berichtete, wie anders die neuen Zweinutzungsh\u00fchner sind, wie viel urspr\u00fcnglicher, da war gerade Zuversicht angesagt und entsprechend optimistische Zukunftsplanung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bauckhof in Klein-S\u00fcstedt, der mit der H\u00fchnerhaltung von den drei Bauckh\u00f6fen, also der, den Carsten Bauck verantwortet, war am Expandieren. Neben dem eigenen Gefl\u00fcgelschlachthof, der schon deshalb aufgebaut worden war, weil die H\u00fchner, die ihr ganzes Leben im Freiland Auslauf hatten und immer selber w\u00e4hlen konnten, wohin sie gehen, nicht am Ende in enge K\u00e4fige gepfercht von Lastwagen durch die Gegend gekarrt werden sollten \u2014 neben diesem Muss f\u00fcr das Tierwohl, war gerade eine eigene Fleischverarbeitung aufgebaut worden.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer neuen Gro\u00dfk\u00fcche produzierte der Bauckhof Lebensmittel in Gl\u00e4sern, zum Beispiel H\u00fchnerfrikassee f\u00fcr Erwachsene und f\u00fcr einen Hersteller von biologischer Kinderkost. Auch Eint\u00f6pfe und Gefl\u00fcgelw\u00fcrste entstanden damals. Die K\u00f6chinnen und K\u00f6che waren innovativ und entwickelten neue Rezepte. Die neuen Waren fanden viele Abnehmer. Der neue Gesch\u00e4ftsbereich brummte. Und getreu der wirtschaftlichen Binse, dass erst die Verarbeitung der Rohstoffe das Geld bringt, machte der Hof Gewinn, den er in neue Entwicklungen stecken konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann? \u00bbDann mussten wir den ganzen neuen Gesch\u00e4ftsbereich wieder abwickeln\u00ab, sagt Carsten Bauck. \u00bbIn dem der Landwirtschaft nachgelagerten Bereich haben wir auch Leute entlassen. Glaswaren und Wurst machen wir nicht mehr.\u00ab Und das gilt nicht nur f\u00fcrs Gefl\u00fcgel, nicht nur f\u00fcr den Bauckhof bei Uelzen, sondern auch f\u00fcr die beiden anderen Bauckh\u00f6fe in Amelinghausen und St\u00fctensen in der L\u00fcneburger Heide. \u00bbWir machen keine Rind- und Schweinefleischverarbeitung mehr hier. Die Rinder unseres eigenen Betriebes gehen in die Babykost.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist f\u00fcr den Rinderliebhaber Carsten Bauck ein besonders dunkles Kapitel: Er muss seine Bullen abgeben. \u00bbSeit der Hof 1932 von meinen Vorfahren auf Demeter umgestellt wurde, gibt es hier Rinder. In diesem Jahr gehen sie nun vom Hof.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso dunkel die Abwicklung des neuen Gesch\u00e4ftsbereichs Fleischverarbeitung. Die wirtschaftliche Binse, dass erst die Verarbeitung der Rohstoffe das Geld bringt, angesichts der Biokrise stimmt auch die nicht mehr. \u00bbWir haben sieben Leute entlassen, die wirklich eine ganz, ganz hervorragende Arbeit gemacht haben. In Zeiten von Fachkr\u00e4fteman\u00adgel wirklich gute Leute gehen lassen, das ist schon eine abstruse Situation.\u00ab Niemand wurde arbeitslos, nat\u00fcrlich nicht, Metzger werden gesucht. \u00bbAber vor dem Hintergrund, dass ich gedacht habe, dass wir immer tiefer in die Wertsch\u00f6pfungs- und Wertsch\u00e4tzungskette gehen, ist das besonders bitter.