{"id":3446,"date":"2026-06-04T08:00:00","date_gmt":"2026-06-04T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/?p=3446"},"modified":"2026-06-02T19:00:05","modified_gmt":"2026-06-02T17:00:05","slug":"der-bauer-und-der-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/der-bauer-und-der-tod\/","title":{"rendered":"Der Bauer und der Tod"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"524\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-mit-Bulle-MariaFeck-1024x524.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3451\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-mit-Bulle-MariaFeck-1024x524.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-mit-Bulle-MariaFeck-300x154.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-mit-Bulle-MariaFeck-768x393.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-mit-Bulle-MariaFeck-1536x787.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-mit-Bulle-MariaFeck.jpg 1572w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gl\u00fcckliche Familie mit Kuh und freundlichem Bullen: Aber Bj\u00f6rn Scherhorn h\u00e4tte sich fast einmal selbst aus dem Leben entfernt, bevor er mit Johanna neu starten konnte &#8211; sich und die Landwirtschaft. | Foto: Maria Feck<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Thema dieses Blogs und des zugeh\u00f6rigen <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/ffe052-der-bauer-und-der-tod\/\">Podcasts<\/a> ist kein leichtes. Das verr\u00e4t schon der Titel. Aber es ist ein notwendiges, denn die Bauern sterben. Nicht nur, weil ihre H\u00f6fe dem sogenannten Strukturwandel zum Opfer fallen, nicht nur, weil sie Opfer ihres Umgangs mit Pestiziden werden, Krebs bekommen oder Parkinson; auch weil sie ganz pers\u00f6nlich nicht mehr weiterwissen und k\u00f6nnen. Die Landwirtschaft ist eine Branche mit extrem hoher Suizidrate. Das ist in der Schweiz oder in Frankreich schon l\u00e4nger bekannt, jetzt wird das auch in Deutschland wahrgenommen. Und es besch\u00e4ftigt sogar die Europ\u00e4ische Union.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dieses Thema hat mich Bj\u00f6rn Scherhorn gebracht. Nicht weil er mir davon erz\u00e4hlt hat, sondern weil ich ihn ganz offen dar\u00fcber sprechen h\u00f6rte und sah &#8211; in der YouTube-Sendung <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/studio16\/bringen-wir-unsere-bauern-um\/ndr\/Y3JpZDovL25kci5kZS8xMjdiMjdjZC0yMjkwLTRhNDgtYWUzMS1jY2YyOWZmMDBkZmE\">\u00bbBringen wir unsere Bauern um?\u00ab<\/a> von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/studio16\">\u00bbStudio16\u00ab<\/a> beim NDR. \u00bbMensch, den kennst Du!\u00ab war meine Reaktion auf seinen kurzen Auftritt dort. Und dann habe ich ihn angerufen und gefragt, ob er mir die ganze Geschichte erz\u00e4hlt: die Geschichte von seinem Weg bis hinauf unters Dach zu jenem Balken, mit dem Strick in der Hand, und seinem Weg wieder hinunter, zur\u00fcck zu den K\u00fchen und dann zum Leben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Die Hunderttausend-Liter-Kuh<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe auf dem Hof Scherhorn bei Berge im Landkreis Osnabr\u00fcck nicht nur au\u00dfergew\u00f6hnliche Menschen kennengelernt, sondern auch einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Bullen. Er ist ein gewaltiger Piemonteser, grau mit gro\u00dfen schwarzen Augenr\u00e4ndern und schwarzer Schwanzspitze, und so freundlich, wie ich noch nie einen Bullen erlebt habe. Er kam extra zum Schmusen zu uns und forderte Streicheleinheiten ein, wenn auch mit sehr tiefer Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber: freundliche Bullen, entspannte K\u00fche, spielende K\u00e4lber, grasende Schafe und neugierige Schweine, viele Schwalben und Kiebitze und Eulen, sind das gl\u00fcckliche Ende der Geschichte. Angefangen hat das alles ganz anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">N\u00e4mlich mit den Hunderttausend-Liter-K\u00fchen des Vaters Scherhorn. Die gab es dort schon in den 1990er Jahren: K\u00fche, die zehntausend Liter Milch im Jahr gaben, hunderttausend war ihre \u00bbLebensleistung\u00ab. Daf\u00fcr gab es dann Pr\u00e4sentationsteller vom Zuchtverband und der Nachwuchs der Superk\u00fche lie\u00df sich auf dem Jungviehmarkt gut verkaufen. Der Hof stand gut da, eine offensichtlich funktionierende konventionelle Landwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbAls ich der Betriebsleiter wurde\u00ab, sagt Bj\u00f6rn Scherhorn \u00bbwar der Hof ein stramm durchorganisiertes konventionelles Produktionssystem.