{"id":3415,"date":"2026-04-02T08:00:00","date_gmt":"2026-04-02T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/?p=3415"},"modified":"2026-04-11T14:13:07","modified_gmt":"2026-04-11T12:13:07","slug":"startsignal-tschernobyl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/startsignal-tschernobyl\/","title":{"rendered":"Startsignal Tschernobyl"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Biohof-Gross-\u00a9SonjaHerpich-Bioland-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3416\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Biohof-Gross-\u00a9SonjaHerpich-Bioland-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Biohof-Gross-\u00a9SonjaHerpich-Bioland-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Biohof-Gross-\u00a9SonjaHerpich-Bioland-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Biohof-Gross-\u00a9SonjaHerpich-Bioland-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Biohof-Gross-\u00a9SonjaHerpich-Bioland.jpg 1700w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Team vom Biohof Gro\u00df &#8211; vierzig Jahre nach Tschernobyl und der Umstellung auf Bio. In der Mitte Christel, Malte und Dietmar Gro\u00df. Neben ihnen Maltes Freunde Florian Werle und in Handwerkerkluft Niklas Welschof. Sie haben mit Malte zusammen den Hof \u00fcbernommen. | Foto: Sonja Herpich \/ Bioland<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In diesen Tagen j\u00e4hrt sich ein Ereignis, das die Welt ver\u00e4ndert hat. Und dieses Ereignis war kein Krieg, auch wenn seine Auswirkungen denen eines Krieges \u00e4hnelten. Am 26. April vor vierzig Jahren explodierte ein Reaktorblock des Atomkraftwerkes Tschernobyl in der Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Atomkatastrophe von Tschernobyl war aber nicht nur das Ende eines Reaktors, der bis heute strahlt, abgedeckt von einem l\u00f6chrigen Deckel, dem sogenannten Sarkophag \u2014 und das inzwischen st\u00e4ndig gef\u00e4hrdet in einem realen Kriegsgebiet. Tschernobyl war auch ein Anfang. Die Katastrophe markiert einen Aufbruch. Deshalb habe ich diese Kolumne und den zugeh\u00f6rigen <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/ffe051-startsignal-tschernobyl\/\">Podcast<\/a> \u00bbStartsignal Tschernobyl\u00ab genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Tschernobyl war der Impuls f\u00fcr viele B\u00e4uerinnen und Bauern, ihre Art der Landwirtschaft neu zu denken und neu auszurichten. Sie stellten ihre Betriebe um auf \u00f6kologische Wirtschaftsweise, sie wurden Biobauern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Der Knall im Osten<\/h2>\n\n\n\n<p>Viele der \u00c4lteren unter uns werden noch wissen, wo sie damals waren, als sich die Nachrichten verdichteten, dass da in der vermeintlich fernen Sowjetunion etwas Katastrophales geschehen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend des 28. April 1986 meldeten die Nachrichten im damaligen Westdeutschland zum ersten Mal, dass erh\u00f6hte Radioaktivit\u00e4t registriert worden war \u2013 in Skandinavien. In den Radionachrichten des S\u00fcdwestfunks, einem der Vorg\u00e4nger des heutigen SWR, sagte der Sprecher um 19:00 Uhr: \u00bbAls Ursache wird ein Defekt an einem sowjetischen Atomreaktor vermutet\u00ab, ein Atombombenversuch werde ausgeschlossen, aber \u00bbdie Atomenergiebeh\u00f6rde in Moskau teilte der schwedischen Botschaft mit, sie wisse nichts von einem m\u00f6glichen Zwischenfall in einem Kernkraftwerk, von dem sie in jedem Fall Kenntnis haben m\u00fcsste.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das war zwei Tage, nachdem einer der vier Reaktorbl\u00f6cke in Tschernobyl explodiert war, als die sogenannten Liquidatoren schon zum Zusch\u00fctten des gl\u00fchenden Reaktors in den Strahlentod geschickt wurden. Zwei Stunden nach den ersten Nachrichten war die Sache dann auch im damaligen Westen klar: Die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur TASS meldete den Reaktorunfall, bei dem auch Menschen \u00bbzu Schaden gekommen\u00ab seien. In Skandinavien stieg die radioaktive Strahlung weiter. Messdaten aus Deutschland wurden bis dahin nicht gemeldet. \u00bbDie skandinavischen Experten sehen aber bislang keine Gefahr f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung\u00ab, sagte der Nachrichtensprecher.