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Fleischverarbeitung nicht mehr tragbar war, liege auch daran, \u00bbdass wir eine Manufaktur sind und keine industrielle Verarbeitung aufbauen wollten\u00ab, sagt Carsten Bauck. \u00bbDer Biobereich bei den Superm\u00e4rkten und bei den Discountern stellt auch Wurst in einer Kostenstruktur zur Verf\u00fcgung, wo zumindest ich mir nicht erkl\u00e4ren kann, wie das m\u00f6glich ist. Wurst ist heute sehr g\u00fcnstig und das ist nicht das, was wir k\u00f6nnen, weil wir eben Wurst nur aus Fleisch herstellen k\u00f6nnen. Insofern passt das nicht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Aha, die Baucks k\u00f6nnen Wurst nur aus Fleisch herstellen. Woraus besteht dann die billige Wurst? Zu Herstellung und Nebenstoffen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Discounter \u2026<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Osterwunsch<\/h2>\n\n\n\n<p>Und was sagt Carsten Bauck, der eigentlich \u00fcber Ostern gar nicht mehr reden will, weil \u00bbdie Medien da immer nur sch\u00f6ne Geschichten h\u00f6ren wollen\u00ab &#8211; was sagt er, wenn ich ihn dann doch frage, was er sich von uns Eierk\u00e4ufern und Eierk\u00e4uferinnen zu Ostern w\u00fcnscht. Nat\u00fcrlich ist es ein Wunsch nach einem anderen Umgang mit dem Ei.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs gibt viele Menschen, die das ganze Jahr \u00fcber keine wei\u00dfen Eier haben wollen, weil wei\u00dfe Eier f\u00fcr sie das konventionelle K\u00e4figei repr\u00e4sentieren. Die kaufen also das ganze Jahr \u00fcber braune Eier. An Ostern muss es dann aber wei\u00df sein, damit sie es f\u00e4rben k\u00f6nnen. Es soll aber m\u00f6glichst vom gleichen Hof kommen, im Idealfall von der gleichen Henne. Es w\u00e4re ganz sch\u00f6n, wenn da mal \u00fcber die Sinnhaftigkeit dieses Verhaltens nachgedacht w\u00fcrde. Dazu sind jetzt keine geistigen H\u00f6henfl\u00fcge n\u00f6tig. Und ich glaube, das w\u00fcrde den Menschen guttun \u2013 und den H\u00fchnern unmittelbar.\u00ab<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/how-to-read-a-chicken-s-mind.html\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"766\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Caughey-Buch-766x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3395\" style=\"width:480px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Caughey-Buch-766x1024.jpg 766w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Caughey-Buch-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Caughey-Buch-768x1026.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Huehner-Caughey-Buch.jpg 884w\" sizes=\"auto, (max-width: 766px) 100vw, 766px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die H\u00fchner aus \u00f6kologischer Zucht, von denen ja anscheinend niemand mehr etwas wissen will, legen \u00fcbrigens meist hellschalige Eier, die man gut f\u00e4rben kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Jahre wieder feiern wir ein Fest der Eier oder wenigstens eines mit Eiern. Schon Wochen vorher bieten die Superm\u00e4rkte bunt gef\u00e4rbte gekochte Eier an. Sch\u00f6n in Plastikblister verpackt, damit man die Farben auch sehen kann. Je n\u00e4her Ostern r\u00fcckt, desto mehr Eier werden angeboten, auch frische in hoch gestapelten Kartons, daneben die Eierfarben zum &#8230; <a title=\"Die Henne und das Osterei\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/die-henne-uns-das-osterei\/\" aria-label=\"Mehr zu Die Henne und das Osterei\">Weiterlesen &#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,49,58,3,2],"tags":[25,110,22,80,173,71],"class_list":["post-3379","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-corona","category-ernaehrung","category-gefluegel","category-landwirtschaft","category-tierhaltung","tag-billigfleisch","tag-eier","tag-gefluegel","tag-huehner","tag-ostern","tag-tierwohl","infinite-scroll-item"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Henne und das Osterei<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Alle Jahre wieder feiern wir das Fest der Eier. 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