\u00ab 240 Mastschweinpl\u00e4tze, 55 Milchk\u00fche mit weiblicher Nachzucht und Bullenmast. 74 Hektar eigenes Land, davon rund drei\u00dfig Hektar Getreide. Ackergras f\u00fcr Gr\u00fcnfutter nach Gerste und dann im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr Mais, das war eine normale Fruchtfolge.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Haupthaus-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3452\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Haupthaus-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Haupthaus-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Haupthaus-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Haupthaus-1536x863.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Haupthaus-2048x1151.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Seit dem 13. Jahrhundert sind sie Bauern, der Familienhof ist zur Zeit der Franz\u00f6sischen Revolutioon gebaut. Beinahe aber w\u00e4re es nicht weitergegangen auf dem Hof Scherhorn in Berge. | Dieses und alle weiteren Fotos: Florian Schwinn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Hof\u00fcbernahme \u2013 Erbprobleme<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf diesem Hof entwickelte sich Jungbauer Bj\u00f6rn Scherhorn dann zum Vorzeigelandwirt. Erst die Lehre, dann die Fachschule und den Meister, dann den elterlichen Hof \u00fcbernommen. Wobei \u2013 und damit beginnen die Probleme: Vater Scherhorn schaffte es nicht, den Hof an den Sohn zu \u00fcbergeben; der musste ihn vom Vater pachten. Weder die \u00fcber siebzig Hektar eigenes Land, noch Haus und Hof geh\u00f6rten ihm. Das sollte noch problematisch werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zweite Problem, das Bj\u00f6rn Scherhorn von seinem Vater erbte, war das Land selbst. Das war n\u00e4mlich fr\u00fcher von Mooren durchsetzt und auch sonst ziemlich nass. Was man heute noch sehen kann, wenn man durch die Gegend f\u00e4hrt. Viele der alten H\u00e4user, der ehemaligen Bauernh\u00f6fe, sind von \u00fcppigen Hecken aus Rhododendren umgeben, mit Pflanzen also, die sauren, feuchten Boden brauchen. Der Familienname der Scherhorns, die seit siebenhundert Jahren in dieser Gegend Bauern sind, deutet schon daraufhin, was es dort urspr\u00fcnglich gab: Tiere mit H\u00f6rnern und Schafe, die zu scheren waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zuge der sogenannten Gr\u00fcnen Revolution in den 1960er Jahren wurde dann eine jahrhundertealte Weidelandschaft zu \u00c4ckern gemacht. Das Land wurde dr\u00e4niert und mit tiefen Gr\u00e4ben durchzogen, die das Wasser wegschafften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das war der Hof, den Bj\u00f6rn Scherhorn vom Vater pachtete und den er dann noch einmal optimierte. Zum Beispiel, indem er die Milchk\u00fche, die er als Kind noch in Anbindehaltung kennengelernt hatte, dann aber mit sommerlichem Weidegang, nun ganz im Stall hielt. Im modernen Laufstall inzwischen, aber eben drinnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So hatte er das gelernt in der Berufsschule und dann in der Fachschule: \u00bbLass die K\u00fche mal lieber drin\u00ab, sagten seine Lehrer und sp\u00e4ter dann die Fachberater. \u00bbJedes Mal, wenn die rausgeht, verpulvert die Kuh eigentlich nur Energie, die du besser in Form von Milch verkaufen kannst. Futter kostet, und wenn die dir das dann da drau\u00dfen verballert, das rechnet sich nicht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Hohe