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00e4nderte sich dann sehr schnell, als sich die radioaktiven Wolken verbreiteten. Die Explosion hatte die strahlenden Partikel, deren Namen wir in den n\u00e4chsten Tagen und Wochen dann auch lernten, \u00fcber einen Kilometer hoch in die Luft geschleudert. Von dort zogen die Radionukleide, vor allem Jod-131, C\u00e4sium-134 und das langlebige C\u00e4sium-137, in drei Wolken \u00fcber Europa.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"614\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Tschernobyl-1986-USFCRFC-IAEA-Imagebank-614x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3419\" style=\"aspect-ratio:0.5996142049501861;width:414px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Tschernobyl-1986-USFCRFC-IAEA-Imagebank-614x1024.jpg 614w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Tschernobyl-1986-USFCRFC-IAEA-Imagebank-180x300.jpg 180w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Tschernobyl-1986-USFCRFC-IAEA-Imagebank-768x1280.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Tschernobyl-1986-USFCRFC-IAEA-Imagebank-922x1536.jpg 922w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Tschernobyl-1986-USFCRFC-IAEA-Imagebank-1229x2048.jpg 1229w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Tschernobyl-1986-USFCRFC-IAEA-Imagebank-scaled.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 614px) 100vw, 614px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der zerst\u00f6rte Reaktorblock von Tschernobyl 1986 | Foto: USFCRFC  \/ IAEA Imagebank<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Der Start im Westen<\/h2>\n\n\n\n<p>Eigentlich ist es eine paradoxe Geschichte, dass mit der Atomkatastrophe von Tschernobyl f\u00fcr viele B\u00e4uerinnen und Bauern der Start in eine neue Wirtschaftsweise und damit auch ein neues Leben verkn\u00fcpft ist: Das Land war verseucht, das Feldgem\u00fcse musste vernichtet werden, die Tiere durften nicht mehr hinaus. Und das ausgerechnet war dann der Anlass, ab jetzt alles anders zu machen, mit dem Land und auf dem Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei das mit dem Umdenken und Andersmachen f\u00fcr viele Menschen damals mit ihren Kindern begann. So war das auch bei Christel und Dietmar Gro\u00df, die ich in Nordhessen besucht und gebeten habe, mir die Geschichte ihres pers\u00f6nlichen Aufbruchs damals zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Christel arbeitete damals auf dem Hof meist im Garten. Da konnte sie ihren einj\u00e4hrigen Sohn mitnehmen und auf dem Boden krabbeln lassen. Damit war nun Schluss. Und die gro\u00dfe Frage war: \u00bbWie ern\u00e4hren wir das Kind jetzt?\u00ab Im Herbst hatten die beiden den \u00dcberschuss ihrer Ernte aus dem Bauerngarten in alten Waschmaschinentrommeln im Boden verbuddelt. Jetzt gruben sie die aus der unverstrahlten Tiefe aus und kochten ein: Rote Beete und M\u00f6hren. \u00bbDas war nun nicht gerade das, was unser Sohn gerne gegessen hat\u00ab, sagt Christel Gro\u00df, aber es war das, was sie hatten. Womit es ihnen noch besser ging, als den Familien ohne eingelagertes Gem\u00fcse.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spielpl\u00e4tze waren geschlossen, die Sandk\u00e4sten verstrahlt, Schulh\u00f6fe waren tabu, Sport im Freien war gestrichen. Es gab keine unverstrahlte Milch und kein frisches Gem\u00fcse mehr, stattdessen Milchpulver, Tiefgefrorenes und Konserven.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Nordhessen bin ich gefahren. In das Fachwerkdorf M\u00fchlhausen, einen Ortsteil von Homberg (Efze), der Kreisstadt des Schwalm-Eder-Kreises. Dort liegt der <a href=\"https:\/\/www.biohofgross.de\/\">Biohof<\/a> von Christel und Dietmar Gro\u00df, der zur Zeit von Tschernobyl noch kein Biohof war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden hatten damals ihr Studium abgeschlossen \u2014 sie Sozialwesen und Erwachsenenbildung, er Landwirtschaft und Landschaftspflege \u2014 und waren aufs Land gezogen. Mit der Option, Dietmars elterlichen Hof zu \u00fcbernehmen und weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Engagement auf dem Land<\/h2>\n\n\n\n<p>Die radioaktive Wolke aus Tschernobyl traf vor vierzig Jahren in Nordhessen auf eine recht breite, von jungen Leuten getragene Anti-AKW-Bewegung, die sich davor