{"id":567,"date":"2021-08-12T07:34:32","date_gmt":"2021-08-12T06:34:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/?p=567"},"modified":"2021-09-02T10:33:51","modified_gmt":"2021-09-02T08:33:51","slug":"grenzzaun-ost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/grenzzaun-ost\/","title":{"rendered":"Grenzzaun Ost"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die f\u00fcr Wild- und Hausschweine t\u00f6dliche Afrikanische Schweinepest ist in Polen au\u00dfer Kontrolle. Deshalb haben die Bundesl\u00e4nder Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern entlang der Ostgrenze einen Zaun gezogen, der die Wildschweine vom Grenz\u00fcbertritt abhalten soll.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hinter dem ersten Zaun entsteht gerade ein zweiter, und zwischen den beiden Z\u00e4unen soll dann eine wildschweinfreie Wei\u00dfe Zone sein \u2013 alles zum Schutz der deutschen Hausschweine und vor allem der gro\u00dfen Schweinebetriebe. Kann man eine Tierseuche, die von Wildtieren verbreitet wird, an einer Landesgrenze aufhalten? Und was sagen die gewaltigen Anstrengungen dazu \u00fcber unser Verh\u00e4ltnis zu unseren Hausschweinen und \u00fcber das deutsche Schweinehaltungssystem?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"657\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue1-1024x657.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-742\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue1-1024x657.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue1-300x193.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue1-768x493.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue1-1536x986.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue1-2048x1315.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Saugutes Leben im Freien: Deutsche Sattelschweine auf Gut Hirschaue im Landkreis Oder-Spree. Weil die Region zum seuchengef\u00e4hrdeten Gebiet geh\u00f6rt, wurde diesen Schweine schon mehrfach Stallarrest verordnet. | Foto: Gut Hirschaue <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Seuche versus Biohaltung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als die Afrikanische Schweinepest ASP im Juli die deutschen Hausschweine erreicht hat, geschah das, obwohl die Amtstier\u00e4rzte in den bedrohten Gebieten den Schweinen den Auslauf gestrichen hatten. Auch in einem Biobetrieb im Landkreis Spree-Nei\u00dfe war den zweihundert Schweinen der Weg nach drau\u00dfen seit September 2020 verwehrt, obwohl dieser Auslauf f\u00fcr Bioschweine vorgeschrieben ist. Trotz der \u201eAufstallung\u201c wurde bei einem der Schweine im Juli der ASP-Erreger festgestellt. Das war das Todesurteil f\u00fcr alle Schweine, auch f\u00fcr die gesunden. Man nennt das \u201eKeulen\u201c, wenn alle Tiere eines Betriebes wegen einer Seuche get\u00f6tet werden. Sprache kann manchmal genauso brutal sein wie die Realit\u00e4t. Bei dem zweiten ASP-Ausbruch bei Hausschweinen starben nur zwei und im dritten Fall nur vier Tiere, weil es sich dabei um Kleinsthaltungen handelte. Auch diese Tiere wurden im Stall gehalten, ohne Auslauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann man daraus schlie\u00dfen, dass das Aufstallen, das die Veterin\u00e4r\u00e4mter allenthalben verf\u00fcgen, wenn eine Tierseuche naht, gar nicht sch\u00fctzt? Dass die reine Stallhaltung gar nichts verhindert? Es k\u00f6nnte so sein. Sicher ist, dass die reine Stallhaltung f\u00fcr Schweine, die das Leben im Freien gewohnt sind, eine Qual