Leistung \u2013 kranke K\u00fche<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bald hatten die K\u00fche nur noch einen Auslauf am Boxenlaufstall. Und bald hielt Betriebsleiter Bj\u00f6rn Scherhorn dann auch K\u00fche, die drau\u00dfen gar nicht mehr satt geworden w\u00e4ren. Es ging in Richtung HF \u2013 Holstein-Friesian Hochleistungskuh. Mit zehntausend Litern Milchleistung im Jahr hatte er die damals besten K\u00fche vom Vater \u00fcbernommen. Bei ihm gaben die besten dann elftausend und mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wobei er heute noch sagt: \u00bbIch bin auch gerne konventioneller Landwirt gewesen, es hat mir Spa\u00df gemacht, an den Stellschrauben zu drehen, um noch mehr Milchleistung herauszukitzeln.\u00ab Und es hat ja auch eine Weile funktioniert. Er hatte K\u00fche, die gaben siebzig Liter am Tag. Er war aber dann irgendwie vom Landwirt zum Feuerwehrmann geworden. Er beschreibt sich heute als einen Gehetzten, der st\u00e4ndig versuchte, die gesundheitlichen Brandherde im Stall zu l\u00f6schen. \u00bbDu rennst die ganze Zeit diesem Zuchterfolg auf Leistung hinterher. Du bist nur damit besch\u00e4ftigt, die negativen Folgen der Hochleistung abzufangen: dass dein Tier nicht in die Ketose oder ein Nachgeburtsverhalten f\u00e4llt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ketose ist eine Stoffwechselkrankheit, die entsteht, wenn die K\u00fche mehr Energie verbrauchen, als ihr K\u00f6rper aufnehmen kann, also vor allem direkt nach der Geburt des Kalbs mehr Milch geben, als sie aus dem Futter produzieren k\u00f6nnen. Nachgeburtsverhalten hei\u00dft, dass die Geb\u00e4rmutter die Nachgeburt nicht abst\u00f6\u00dft, was zu schweren Entz\u00fcndungen f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit einem Wort: Bj\u00f6rns Hochleistungsk\u00fche wurden \u00f6fter krank. Und sie wurden dann auch nicht mehr so alt, sie gingen viel fr\u00fcher zum Schlachter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbMir tat das dann schon leid, dass die K\u00fche nicht mehr so alt wurden wie fr\u00fcher\u00ab, sagt er. Aber so hatte er das gelernt: Die Produktionseinheit Rind und die Produktionseinheit Schwein musste nur gut gef\u00fchrt werden, dann stimmte die Leistung schon. Und so war es dann auch: An Milchleistung mangelte es nicht beim Hof Scherhorn. Und auch die Mastschweine waren top, genau wie vom \u00bbMarkt\u00ab verlangt. Nur das Geld stimmte nicht. Es war immer zu wenig. \u00bbProduktion konnte ich\u00ab, sagt Bj\u00f6rn Scherhorn, \u00bbaber verkaufen kannst du ja nicht. Deine Molkerei sagt dir, was sie gibt, und dein Viehh\u00e4ndler holt die Schweine zu seinem Kurs ab. Du musst nehmen, was du kriegst. Oder du sagst: Ich werde gr\u00f6\u00dfer und bekomme dann Mengenzuschl\u00e4ge.\u00ab Das ging aber auch nicht, denn der Hof geh\u00f6rte ja nicht ihm.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"531\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidekuehe-1024x531.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3453\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidekuehe-1024x531.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidekuehe-300x156.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidekuehe-768x398.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidekuehe-1536x796.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidekuehe-2048x1062.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Entspannte Weidek\u00fche aus verschiedenen Kreuzungen &#8211; mit H\u00f6rnern. So sahen die K\u00fche auf Hof Scherhorn fr\u00fcher nicht aus, und auf der Weide waren sie auch nicht.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Gefangene des Systems<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle im Gespr\u00e4ch mit Bj\u00f6rn Scherhorn habe ich ihm gesagt, was ich schon \u00f6fter im Gespr\u00e4ch mit Bauern gesagt habe: Die Land-Wirtschaft ist die einzige Wirtschaftsbranche, die ich kenne, die w\u00e4chst, wenn sie keinen Gewinn macht. Wenn die Milch in der Produktion mehr kostet, als sie einbringt, werden mehr K\u00fche gemolken, wenn der Schweinepreis im Keller ist, werden mehr Schweine aufgestallt. Dabei \u00e4ndern die Mengenzuschl\u00e4ge nichts am System.