haupts\u00e4chlich gegen ein in der N\u00e4he geplantes Atomkraftwerk gewendet hatte \u2013 und nun pl\u00f6tzlich zu einer regelrechten Lebenswende-Bewegung wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Getragen wurde die von engagierten Frauen. Christel Gro\u00df arbeitet damals viel in der Erwachsenenbildung mit Frauen an der Volkshochschule in Kassel. Und im Schwalm-Eder-Kreis gr\u00fcndete sie alsbald den Verein \u00bbFrauen nach Tschernobyl\u00ab mit. \u00bbDas war eine recht breite Bewegung hier auf dem Land\u00ab, sagt sie. Ihr Verein wuchs und hatte bald mehrere regionale Untergruppen, und auch der Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk im nahen Borken wuchs.<\/p>\n\n\n\n<p>Sich gegen ein vor Ort geplantes Atomkraftwerk zu engagieren, war nach Tschernobyl dann aber nicht mehr genug. Die radioaktive Wolke war gut eintausendf\u00fcnfhundert Kilometer unterwegs von dort bis hierher. Und sie war eben auch Ausdruck einer, Grenzen und Bl\u00f6cke \u00fcbergreifenden, r\u00fccksichtslosen Wirtschaftsweise. Der etwas entgegenzusetzen bedeutete grundlegendes Umdenken und ganz anderes Wirtschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp; Der studierte Landwirt und Landschaftsplaner Dietmar Gro\u00df hatte das alles im Kopf schon vorsortiert, aber mit den H\u00e4nden noch nicht umgesetzt. Als Student und dann als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Gesamthochschule Kassel, hatte er sich mit den \u00bb<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Grenzen_des_Wachstums\">Grenzen des Wachstums<\/a>\u00ab auseinandergesetzt. Das war der von Donella und Dennis Meadows und ihrem Team ausgearbeitete und vom Club of Rome in Auftrag gegebene \u00bbBericht zur Lage der Menschheit\u00ab, dessen erste Fassung bereits 1972 erschienen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem war Dietmar Gro\u00df schon damals Mitglied der AbL, der <a href=\"https:\/\/www.abl-ev.de\/start\">Arbeitsgemeinschaft b\u00e4uerliche Landwirtschaft<\/a>, deren hessischer Sprecher er sp\u00e4ter wurde. Und auch dort wirkte dann der \u00bbTschernobyl-Effekt\u00ab, wie er das heute nennt: \u00bbWir sagten uns: Mensch, wir m\u00fcssen nicht nur \u00fcber \u00f6konomische Rahmenbedingungen reden, sondern wir m\u00fcssen auch \u00f6kologisch grunds\u00e4tzlich neue Wege gehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis war eine regelrechte Umstellungswelle \u2013 hin zur Biolandwirtschaft. \u00bbWir haben gemerkt: Es reicht nicht zu diskutieren, wie wir M\u00e4rkte und Marktakteure politisch attackieren oder die Parteien, die die Wachstumslandwirtschaft weiterhin unterst\u00fctzt haben, sondern es geh\u00f6rt auch eine neue Marktstrategie dazu. Und die setzt eben da an, wo Menschen sagen, wir brauchen eine nachhaltigere Wirtschaftsweise, die dann eingebettet ist in eine Gesamtvision von der Landwirtschaft und auch einer Gesellschaft, die eben nicht Atomkraftwerke und intensive Stickstoff-Produktion als energieverbrauchenden Teil der Landwirtschaft braucht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbF\u00fcr uns war immer die Praxis entscheidend\u00ab, sagt Christel Gro\u00df: \u00bbDas Vorgedachte auch umsetzen, durch praktische Arbeit Ver\u00e4nderung herbeif\u00fchren.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Ab jetzt alles anders<\/h2>\n\n\n\n<p>Und was bedeutet das dann konkret? Wie stellt man einen Hof auf Biolandwirtschaft um, der f\u00fcr diese Umstellung denkbar schlecht vorbereitet ist?<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbMein Vater war ein passionierter Schweinez\u00fcchter\u00ab, sagt Dietmar Gro\u00df: \u00bbDeutsche Landrasse\u00ab. In Spitzenzeiten lebten bis zu achtzig Zuchtsauen auf dem Hof, der Ferkel und Zuchttiere verkaufte. Aber Ende der 1980er Jahre zeichnete sich schon ab, dass diese Art der Landwirtschaft kaum noch eine Zukunft haben wird \u2014 auch nicht auf dem konventionellen Markt. Der wurde n\u00e4mlich gerade von gro\u00dfen Zuchtkonzernen mit neu gez\u00fcchteten Hybridschweinen aufgemischt, und gr\u00f6\u00dfere Halter von Bio-Schweinen gab es damals noch gar nicht.