ist. Der Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest scheint aber s\u00e4mtliche Diskussionen \u00fcber Tierwohl und artgerechte Haltung au\u00dfer Kraft zu setzen. Und das, obwohl die Betriebe, die ihre Schweine im Freien halten wollen, sie auch ohne Seuche schon mehrfach umz\u00e4unen m\u00fcssen, damit die Hausschweine auf keinen Fall mit Wildschweinen in Kontakt kommen k\u00f6nnen. Das reicht aber angeblich nicht, wenn es um die Afrikanische Schweinepest geht. Die n\u00e4mlich kann auch von Aasfressern \u00fcbertragen werden \u2013 theoretisch. Und sie k\u00f6nnte dabei sogar fliegen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/FLI_Prof_Dr_Franz_J_Conraths01-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-743\" width=\"287\" height=\"430\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/FLI_Prof_Dr_Franz_J_Conraths01-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/FLI_Prof_Dr_Franz_J_Conraths01-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/FLI_Prof_Dr_Franz_J_Conraths01-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/FLI_Prof_Dr_Franz_J_Conraths01-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/FLI_Prof_Dr_Franz_J_Conraths01-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/FLI_Prof_Dr_Franz_J_Conraths01.jpg 1417w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><figcaption>Die Gefahr, dass V\u00f6gel die Schweinepest \u00fcber die Schutzz\u00e4une tragen, d\u00fcrfte gering sein, sagt Prof. Franz J. Conraths, dennoch empfiehlt das Friedrich-L\u00f6ffler-Institut Stallhaltung im Seuchengebiet. | Foto: FLI <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eEs besteht ein Risiko, das aber meiner Meinung nach sehr gering ist\u201c, sagt Deutschlands oberster Tier-Epidemiologe Prof. Franz J. Conraths, der Vizepr\u00e4sident des Friedrich-L\u00f6ffler-Instituts FLI: \u201eDennoch empfehlen wir, in den Kerngebieten und den gef\u00e4hrdeten Zonen die Aufstallung von Schweinen anzuordnen, um diesem Risiko zu begegnen.\u201c Das Institut hat selber in einer Studie festgestellt, dass nicht nur die Aasfresser unter den S\u00e4ugetieren, wie Fuchs oder Marderhund, an Wildschweinkadavern fressen, sondern auch V\u00f6gel, die jeglichen Schutzzaun \u00fcberfliegen k\u00f6nnen. Aufnahmen von Wildkameras belegen, dass Kr\u00e4henv\u00f6gel mit Gewebe im Schnabel die Kadaver verlassen. Aber wie weit fliegen sie damit? Lassen sie das Gewebe irgendwo fallen? Kann eine solche kleine Gewebeprobe Schweine infizieren? Ist es deshalb vielleicht ganz sinnlos, Schutzz\u00e4une gegen die Afrikanische Schweinepest zu bauen \u2013 nicht nur um freilaufende Hausschweine herum, sondern auch entlang der Grenze? Franz Conraths sagt: \u201eWenn der zweite Zaun im Abstand von f\u00fcnfhundert bis tausend Metern zum bestehenden Zaun entlang der Grenze gezogen ist und die Zone dazwischen wildschweinfrei w\u00e4re, dann h\u00e4tten wir eine wirksame Barriere gegen die Afrikanische Schweinepest aus dem Osten.\u201c Der Professor betont, dass er hier bewusst den Konjunktiv w\u00e4hlt, weil es nicht einfach ist, eine solche Zone wirklich wildschweinfrei zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das aber gelingen w\u00fcrde, dann ginge es nur noch darum, wie wir die Gebiete ASP-frei bekommen, die schon verseucht sind. Und das erweist sich gerade als schwierig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einsperren als L\u00f6sung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem ASP-Ausbruch in dem Biobetrieb im Landkreis Spree-Nei\u00dfe hie\u00df es, Nagetiere h\u00e4tten die Seuche in den Stall getragen, also M\u00e4use oder Ratten. \u201eDavon wei\u00df ich nichts\u201c, sagt Franz Conraths: \u201eWenn so ein Ausbruch geschieht und man keine offizielle Quelle wei\u00df, dann kocht die Ger\u00fcchtek\u00fcche. Und das k\u00f6nnte bei dieser Nagetierhypothese so sein. Was man sagen kann, ist, dass es in gro\u00dfer N\u00e4he zu diesem Betrieb Funde von Wildschweinen mit ASP gegeben hat. Der n\u00e4chste war rund vierhundert Meter entfernt.