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbUnd wir Bauern sind die Gefangenen dieses Systems\u00ab, sagt Bj\u00f6rn Scherhorn. \u00bbEin Unternehmer w\u00fcrde sagen: Moment, da m\u00fcssen wir jetzt aber mal was an den Preisen machen, und dann schreiben wir andere Rechnungen. Aber ein selbstst\u00e4ndiger Landwirt ist gefangen zwischen den Welten. Er ist auf der einen Seite voll haftbar, tr\u00e4gt volle Verantwortung, kann auf der anderen Seite aber nicht selber \u00fcber die Preise bestimmen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Voll haftbar wird der Landwirt auch f\u00fcr die Sch\u00e4den gemacht, die die Art der Landwirtschaft zeitigt, die Bj\u00f6rn Scherhorn damals auch betrieb: Stichworte Tierwohl, Umweltschutz, Artensterben. Er h\u00e4tte damals auch gerne mehr Tierwohl gemacht, den Schweinen Auslauf gegeben, die K\u00fche wieder rausgelassen. \u00bb Ich habe meine K\u00fche ja auch damals geliebt.\u00ab Daf\u00fcr war aber kein Geld da.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbDas Einzige, was ein Landwirt hat, wenn es nicht mehr reicht, ist sein Land. Das ist das rare Gut, hinter dem alle her sind. Das kann er beleihen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau das konnte Bj\u00f6rn Scherhorn nicht, als es finanziell immer enger wurde, trotz H\u00f6chstleistungen im Stall und auf dem Acker: Er konnte keinen Kredit aufnehmen. Er lebte zwar in seinem Elternhaus, oder besser im Familienhaus, denn der Hof ist 1789 gebaut, im Jahr der Franz\u00f6sischen Revolution. Aber der Hof geh\u00f6rte ihm damals noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Alles wird weniger<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Vater hatte ihm immer gesagt: Du musst zu den besten zehn Prozent der Landwirte geh\u00f6ren, dann kann dir nichts passieren. Jetzt geh\u00f6rte er zu den besten zehn Prozent, und der Schweinezyklus der Preiskrisen schlug dennoch auch bei ihm zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er arbeitete immer mehr und immer l\u00e4nger und hatte immer weniger Zeit f\u00fcr die damalige Partnerin und den kleinen Sohn. Und er wurde dabei selbst immer weniger. Und auch um den Hof herum wurde alles weniger. Bj\u00f6rn Scherhorn macht es an den Schwalben fest, die in seinem Leben eine gro\u00dfe Rolle spielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er erz\u00e4hlt, wie er als kleiner Junge begeistert die erste Schwalbe des Fr\u00fchjahrs begr\u00fc\u00dfte und wie er dann doch ein wenig trauerte, als es in seiner Fachschulzeit dann nur noch ganz wenige Schwalbennester am Hof gab. \u00bbDas war schade\u00ab, sagt er, \u00bbaber dieses \u201aSchade\u2018 war noch sehr leise damals.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurde dann mit der Zeit aber lauter im Kopf des Landwirts Bj\u00f6rn Scherhorn, der inzwischen ein nerv\u00f6ses Augenzucken entwickelt hatte und den zwischenzeitlich mal ein gel\u00e4hmter Arm plagte. Nervenentz\u00fcndung in der Schulter. Sein K\u00f6rper wollte nicht mehr, er war mager geworden wie seine ausgelaugten Hochleistungsk\u00fche. Dann bemerkte er, dass auch das Land um ihn herum langsam ausgelaugt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbIrgendwann stand ich auf unserem sechshundert Jahre alten Eschboden und stellte fest: Der Boden war weniger geworden.\u00ab Eschboden, oder Plaggenesch, ist eine, vor allem in Nordwestdeutschland, von Generationen von Bauern in m\u00fchevoller Arbeit fruchtbar gemachte Bodenart. Dabei wurden jahrzehntelang immer wieder Grassoden abgestochen und als Einstreu in die St\u00e4lle gefahren, um sp\u00e4ter mit dem Mist auf die \u00c4cker gebracht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle hatte er als Kind mit seinem Vater gestanden, als der den Lehrlingen erkl\u00e4rte, wie ein solch fruchtbarer Boden aufzubauen ist: Mit Mist, mit sehr viel Mist und sehr viel Zeit. Und nun war dieser Boden in seiner Lebenszeit geschrumpft. Obwohl er doch der Vorzeigelandwirt war, der mit den hohen Ertr\u00e4gen auf dem Acker und im Stall, der eigentlich alles richtig machte. \u00bbIch denk: Da muss was passieren, das muss sich \u00e4ndern.