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"713\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Dietmar-und-Sohn-713x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3431\" style=\"aspect-ratio:0.6962948225238057;width:413px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Dietmar-und-Sohn-713x1024.jpg 713w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Dietmar-und-Sohn-209x300.jpg 209w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Dietmar-und-Sohn-768x1103.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Dietmar-und-Sohn-1069x1536.jpg 1069w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Dietmar-und-Sohn-1426x2048.jpg 1426w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Dietmar-und-Sohn-scaled.jpg 1782w\" sizes=\"auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die erste Frage f\u00fcr junge Eltern nach Tschernobyl 1986: Wie ern\u00e4hren wir jetzt unsere Kinder? | Foto: privat<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>\u00bbMir war klar, dass wir zweifach umstellen mussten\u00ab, sagt Dietmar Gro\u00df. \u00bbAus der Struktur Schweinezucht und Futteranbau f\u00fcr die Schweine muss ich raus, wenn ich \u00d6kolandbau machen will.\u00ab Es musste also eine neue Form der Landwirtschaft her und auch gleich eine neue Form der Vermarktung. Denn die zuk\u00fcnftigen Bioprodukte sollten nicht an den Naturkosthandel gehen, den es in nennenswerter Gr\u00f6\u00dfe in der l\u00e4ndlichen Region damals nicht gab, und sie konnten auch nicht an die Bio-Superm\u00e4rkte gehen, die es ebenfalls noch nicht gab. Alnatura war gerade erst gegr\u00fcndet worden und die anderen waren noch nicht einmal geplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb wollten Christel und Dietmar Gro\u00df es mit den Leuten versuchen, die sie in der Region durch den Widerstand gegen das geplante AKW Borken und durch Tschernobyl kennengelernt hatten. \u00bbDirektvermarktung\u00ab hie\u00df das Zauberwort.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbUns war damals klar geworden, dass wir in der Landwirtschaft etwas Grunds\u00e4tzliches \u00e4ndern m\u00fcssen\u00ab, sagt Dietmar Gro\u00df. Das war die eher intellektuelle Erkenntnis. Wenn nun aber das Neue vor Ort neu aufgebaut werden sollte, wie dann genau?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Hilfe der Menschen, die in jener Zeit ebenfalls angefangen hatten, neu nachzudenken, wie und wo sie einkaufen und was sie konsumieren wollen. \u00bbDurch diese gesellschaftliche Bewegung, die in der Region recht breit aufgestellt war, weil wir eben auch mit dem geplanten AKW in Borken konfrontiert waren, entstand f\u00fcr mich das Gef\u00fchl: Ja, jetzt ist die richtige Zeit, um auch den eigenen Betrieb umzustellen auf \u00d6kolandbau und neue Vermarktungswege zu gehen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Bioladen einer Region<\/h2>\n\n\n\n<p>Heute ist der Biohof Gro\u00df der Bioladen einer ganzen Region. In der nur zwei Kilometer entfernten Kleinstadt Homberg, zu der die umliegenden D\u00f6rfer geh\u00f6ren, gibt es keinen Bio-Supermarkt. \u00bbZu klein f\u00fcr Alnatura und Denns\u00ab, sagt Dietmar Gro\u00df. Aber gro\u00df genug f\u00fcr einen Hofladen, der in den letzten Jahrzehnten immer weiter gewachsen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kundinnen und Kunden kommen mit dem Fahrrad aus der N\u00e4he, oder mit dem Auto auch aus entfernteren D\u00f6rfern. Sie fahren auf den gro\u00dfen, gepflasterten Hof zwischen dem Wohnhaus und den alten Stallungen, und gehen direkt auf die alte Scheune zu, die heute Teil des Hofladens ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Geb\u00e4ude um den Hofplatz sind gut erhaltene Fachwerkbauten, die in den letzten Jahrzehnten immer wieder neuen Nutzungen zugef\u00fchrt und dabei restauriert wurden. Ein Bilderbuch-Bauernhof an der Deutschen Fachwerkstra\u00dfe, der heute aber nur so dasteht, weil er in den letzten Jahrzehnten st\u00e4ndig erneuert wurde \u2013 und das nicht nur \u00e4u\u00dferlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade wird ein ehemaliger Schweinestall in einer Ecke des Hofgevierts von einer Gruppe junger Schreinerinnen und Schreiner zu ihrer k\u00fcnftigen Tischlerei ausgebaut. Aber den meisten Raum nimmt bei weitem der Hofladen ein, der l\u00e4ngst ein ausgewachsener Bio-Supermarkt geworden ist, zuletzt erweitert um ein Bistro, denn der Hofladen hat sich auch zum Treffpunkt entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzte Erweiterung haben schon die Nachfolger von Christel und Dietmar Gro\u00df vorgenommen. Ihr zweiter Sohn Malte ist nach seinem Studium vor zehn Jahren dann doch wieder aufs Land zur\u00fcckgekommen, hat eine Landwirtschaftslehre angeh\u00e4ngt und ist auf dem elterlichen Hof eingestiegen \u2013 zusammen mit Freunden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Christel und Dietmar Gro\u00df ging ein Traum in Erf\u00fcllung: Sie konnten den Hof an die n\u00e4chste Generation \u00fcbergeben. Auch wenn aus der urspr\u00fcnglichen Idee von Malte Gro\u00df und Florian Werle erst einmal nichts geworden ist. Die beiden P\u00e4dagogikstudenten wollten auf dem Hof in M\u00fchlhausen eigentlich Bauernhofp\u00e4dagogik machen. Jetzt machen sie stattdessen Landwirtschaft und Hofladen und Marktst\u00e4nde, und Um- und Ausbau. Daf\u00fcr steht der Dritte im Bund, der gelernte Zimmermann Niklas Welschof.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer in diese Geschichte tiefer einsteigen will: Barbara Petermann hat f\u00fcr den Hessischen Rundfunk vor f\u00fcnf Jahren eine ausgewachsene Doku dar\u00fcber gedreht \u2014 \u00bb<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oDfzz14XNac\">Drei Freunde und ein Biohof<\/a>\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Von Kunden lernen<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"969\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Marktstand-Homberg-969x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3430\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Marktstand-Homberg-969x1024.jpg 969w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Marktstand-Homberg-284x300.jpg 284w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Marktstand-Homberg-768x812.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Marktstand-Homberg-1454x1536.jpg 1454w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Marktstand-Homberg-1938x2048.jpg 1938w\" sizes=\"auto, (max-width: 969px) 100vw, 969px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hier fing die Direktvermarktung an: Dietmar Gro\u00df best\u00fcckt den Marktstand in der Kreisstadt Homberg. | Foto: privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der heutige Biohof Gro\u00df mit seinem tats\u00e4chlich gro\u00dfen Hofladen, in dem es inzwischen alles gibt, auch Toilettenpapier und Kosmetik, fing als winzige Direktvermarktung an. Wobei am Anfang noch nicht viele Produkte vorhanden waren, die man direkt vermarkten konnte. Was es allerdings gab, das war die landestypische \u00bb<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ahle_Wurst\">Ahle Wurscht<\/a>\u00ab, die nordhessische Salami aus Schweinefleisch. Aber sonst \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSonst haben uns die Kunden gelehrt, was gebraucht und verlangt wird,\u00ab sagt Dietmar Gro\u00df. Sie kamen an den ersten Markstand, den Christel und Dietmar Gro\u00df im Kreisst\u00e4dtchen Homberg aufgebaut hatten und lobten die Ahle Wurscht, fragten aber gleichzeitig, was denn wohl mit Kartoffeln sei und vor allem: Wo bleibt das frische Gem\u00fcse? Wir unterst\u00fctzen Euch gern bei der Umstellung auf Bio, haben die Kundinnen und Kunden auf dem Markt gesagt, aber nur wegen der Salami auf den Markt und an den Stand zu kommen, das sei ein bisschen aufwendig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAlso mussten wir unseren Gem\u00fcsebau aufbauen und neu lernen\u00ab, sagt Dietmar Gro\u00df. Am Anfang war das ein halber Hektar Feldgem\u00fcse, dann wurden es anderthalb Hektar, dann wurde ein erstes Gew\u00e4chshaus aufgestellt, dann ein zweites.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den Gem\u00fcseanbaufl\u00e4chen musste aber auch der Absatz wachsen. Also kamen neue Marktst\u00e4nde dazu und als n\u00e4chstes die Fahrten in die Stadt: Ab nach Kassel, dahin, wo auch die umweltbewussten Menschen keinen eigenen Gem\u00fcsegarten haben. Und weil der Gem\u00fcseanbau sich auch lohnen musste, weil die daf\u00fcr n\u00f6tige Technik auch eingesetzt und ausgenutzt werden sollte, kam als n\u00e4chstes die Idee mit der Gem\u00fcsekiste.