\u201c Wie die Seuche von dort allerdings trotz aller professionellen Hygienema\u00dfnahmen, \u00fcbrigens inklusive \u201eSchadnager-Management\u201c, tats\u00e4chlich zu den Hausschweinen im Stall gelangte, ist nicht gekl\u00e4rt. Dem Betrieb sei nichts vorzuwerfen, sagt der Epidemiologe, dort sei alles richtig gemacht worden. Und dennoch habe es ihn erwischt: \u201e\u00c4rgerlich!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht erwischt hat es indes einen Betrieb, der seine Schweine im Freiland h\u00e4lt, und das trotz Aufstallpflicht in der gef\u00e4hrdeten Zone: das Gut Hirschaue in Birkholz, rund sechs Kilometer \u00f6stlich der Spree. Schon der Vater der beiden heutigen Betriebsleiter Michael und Henrik Staar hatte den Betrieb 1992 von Bioland zertifizieren lassen. Heute bewirtschaften die Br\u00fcder fast sechshundert Hektar, zweihundert davon als Wildgehege f\u00fcr Dam- und Rothirsche. Dazu gibt\u2019s die eigene Fleischerei und den Hofladen. Und dann gibt es, seit Michael Staar vor \u00fcber zwanzig Jahren seinen eigenen Betrieb aufbaute und in den Verbund einbrachte, bis zu zweihundert Schweine in Freilandhaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst z\u00fcchtete er Deutsche Sattelschweine, eine in der DDR aus Angler Sattelschwein und Schw\u00e4bisch H\u00e4llischem Schwein entstandene eigene Rasse, die ehemals zehn Prozent des Schweinebestandes im Osten ausmachte. Heute geh\u00f6rt das Deutsche Sattelschwein zu den gef\u00e4hrdeten alten Haustierrassen auf der Roten Liste und das Gut Hirschaue beteiligt sich am Erhaltungszuchtprogramm. Dazu kam eine eigene Rasse, die die Hirschauer \u201eM\u00e4rkisches Sattelschwein\u201c nennen. Diese Schweine entstanden aus mehrfacher Kreuzung von Deutschen Sattelschweinen und Wildschweinen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDiese Tiere wachsen im Freiland auf und leben das ganze Jahr drau\u00dfen\u201c, sagt Henrik Staar: \u201eDie k\u00f6nnen wir jetzt nicht pl\u00f6tzlich einsperren. Das verkraften die nicht!\u201c Andere Freilandhalter, die ihre Schweine aufstallen mussten, berichten von deren Langeweile und Aggressionen, bis hin zu blutigen Verletzungen. Schweine sind eben eigentlich keine Stalltiere. Nun hat der Betrieb Ende Juli eine \u201eOrdnungsverf\u00fcgung\u201c des Landkreises zugestellt bekommen, mit der Aufforderung, die Tiere bis zum 22. August aufzustallen. Die Berliner Rechtsanw\u00e4ltin Katrin Brockmann hat f\u00fcr das Gut Hirschaue sowohl gegen die spezielle Ordnungsverf\u00fcgung, als auch gegen die Allgemeinverf\u00fcgung des Landkreises zum Umgang mit der ASP, Widerspruch eingelegt. Am 9. August hat der Landkreis eine neue Allgemeinverf\u00fcgung erlassen, gegen die nun ein neuer Widerspruch eingelegt werden muss. \u201eEs ist ein Katz-und-Maus-Spiel\u201c, sagt Henrik Staar. Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Betriebe des Guts gegen solche Verf\u00fcgungen vorgegangen sind. Bisher wurde allen Widerspr\u00fcchen stattgegeben. Das mag auch daran liegen, dass die Rechtsanw\u00e4ltin von Gut Hirschaue einsch\u00e4tzen kann, was eine Aufstallung f\u00fcr die Tiere bedeuten w\u00fcrde. Katrin Brockmann ist nicht nur Juristin, sondern auch Agraringenieurin. Die Schweine jedenfalls sind immer noch im Freien.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei das mit der Freiheit \u00e4u\u00dferst relativ ist. Die \u00c4cker, auf denen die Schweine w\u00fchlen, sind dreifach eingez\u00e4unt. Innerhalb des umz\u00e4unten Wildgatters steht ein zwei Meter hoher Zaun, der zus\u00e4tzlich noch einen halben Meter in die Erde reicht. Anerkannt als wolfssicherer Festzaun, kann er von Wildschweinen nicht unterw\u00fchlt werden. Der dritte Zaun folgt nach dreihundert Metern Pufferzone und ist ebenfalls zwei Meter hoch.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue2-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-744\" srcset=\"https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue2-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue2-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.florianschwinn.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Hirschaue2-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Michael Staar bei seinen Deutschen Sattelschweinen. Die stehen auf der Roten Liste. Wenn die Zuchtschweine von Gut Hirschaue wegen der Afrikanischen Schweinepest get\u00f6tet werden, ist die ganze Rasse in Gefahr. | Foto: Gut Hirschaue <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tierwohl ade<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUm die Tiere ging es bei allen Auseinandersetzungen um die Aufstallung eigentlich nie\u201c, sagt Henrik Staar. \u201eWie es denen im Stall gehen w\u00fcrde, scheint niemanden zu interessieren. Die sind keine Individuen mit Bed\u00fcrfnissen, sondern werden als Sache behandelt.\u201c Und eine Sache k\u00f6nne man ja eben mal wegstellen. Wobei davon in der Schweinepestverordnung, der Grundlage f\u00fcr das Handeln der Veterin\u00e4r\u00e4mter in den gef\u00e4hrdeten Gebieten, gar nichts steht. Dort hei\u00dft es in \u00a7 14a lediglich: \u201eMit Bekanntgabe der Festlegung des gef\u00e4hrdeten Bezirks haben Tierhalter im gef\u00e4hrdeten Bezirk (\u2026) die Schweine so abzusondern, dass sie nicht mit Wildschweinen in Ber\u00fchrung kommen k\u00f6nnen.\u201c Das Wort Aufstallung kommt in der Schweinepestverordnung \u00fcberhaupt nicht vor. Auch das sicherlich ein Grund daf\u00fcr, dass der Landkreis Oder-Spree bislang immer ein Einsehen hatte und den Widerspr\u00fcchen von Rechtsanw\u00e4ltin Brockmann gegen die eigenen Verf\u00fcgungen stattgab.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Br\u00fcdern Michael und Henrik Staar geht es im \u00dcbrigen bei ihrer Schweinehaltung gar nicht darum, die Tiere zu m\u00e4sten. Mast kann man das auch kaum nennen, was da auf den \u00c4ckern von Gut Hirschaue geschieht; dazu wachsen die Schweine viel zu langsam, sowohl die Sattelschweine, vor allem aber die Wildschweinkreuzungen. \u201eDie Schweine sind ein Teil unserer Fruchtfolge\u201c, sagt Henrik Staar. Zu der geh\u00f6rt im Ackerbau eine f\u00fcnf Jahre dauernde Phase mit Kleegras. Das wird zun\u00e4chst vier Jahre lang von Hirschen beweidet. Die sind allerdings sehr w\u00e4hlerisch bei der Futtersuche. Am Ende steht auf den Weiden dann nur noch das, was die Hirsche nicht fressen m\u00f6gen. Jetzt kommen, im f\u00fcnften Jahr, die Schweine auf die Fl\u00e4chen und brechen sie um. Die Schweine d\u00fcngen noch einmal und sparen den Pflug. Ein sch\u00f6nes Konzept, das