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann keimte im optimierten konventionellen Landwirt Bj\u00f6rn Scherhorn der Gedanke auf, vielleicht doch auf Bio umzustellen. Und dann k\u00fcmmerte er sich darum. Aus dem \u00bbda muss sich etwas \u00e4ndern\u00ab war ein \u00bbich muss etwas \u00e4ndern\u00ab geworden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"514\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Kaelber-1024x514.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3456\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Kaelber-1024x514.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Kaelber-300x151.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Kaelber-768x386.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Kaelber-1536x771.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Kaelber-2048x1028.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Halboffene Weidelandschaft mit Str\u00e4uchern und Hecken an den Gr\u00e4ben. Windschutz f\u00fcr die K\u00e4lber, und auch Erosionsschutz und Klimaregulator.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Die letzte Krise<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da war es aber fast schon zu sp\u00e4t. Nicht nur der Boden war weniger geworden, nicht nur Bj\u00f6rn war weniger geworden, auch die Beziehung zu seiner Partnerin war weniger geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbJa, und wie das dann so ist, dann kommt irgendwann jemand anderes ins Leben. Und sie ist dann gefahren.\u00ab Zuerst blieb Bj\u00f6rn Scherhorn allein zur\u00fcck \u2013 mit dem gemeinsamen kleinen Sohn. Dann wurde bald klar, auch der w\u00fcrde gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt kam zu all den Krisen, durch die er den Hof bis hierhin gebracht hatte, auch noch die seiner Beziehung hinzu. Bj\u00f6rn sorgte noch daf\u00fcr, dass der Sohn von den Schwiegereltern aufgenommen wurde. Der Gedanke schien ihm ertr\u00e4glicher, als wenn er mit seiner Mutter zu ihrem neuen Partner z\u00f6ge. Das machte die Sache aber am Ende auch nicht besser. Bj\u00f6rn war klar: \u00bbWenn der Junge vom Hof geht, wird es schwer!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und das wurde es dann auch. Am Morgen fuhr der Vater noch eine Runde Trecker mit dem Sohn, dann wurde der abgeholt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tag, als sein Sohn den Hof verlie\u00df, war der Tag, an dem sich Bj\u00f6rn einen Strick vom Haken nahm und auf den Dielenboden kletterte. Vor dem scheunengro\u00dfen Dielentor hatte er als kleiner Junge die erste Schwalbe begr\u00fc\u00dft. Jetzt stand er, eine lange Zeitreise und viele Krisenjahre sp\u00e4ter, zw\u00f6lf Meter h\u00f6her auf dem Dielenboden und schaute auf einen Balken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbDann siehst du den handges\u00e4gten und handbehauenen Balken, den deine Vorfahren m\u00fchevoll zusammengeschustert und eingef\u00fcgt haben, f\u00fcr dieses Haus, was \u00fcber Generationen h\u00e4lt.\u00ab Und da soll es nun geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbUnd dann kam ne Schwalbe! Wieder eine Schwalbe, wie damals. Die hat mich wieder runtergebracht.