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre, als die Gem\u00fcsekiste gerade erst erfunden und keineswegs verbreitet war. Was damals noch nicht klar war: Wie logistisch aufwendig das Ausfahren von Gem\u00fcsekisten im Abo-System sein kann und wieviel Arbeitszeit dahintersteckt, die auf dem Gem\u00fcseacker und im Gew\u00e4chshaus fehlt. Das mussten Christel und Dietmar Gro\u00df dann auch lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was den Absatz angeht, habe sich das gelohnt, sagt Dietmar, aber finanziell insgesamt gesehen nicht. \u00bbDas Geld ist an den R\u00e4dern h\u00e4ngen geblieben.\u00ab Also wurde die Idee Gem\u00fcsekiste bald wieder begraben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber etwas Gutes hatte sie doch: Durch die regelm\u00e4\u00dfigen Fahrten mit den Kisten in die Stadt, hat sich in der Region herumgesprochen, dass es da einen Biohof gibt im D\u00f6rfchen M\u00fchlhausen, auf dem zwei Mal die Woche Gem\u00fcsekisten f\u00fcr Kassel gepackt werden. \u00bbUnd dann kamen die Leute an den Packtagen auf den Hof und haben eingekauft. Und dann sagten wir uns: Dann machen wir doch einen Hofladen auf, wenn das Interesse da ist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-Bistro-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3432\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-Bistro-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-Bistro-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-Bistro-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-Bistro-1536x863.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-Bistro-2048x1151.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Einmal alles: Der Bistrobereich des Biohofs Gro\u00df im D\u00f6rfchen M\u00fchlhausen. Entr\u00e9e zu fast zweihundert Quadratmetern Hofladen mit Vollsortiment und Kaffee-Empore in der ausgebauten Scheune. | Foto: Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Nukleus Hofladen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Hofladen war am Anfang ein kleiner Raum mit ein paar selbstgezimmerten Regalen, in denen die Gem\u00fcsekisten standen. Dann die Einfahrt einer der alten Scheunen, hinter dem Tor eine Waage, Regale, eine Vitrine mit der Wurst. Ge\u00f6ffnet nur, wenn nicht gerade ein Markt beschickt werden musste. Dann wuchs der Hofladen in die Scheune hinein und irgendwann musste dann aus- und umgebaut werden. Der Bruder und die Schw\u00e4gerin halfen mit, die ersten Teilzeitkr\u00e4fte wurden eingestellt, sowohl f\u00fcr den Hofladen als auch f\u00fcr den Gem\u00fcsebau.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der damals eben doch noch kleine Hofladen ersetzte nicht den durch die eingestellten Gem\u00fcsekisten fehlenden Umsatz. So kam es zur Belieferung der Superm\u00e4rkte von tegut. Das war eine lokale hessische Supermarktkette, die inzwischen vom Schweizer Handelsriesen Migros \u00fcbernommen wurde und gerade abgewickelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu besseren Zeiten hatte tegut durchaus den Anspruch, regionale Lebensmittel zu vermarkten und \u2014 vor vielen anderen Einzelhandelsketten \u2014 durchaus auch Bio-Lebensmittel aus der Region.<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber bedeutet es f\u00fcr einen b\u00e4uerlichen Betrieb, nicht an einzelne Einzelh\u00e4ndler in der N\u00e4he zu liefern, sondern gleich an eine ganze Einzelhandelskette? \u00bbDas war ein absoluter Stress\u00ab, sagt Christel Gro\u00df. \u00bbDa wurde jeder Blumenkohl, jede Gurke und jedes Brokkoli mit einer Banderole versehen.\u00ab Denn im Supermarkt lag das Biogem\u00fcse neben dem konventionellen und musste deshalb extra ausgezeichnet und als Bio-Lebensmittel kenntlich gemacht sein. \u00bbUnd dann musste morgens um f\u00fcnf der Wagen vom Hof fahren, damit tegut um sieben das Gem\u00fcse zum Verteilen an die M\u00e4rkte hatte.