mit Stallhaltung zunichte w\u00e4re. Zumal es weder den Stall gibt, noch das Stroh, das dann zur Einstreu n\u00f6tig w\u00e4re. Denn Stroh ernten ist im ASP-gef\u00e4hrdeten Gebiet verboten, damit die Seuche nicht in den Betrieb eingetragen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und weiter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie geht das nun weiter mit der Afrikanischen Schweinepest und der Schweinehaltung. Mit immer neuen Verf\u00fcgungen und immer neuen Widerspr\u00fcchen? Oder dann doch mit dem Ende der Freilandhaltung und damit der artgerechtesten Haltung, die wir Schweinen antun k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Corona-verw\u00f6hnte Frage noch an Deutschlands obersten Tier-Epidemiologen: Wann k\u00f6nnen wir die Afrikanische Schweinepest bek\u00e4mpfen, wie das mit der klassischen Schweinepest auch gelungen ist? Will sagen: Wann kommt die Impfung? \u201eEs sieht jetzt nicht mehr ganz so ung\u00fcnstig aus, wie noch vor ein, zwei Jahren. Es gibt jetzt ein paar Kandidaten von Virusvarianten, die aus Tieren stammen und im Labor ver\u00e4ndert wurden, bei denen es erste Hinweise darauf gibt, dass man daraus vielleicht etwas machen k\u00f6nnte.\u201c Sagt Prof. Franz J. Conraths und warnt: \u201eEs wird aber nicht so werden wie bei Corona. Es wird f\u00fcnf bis zehn Jahre dauern, bis wir die Wildschweine impfen k\u00f6nnen.\u201c Das ist eine sehr lange Zeit, wenn man wei\u00df, wie es in den engen St\u00e4llen der Gro\u00dfbetriebe zugeht, wie es den Schweinen dort geht, die eigentlich alle nach drau\u00dfen geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter IGS in Brandenburg und der dortige Bauernverband scheinen das nicht wissen zu wollen. Sie lassen keine Gelegenheit aus, die Freilandhaltung im Gut Hirschaue anzugreifen. Die Schweine sollen im Stall verschwinden, damit sie sich nicht infizieren. Wie die Schweine, die sich im Stall befanden und sich doch infizierten. Eine wenig logische Argumentation? Scheint so. Aber nur, weil nicht gesagt wird, worum es wirklich geht: Um die wirtschaftlichen Interessen der Schweinehalter, um das gesamte Schweinesystem, nicht um die Tiere. Wer weiterhin Schnitzel oder Nackensteaks f\u00fcr f\u00fcnf oder sechs Euro das Kilo kauft, unterst\u00fctzt dieses System.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Gut Hirschaue: <a href=\"http:\/\/www.gut-hirschaue.de\">http:\/\/www.gut-hirschaue.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Rote Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gef\u00e4hrdeter Haustierrassen GEH: <a href=\"https:\/\/www.g-e-h.de\/index.php\/rote-liste-menu\/rote-liste\">https:\/\/www.g-e-h.de\/index.php\/rote-liste-menu\/rote-liste<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Risikoeinsch\u00e4tzung des Friedrich-L\u00f6ffler-Instituts zur Afrikanischen Schweinepest: <a href=\"https:\/\/www.openagrar.de\/servlets\/MCRFileNodeServlet\/openagrar_derivate_00036860\/FLI-Risikoeinschaetzung_ASP_2021-04-19-bf.pdf\">https:\/\/www.openagrar.de\/servlets\/MCRFileNodeServlet\/openagrar_derivate_00036860\/FLI-Risikoeinschaetzung_ASP_2021-04-19-bf.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Schweinepest-Verordnung: <a href=\"https:\/\/www.buzer.de\/gesetz\/7039\/index.htm\">https:\/\/www.buzer.de\/gesetz\/7039\/index.htm<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die f\u00fcr Wild- und Hausschweine t\u00f6dliche Afrikanische Schweinepest ist in Polen au\u00dfer Kontrolle. 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