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Schwalbenbauer<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Schwalbe sagt man, mache noch keinen Fr\u00fchling. Aber eine einzelne Schwalbe brachte damals Bj\u00f6rn Scherhorn runter vom Dachstuhl und zur\u00fcck ins Leben. Und heute ist der <a href=\"https:\/\/www.hof-scherhorn.de\/\">Biohof Scherhorn<\/a> Lebensraum f\u00fcr ganz viele Schwalben. Im Dachstuhl der Diele h\u00e4ngen ihre Nester unter den Balken. Die Schleiereulen nisten im Dachgeschoss des Stalls. Und auf den Weiden sind die Kiebitze zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und die Menschen im Hof sind inzwischen zu acht. Bj\u00f6rn und Johanna Scherhorn haben gerade ihr sechstes Kind bekommen. Die beiden haben sich, nachdem um Bj\u00f6rn Scherhorn alles zusammenzubrechen schien, auf den \u00d6ko-Feldtagen auf einem Biohof bei Kassel kennengelernt und dabei festgestellt, dass sie aus benachbarten D\u00f6rfern kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt keine Mastschweine mehr im ehemaligen Schweinestall. Aber es gibt Schweine auf dem Hof, ganze vier. Sie sind schwarz und haben eine Stubsnase: Berkshire, eine robuste Schweinerasse, die auch das ganze Jahr \u00fcber drau\u00dfen leben kann. Dazu gibt es G\u00e4nse und H\u00fchner und Lauf\u00adenten. Und es gibt wieder Schafe auf Hof Scherhorn, wie fr\u00fcher. Nur dass sie nicht mehr geschoren werden m\u00fcssen. Die Guteschafe von der schwedischen Insel Gotland werfen ihre Wolle ab, meist als geschlossene Decke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herde der Milchk\u00fche ist auf siebzig gewachsen, und seit ein paar Jahren werden die K\u00e4lber nun auch nicht mehr von den M\u00fcttern getrennt, sondern bleiben bei ihnen. Deshalb wirbt Hof Scherhorn mit \u00bbgeteilter Milch\u00ab. Die Kunden, die den Hofk\u00e4se kaufen, teilen die Milch der K\u00fche mit den K\u00e4lbern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00fche sind von Winterende bis zum n\u00e4chsten Winteranfang drau\u00dfen. Gemolken wird nur noch einmal am Tag. Daf\u00fcr m\u00fcssen die K\u00fche fr\u00fch morgens ihr Weideleben f\u00fcr einen Gang zum Melkstand unterbrechen. Au\u00dferdem haben die K\u00fche von Hof Scherhorn auch wieder H\u00f6rner. Nicht nur, weil der Bioverband Demeter, zu dem der Hof Scherhorn geh\u00f6rt, das so will. \u00bbAuch wenn ein Wolf vorbeikommt, hilft das\u00ab, sagt Bj\u00f6rn Scherhorn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles ist anders als fr\u00fcher auf Hof Scherhorn. \u00bbUnd ich bin endlich Bauer geworden\u00ab, sagt Bj\u00f6rn. Er unterscheidet zwischen den Berufsbezeichnung Landwirt und dem Bauern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist er Bauer, die K\u00fche sind auf der Weide und die Schwalben sind wieder da. Als er Landwirt war, hat er in Produktionseinheiten gedacht, er hat optimiert, Leistung gebracht und Leistung verlangt, auch von den Tieren und dem Boden. \u00bbIch war drin in dem Prozess und konnte anderen Leuten auch richtig gut erkl\u00e4ren, wie das zu funktionieren hat.\u00ab Er und seine leistungsorientierten Kollegen h\u00e4tten damals mitleidig auf die Milchviehhalter im s\u00fcddeutschen Raum hinuntergeschaut. \u00bbGuck dir mal die l\u00e4cherlichen Leistungen an, das funktioniert ja gar nicht. Wie k\u00f6nnen die denn \u00fcberhaupt wirtschaftlich sein? Wir waren auch nicht wirtschaftlich. Aber wir meinten aufgrund der hohen Produktionsmengen, wir w\u00e4ren die K\u00f6nige von Deutschland.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum tiefen Absturz. Den hat er auch bei anderen erlebt. Bei Freunden, die heute nicht mehr da sind, die sich noch nicht vorstellen konnten, alles zu \u00e4ndern, und bei denen im letzten Moment auch keine Schwalbe kam.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"522\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-vor-Diele-1024x522.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3454\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-vor-Diele-1024x522.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-vor-Diele-300x153.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-vor-Diele-768x391.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-vor-Diele-1536x783.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Familie-vor-Diele-2048x1043.