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWir mussten uns diesen Stress aber antun damals\u00ab, sagt Dietmar Gro\u00df. In der Aufbauphase der Direktvermarktung seien zus\u00e4tzliche Absatzm\u00f6glichkeiten n\u00f6tig gewesen. Die Fl\u00e4chen sollten einigerma\u00dfen rationell bearbeitet werden, und der Hofladen war damals noch nicht so gro\u00df und so gut eingef\u00fchrt, dass er den Betrieb ausreichend mitfinanzieren konnte. \u00bbDen Ausflug zu tegut konnten wir dann aber nach zwei Jahren auch wieder beenden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist der Hofladen der Nukleus des Betriebes. Da wird der Umsatz gemacht und mit dem wiederum wird auch die regionale Biolandwirtschaft gest\u00fctzt. Malte Gro\u00df baut zum Beispiel auch Getreide an, das als Brotgetreide m\u00f6glichst an den \u00bbBrotgarten\u00ab gehen soll, die Biob\u00e4ckerei in Kassel, die ihrerseits den Hofladen mit Brot und Br\u00f6tchen beliefert. Regionale Kreislaufwirtschaft, wie sie auch bei anderen Zulieferern des Hofladens deutlich wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkurrenz durch andere Hofl\u00e4den oder Biom\u00e4rkte gibt es in der engeren Region nicht mehr. Es gab in den Anf\u00e4ngen der Bio-Bewegung mal zwei kleine Naturkostl\u00e4den im nahen Kreisst\u00e4dtchen Homberg. Die aber sind schon lange nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs gab auch hier irgendwann eine Professionalisierung der Biol\u00e4den\u00ab, sagt Dietmar Gro\u00df, \u00bbaber nicht in der Stadt Homberg, sondern auf dem Dorf, im Hofladen beim Biohof Gro\u00df.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3433\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-1536x863.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofladen-2048x1151.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Immer noch ein Raum kam dazu im Laufe der Zeit, immer weiter hinein in die Tiefen der alten Scheunen und Stallungen. Die Ausbaustufen des Hofladens sind noch zu erkennen. | Foto: Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dass die Leute in seinen Laden zum Einkaufen kommen, oder jetzt in den Hofladen von Sohn Malte und seinen Freunden, \u00bbdas liegt auch daran, dass wir hier immer f\u00fcr mehr standen als einen Laden, in dem man Bio einkaufen kann.\u00ab Christel und Dietmar Gro\u00df rechnen die Beliebtheit ihres Hofes als Einkaufsladen und Treffpunkt auch ihrem jahrzehntelangen Engagement zu, das \u00fcber den Bioanbau und den Einzelhandel hinaus geht. Die beiden waren immer Teil der \u00d6kobewegung in Nordhessen, die letztlich das Atomkraftwerk in Borken verhindert hat, und die auch daf\u00fcr gesorgt hat, dass der damalige US-Konzern Monsanto seinen genetisch ver\u00e4nderten Mais nicht auf einem nordhessischen Versuchsfeld auss\u00e4hen durfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich mag das Engagement der Biobauern etwas sein, was manche Kundin, manchen Kunden in den Hofladen bringt. Aber der h\u00e4tte die anderswo allgegenw\u00e4rtige Krise der Biol\u00e4den und Direktvermarkter nicht so wegstecken k\u00f6nnen, wie er das getan hat in den letzten Jahren, wenn da nicht mehr w\u00e4re. Die Idee mit dem Mitgliedsbeitrag zum Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunden, die Mitglied im Hofladen werden wollen, zahlen f\u00fcr jeden Erwachsenen im Haushalt derzeit 21 Euro Beitrag und kaufen daf\u00fcr dann verg\u00fcnstigt ein. Auf allen Waren im Laden stehen zwei Preise \u2013 ein normal kalkulierter und einer f\u00fcr Mitglieder. Zwischen zehn und f\u00fcnfundzwanzig Prozent Rabatt gibt es f\u00fcr sie. Das sorgt daf\u00fcr, dass viele ihren Wocheneinkauf im Hofladen machen und dass der Einkaufs-Bon bei durchschnittlich vierzig Euro liegt. \u00bbUnd dass der Einkauf bei uns am Ende g\u00fcnstiger sein kann, als bei Edeka oder Rewe\u00ab, sagt Dietmar Gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Vierzig Jahre nach dem Startsignal Tschernobyl, denn das war die atomare Katastrophe in der europ\u00e4ischen Nachbarschaft f\u00fcr die Biolandwirtschaft, habe ich einen um sein pers\u00f6nliches Fazit gebeten, der damals gestartet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst schaut Dietmar Gro\u00df auf die eigene kleine Biowelt, die von seinem Hof und seinen Kundinnen und Kunden. Und das hei\u00dft auch: auf die Art Bio, die es da gibt und die da eingekauft werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs war der richtige Weg, den wir eingeschlagen haben, und es war vor allem auch richtig und wichtig, immer die Kunden ernst zu nehmen in ihrer umfassenderen Werthaltung, die sie auch haben. Also nicht nur als Lieferanten von Geld, was man braucht, wenn man Ware feilbietet. Wir haben immer sehr gut mit unserer Kundschaft auf Augenh\u00f6he und im direkten Gespr\u00e4ch und in gemeinsamen politischen Aktivit\u00e4ten zusammengearbeitet. Und ich glaube, das ist auch in Zukunft das Profil, was uns noch unterscheidbar macht im Biomarkt von denen, die Bio jetzt als Ware mit einem Sonderattribut handeln, dass wir eben weiterhin sagen: Bei uns kriegst du eben nicht nur Bio-Ware, sondern wir versuchen, so viel wie m\u00f6glich auch selber zu erzeugen. Und wir machen und vermarkten es auch in einer partnerschaftlichen Art und Weise.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und was ist mit dem anderen Bio, mit dem, dass es jetzt auch in den Superm\u00e4rkten und bei den Discountern gibt? Was ist mit dem Bio, dass die Kunden dort kaufen, weil sie nicht mehr in den Biomarkt gehen, der teurer ist oder den sie auch nur f\u00fcr teurer halten? Auch dort gibt es nicht nur das EU-Bio mit den geringeren Auflagen, sondern Ware von den gro\u00dfen Anbauverb\u00e4nden, von Bioland zum Beispiel, dem Verband, dem auch der Biohof Gro\u00df seit 1989 angeh\u00f6rt. Ist das ein anderes Bio als das im Biohof Gro\u00df? \u00bbIm Prinzip ja\u00ab, sagt Dietmar Gro\u00df, auch wenn es nach denselben Vorgaben produziert wurde und mit demselben Label ausgezeichnet ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofansicht-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3434\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofansicht-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofansicht-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofansicht-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofansicht-1536x863.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Biohof-Gross-Hofansicht-2048x1151.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bilderbuchbauernhof an der Deutschen Fachwerkstra\u00dfe &#8211; mit Direktvermarktung im vierten Jahrzehnt: Der Eingang zum Hofladen des Biohofs Gro\u00df in M\u00fchlhausen. | Foto: Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00bbDer Prozess der Industrialisierung im Biobereich schreitet im Moment rapide voran, weil jetzt v\u00f6llig andere Erfassungssysteme die Art und Weise bestimmen, wie die landwirtschaftliche Urproduktion organisiert sein muss. Konkret: Wenn du die Zentrale eines der Gro\u00dfen beliefern willst, musst du jede Menge Auflagen erf\u00fcllen, Zertifizierungssysteme weit \u00fcber Bio hinaus. Und du musst entsprechende Mengen gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen. Der Ma\u00dfstab f\u00fcr eine Anlieferung ist eben der 25-Tonner-K\u00fchlauflieger. Den muss ich vollkriegen, nur dann habe ich eine Chance, die Ware loszuwerden, weil sich sonst der Logistikaufwand f\u00fcr die gro\u00dfen Einzelhandelskonzerne gar nicht lohnt. Und die Betriebe, die da mithalten k\u00f6nnen &#8211; das sind keine b\u00e4uerlichen Betriebe mehr, das ist ausgeschlossen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>War das gemeint, als sich vor ein paar Jahren Branchenverb\u00e4nde und Naturschutz zum B\u00fcndnis \u00bbBio f\u00fcr alle\u00ab zusammengetan haben? Wohl eher nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber so ist die Entwicklung vierzig Jahre nach dem Startsignal, das eigentlich eine atomare Katastrophe war. In einer Zeit \u2014 und das muss hier auch noch erw\u00e4hnt werden \u2014, in der auch die EU wieder Atomkraftwerke f\u00f6rdern will und ein irrlichternder Ministerpr\u00e4sident in Deutschland modulare Klein-AKW bauen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur den Atomm\u00fcll, den m\u00f6chte dann doch lieber keiner haben. Muss ja auch niemand, denn der Standort f\u00fcr das deutsche Endlager soll nun wohl doch erst 2046 festgelegt werden, schlappe f\u00fcnfzehn Jahre sp\u00e4ter als der eigentlich viel zu sp\u00e4te Termin, der zuvor geplant war.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Hinweis in eigener Sache: Der n\u00e4chste \u00bbF\u00fchrerschein f\u00fcr Einkaufswagen nicht am n\u00e4chsten ersten Donnerstag im Monat, sondern erst am \u00fcbern\u00e4chsten, also Anfang Juni.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesen Tagen j\u00e4hrt sich ein Ereignis, das die Welt ver\u00e4ndert hat. Und dieses Ereignis war kein Krieg, auch wenn seine Auswirkungen denen eines Krieges \u00e4hnelten. Am 26. April vor vierzig Jahren explodierte ein Reaktorblock des Atomkraftwerkes Tschernobyl in der Ukraine. 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