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bj\u00f6rn und Johanna Scherhorn mit drei ihrer Kinder vor der Diele, von deren Dachboden Bj\u00f6rn damals eine Schwalbe wieder heruntergeleitete, und in deren Fu\u00dfboden jetzt die Hofk\u00e4serei gebaut werden soll.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Neue Krisen \u2013 neue Wege<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Bj\u00f6rns Wandlung vom Landwirt zum Bauern, nachdem er mit seiner Frau Johanna auf Bio umgestellt hatte, mussten die beiden gleich mehrere D\u00fcrrejahre durchleben. Das war die Zeit, in der die Verkehrsnachrichten zum ersten Mal vor Sandst\u00fcrmen \u00fcber Autobahnen warnten. Nur dass da kein Sand durch die Luft flog und die Sicht nahm. Da flog der ausgetrocknete Humus von den \u00c4ckern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbDer Humus aus dem Boden, der eigentlich den nachfolgenden Generationen zustehen sollte\u00ab, sagt Bj\u00f6rn Scherhorn: \u00bbWir k\u00f6nnen doch nicht so wirtschaften und so Ackerbau betreiben, dass wir die Zukunft einfach wegpfl\u00fcgen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So war es aber damals auch bei ihm vor der Haust\u00fcr. Im ersten D\u00fcrrejahr rasten die hei\u00dfen Winde auch bei ihm \u00fcber die \u00c4cker. \u00bbDa drau\u00dfen stand eine braune Wand, es flog alles weg mit dem hei\u00dfen Wind.\u00ab Und dass es Wind gibt in der Gegend, das sieht man schon an den Windr\u00e4dern die hinter dem Hof aufragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dieser Erfahrung haben die beiden angefangen, die Landschaft umzubauen und Hecken zu pflanzen, Windbrecher. Jetzt lassen sie an den Wassergr\u00e4ben, die es noch gibt, immer auf einer Seite den Bewuchs hochkommen. \u00bbUnd wenn da keine Str\u00e4ucher und B\u00e4ume wachsen, dann pflanzen wir welche.\u00ab Auch Kr\u00e4uter s\u00e4en die beiden ins Weidegras, \u00bbdie helfen unseren Tieren, gesund zu bleiben.\u00ab Spitzwegerich gegen Husten, Schafgarbe gegen Bauchschmerzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entstanden ist so eine von Hecken durchzogene weite Weidelandschaft. Waren es fr\u00fcher gerade mal zehn Hektar Dauergr\u00fcnland, liegen heute achtzig Hektar Wiesen und Weiden um den Hof herum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbDie D\u00fcrre war ein guter Lehrmeister\u00ab sagt Bj\u00f6rn Scherhorn heute. Wir haben gelernt, wie wir hier wirtschaften m\u00fcssen. Und das sei \u00fcbrigens ziemlich genau so, wie das Generationen seiner Vorfahren an diesem Ort schon gemacht haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbIn den D\u00fcrrejahren war jeder Halm knapp\u00ab, sagt er, sie mussten die K\u00fche kilometerweit auf Weiden treiben, auf denen fr\u00fcher nur das Jungvieh stand. \u00bbAber als es dann endlich wieder regnete, wurde es durch das viele Beweiden bei uns wieder gr\u00fcn, w\u00e4hrend drumherum noch alles grau war.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem der gro\u00dfe Teich hinter dem Haus in der ersten D\u00fcrre trockengefallen war, lie\u00dfen sie ihn tiefer baggern, so dass er bei der n\u00e4chsten D\u00fcrre nicht mehr austrocknete. \u00bbUnd wir hatten im n\u00e4chsten Jahr mit der Weidekuhhaltung und dem Teichtieferbaggern siebzig Schwalbenpaare da.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da sind sie wieder, die Schwalben, die nun auch nie wieder verschwinden sollen vom Hof Scherhorn.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Und weiter<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wie geht es nun weiter inmitten von Gr\u00fcnland und Weiden, mit siebzig Milchk\u00fchen und Nachzucht? \u00bbWeiter geht es mit einer eigenen K\u00e4serei\u00ab, sagt Johanna Scherhorn. In einen Seitenfl\u00fcgel des Hauses, die scheunengro\u00dfe sogenannte Diele, wird ein Loch gebaggert und da hinein kommt die K\u00e4serei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbWir wissen genau, wo wir hinwollen\u00ab, sagt Johanna Scherhorn. Sie k\u00f6nnten es sich viel einfacher machen und umstellen auf die sogenannte Mutterkuhhaltung. Dabei werden Fleischrinder aufgezogen und es wird nicht gemolken. \u00bbWir haben schon h\u00e4ufiger gesagt, Mutterk\u00fche w\u00e4ren so viel einfacher\u00ab, sagt Johanna, \u00bbaber wir h\u00e4ngen einfach an Milchk\u00fchen. Wir finden die einfach unglaublich sch\u00f6n. Wir machen das unglaublich gerne.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit die Milch mehr einbringt, sollen aber nun nicht mehr K\u00fche auf den Hof, sondern die zweite Verarbeitungsstufe: die K\u00e4serei. \u00bbWir wollen nicht Masse produzieren, sondern Qualit\u00e4t\u00ab, sagt Johanna Scherhorn, \u00bbund die dann direkt vermarkten, gerne regional, aber auch \u00fcber den <a href=\"https:\/\/shop.hof-scherhorn.de\/\">Online-Shop<\/a>. Der K\u00e4se kann auch mit der Post zu den Kundinnen und Kunden kommen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt auch noch weitere Ausbaupl\u00e4ne f\u00fcr die Zukunft. \u00bbWir w\u00fcrden das kleine Paradies, das wir hier geschaffen haben, gerne erhalten und auch anderen zug\u00e4nglich machen.\u00ab Zum Lernort machen will Johanna Scherhorn den Hof. Schon jetzt kommen im Fr\u00fchjahr immer mehr radelnde Bird Watcher zum Hof, um sich die gefiederte Vielfalt anzuschauen und anzuh\u00f6ren, die es in den ausger\u00e4umten Feldfluren l\u00e4ngst nicht mehr gibt, die aber rund um den Hof Scherhorn wiedergekommen ist. So etwas kann man auch professionell anbieten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00e4ume f\u00fcr Seminare und Veranstaltungen w\u00e4ren da, ganze H\u00e4user sogar. Sie m\u00fcssten nur ausger\u00e4umt und ausgebaut werden. Aus einem Schweinestall in einem weit \u00fcber zweihundert Jahre alten Hof einen Seminarraum zu machen, ist kein kleines Unterfangen. Aber das ist auch Zukunftsmusik, jetzt kommt erstmal die Hofk\u00e4serei und mehr Direktvermarktung. Denn mehr Milchgeld wegen des besonders hohen Omega-3-Fetts\u00e4uregehalts durch die Vollweidehaltung zahlt auch die Bio-Molkerei nicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"494\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidelandschaft-1-1024x494.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3457\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidelandschaft-1-1024x494.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidelandschaft-1-300x145.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidelandschaft-1-768x371.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidelandschaft-1-1536x741.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Hof-Scherhorn-Weidelandschaft-1-2048x988.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Weite Weidelandschaft um Hof Scherhorn. Hier war vor wenigen Jahren noch Ackerland, dessen Krume in den D\u00fcrrest\u00fcrmen davonflog.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bj\u00f6rn Scherhorn liegt viel daran, dass auch andere Landwirte das Gl\u00fcck haben, das ihn in Gestalt einer Schwalbe im letzten Moment noch erreicht hat. Es war knapp, aber die 1299 begr\u00fcndete Bauernfamilie Scherhorn lebt weiter auf dem Hof bei Berge, Baujahr 1789. Viele andere Bauern haben ihre Geschichte mit einem Suizid beendet. Und es werden leider sehr rasch immer mehr, die ihrem Leben ein Ende setzen, die keinen Ausweg mehr sehen. Es wird Zeit, dass wir da hinschauen, dass wir den Bauern helfen, sich aus ihren Abh\u00e4ngigkeiten zu befreien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn es angesichts dieses Problems peinlich banal klingt, der Serientitel dieses Blogs und des zugeh\u00f6rigen <a href=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/ffe052-der-bauer-und-der-tod\/\">Podcasts<\/a> weist den Weg: Es hilft schon, den Einkaufswagen bewusster zu steuern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema dieses Blogs und des zugeh\u00f6rigen Podcasts ist kein leichtes. Das verr\u00e4t schon der Titel. Aber es ist ein notwendiges, denn die Bauern sterben. 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